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Der 27. Spieltag ist vorbei und es zeigt sich wieder einmal, daß der sich aus der aktuellen Situation ergebende Kampf unbedingt anzunehmen ist, um Unangenehmstes zu vermeiden. Aufgeben ist keine Option, Widerstand vielmehr so dringend geboten wie für alle Beteiligten notwendig. Das gilt gleichermaßen im Kampf um den Klassenerhalt, der mit gerade einmal 3 Punkten Abstand zum möglichen Abstiegsplatz so akut für uns wie für fast die ganze Liga ist in dieser ungewöhnlich dichten Spielzeit. Aber eben auch für die politische Auseinandersetzung rund um G20, um die nachträgliche Deutungshoheit der NoG20 Proteste und auch darum, angesichts der immer stärker werdenden Überwachung und Repression nicht die Hoffnung und den Rechtsstaat zu verlieren. Wie auch gegen den Rechtsruck und Nazis auf den Straßen. Widerstand ist dringend nötig!

Ein „Festival der Demokratie“ waren die NoG20 Protesttage rückblickend tatsächlich in gewisser Weise, manches hatte ja wirklich annähernd Festivalcharakter auf Seiten derjenigen, die für die Demokratie gekämpft haben – allen Versuchen der Staatsmacht zum Trotz, diese nach jeder faktisch möglichen Variante zu unterbinden. Wie sehr die Rechtswidrigkeit Programm war, wurde bei der Vorführung zum dokumentarischen Film mit dem gleichen Titel – eben „Festival der Demokratie“ – und der anschließenden Diskussion mit einem der Filmemachern und zwei der Interviewpartner – nebst vielen anderen Dingen deutlich. Gerade im Rückblick wird klar, wie extrem die Wahrnehmung der an den vielfältigen Protesten beteiligten Personen und die der öffentlichen Wahrnehmung bzw. polizeilichen Deutung – der Hamburger Polizeichef Dudde nennt die G20 Proteste auf Veranstaltungen allen Ernstes „(linksextremistischen) Terrorismus“ – auseinandergehen. Wie unglaublich bunt und friedlich die Proteste waren und mit was für einer absichtlich rechtswidrigen Gewalt die Polizeikräfte agiert haben, schlimmste Verletzungen bei den Protestierenden in Kauf nahmen und am Ende eine Eskalation herbeigeführt haben, all das und mehr zeigt die lohnende Doku.

Unter der webpräsenz https://www.festival-der-demokratie.de kann man Vorführtermine, nähere Infos, trailer und später irgendwann auch den Film käuflich als Download oder in fester Form erwerben. Solange es möglich ist – in Hamburg gibt es nach wie vor Vorführtermine – sollte sich jede interessierte Person die Möglichkeit nicht nehmen lassen, zu einer solchen Vorführung hinzugehen, denn die anschließenden Diskussionen offenbaren nicht nur Zusätzliches, die Beiträge von Seite der Zuschauenden sind auch ungemein spannend und in gewisser Hinsicht auch hilfreich für alle, denn die sehr krassen Szenen waren und sind nicht so einfach zu verarbeiten.

Der Ausbau zu einem Überwachungs- und Polizeistaat wird immer weiter fortgeführt – siehe nur https://www.heise.de/newsticker/meldung/Experten-kritisieren-massiv-geplante-bayerische-Polizeirechtsreform-4001651.html – und auch in Hamburg war ein Vorgeschmack davon zu sehen wie der unfaßbare und natürlich rechtswidrige Einsatz von Kriegswaffen auf Seiten der Polizei. Das Schlimme ist ja, daß die Gesetze und die Verfassung zum einen immer weiter in die eine Richtung ausgedehnt werden und zum anderen die noch verbleibenden folgenlos ignoriert werden. Die Gesamtschau ist ein Grauen. Und wie auch zu G20 ist die Reaktion der Meisten so, wie eine Frau im Publikum es so treffend zum Ausdruck brachte, als sie von einem Austausch mit einer Bekannten erzählte: dieser Bekannten, die von den NoG20 Protesten nur aus den Medien etwas erfahren hatte, hatte die Frau ihren Augenzeugenbericht vorgetragen – und am nächsten Tag erzählte ihr die Bekannte, daß sie nichts mehr davon hören wollte, da es sie um die Nachtruhe gebracht hatte. Ja, die aktuellen Zustände bereiten schlaflose Nächte und genau aus dem Grund schauen viel zu viele lieber weg und hoffen irgendwie, daß es entweder gar nicht so schlimm werde oder aber wenigstens nicht sie persönlich betreffe. Alles Trugschlüsse, die das Problem nur vertiefen. Es ist, wie gesagt, Widerstand notwendig. Auch im Kampf um die Deutungshoheit der Ereignisse und der aktuellen Entwicklung. Frau Schneider von den Linken Hamburg gebührt in dieser Hinsicht der größte Respekt.

Widerstand ist nach wie vor auch gegen die Nazis notwendig, die sich jeden Montag in Hamburg treffen. Wird deren Zahl auch nach und nach kleiner und die Anzahl der gegen sie auf die Straße Gehenden größer, so ist der Spuk noch lange nicht vorbei.

Und auf den Staat darf man sich dabei wahrlich nicht verlassen. Das lehrt auch die Geschichte, gerade in Hamburg und auch bei der SPD. Spannend, wie Carl von Ossietzky schon 1931 von dem Kampf der Sozialdemokraten gegen Links erzählt, gegen „beide Seiten“, als der Kampf gegen Rechts so dringend nötig gewesen wäre und angesichts der deutlichen Gefahr auch überdeutlich. https://archive.org/stream/DieWeltbhne27-11931#page/n425/mode/2up liest sich nicht wirklich wie ein Bericht aus einer anderen Zeit, vielmehr erschreckend aktuell.

Zeit für eine kleine Atempause. Machmal muß man einfach den Augenblick auch einfach mal verdauen. Kopfschüttelnderweise. Bzw. genießen. Jetzt erst recht. Ein frisch gezapftes Ratsherrn IPA paßt dazu wunderbar. Prost!

Ob wir in der nächsten Spielzeit gegen die Vorstadt spielen werden, hängt vor allem von uns ab, denn wenn deren Abstieg noch lange nicht sicher, wenn auch wahrscheinlich ist, so sieht das ganze bei uns viel komplizierter aus. 7 Spieltage vor Schluß trennen den 5. und den 16. Tabellenplatz gerade einmal 5 Punkte. Da ist noch absolut niemand gesichert, auch wir nicht. Nur ganz oben und unten sieht es etwas anders aus, allen voran beim Gastgeber des 27. Spieltags für uns, dem 1. FC Kaiserslautern. 8 Punkte in 7 Spieltagen zum rettenden Ufer aufholen zu müssen ist mit der schier unmöglichen Aufgabe der Vorstadt vergleichbar. Beide stehen ja auch ganz unten. Nur das Stadion der Lauterner ist ganz oben…

Tröööt sei Dank (und zwar wieder vielmals) habe ich davon auch wieder Bilder zum Vorzeigen. Nächste Saison wird es wohl nicht mehr zum Betze gehen.

Der Schrecken von einst ist längst verflogen und so hofften wir durchaus auf etwas Zählbares an diesem Tag.

Bunte und vielfältige Aufkleber sind ja wirklich schön, das Gegenbeispiel habe ich hier unterschlagen, rechtsextreme Sch… muß ich ja nicht wiederholen hier. Keine Ahnung, wo der angebracht war, aber offensichtlich außer normaler Reichweite. Sonst hätte der kaum den Besuch des FCSP Anhangs überlebt.

So voll der Gästeblock wieder einmal war, der Heimbereich wirkte daheim auf dem Bildschirm erschreckend leer. Wie kann man das eigene Team beim Kampf um den Klassenerhalt nur so allein lassen? Naja, nicht unser Problem. Und es geht ja auch schlimmeres, hat man so gerade in den letzten Tagen vernommen… Nicht nur in Hamburg weiß eins ja, was ich meine.

Das Spiel lief in vielfacher Hinsicht gut für uns, wir waren stark und hätten alle drei Punkte holen müssen. Hätten. Leider wurde es am Ende ja nur einer und so leicht wie an diesem Tag wird es in den folgenden Spieltagen wohl kaum noch werden, solche zu holen. Wobei „leicht“ durchaus übertrieben ist. Der FCK ist ja kein Selbstläufer, nur weil der Verein auf dem letzten Tabellenplatz steht. Eigentlich sind wir da ja eher der Typ Aufbaugegner…

Zum Glück nicht wirklich an diesem Tag. Keine Ahnung, wie und mit welchen Spielern wir in der nächsten Saison antreten – unglaublich traurig, daß Lasse sich zum Abschied entschieden hat, aber nach seinen großartigen Leistungen bleiben nur große Dankbarkeit und eben ein unfaßbares Loch zurück – aber wir werden wie an diesem Spieltag auch wieder eine gute Mannschaft aus Feld kriegen. Okay, das mit der Torgefahr ist in dieser Spielzeit wirklich so eine Sache. Naja…

Spieler des Tages war für mich Allagui – in jeder Hinsicht, denn beide Tore waren quasi „sein Ding“. Den Führungstreffer zum 0-1 holte er mit einer guten Aktion heraus, als sein Gegenspieler ihn nur mit einem Foul im Strafraum bremsen konnte und dafür Rot sah. Den fälligen Elfer versenkte Aziz sicher und die Überzahl tat uns sichtlich gut. Bis eben kurz vor Schluß ein vollkommen überflüssiges Unterlaufen von Allagui in Strafraumnähe einen Freistoß einbrachte, der, weil niemand von uns aufpaßte, zum Ausgleich führte. 1:1 in jeder Hinsicht also.

Rein positiv hervorzuheben hingegen ist Park, der sich von Spiel zu Spiel steigert und zu einer festen Stütze nicht nur hinten sondern auch im Spiel nach vorne geworden ist. Den Mann unbedingt halten und mit ihm langfristig planen! Daß er an diesem Spieltag den letzten Schuß (einigermaßen knapp übers Tor) abgab, paßte zum Bild, verdient hätte er sich in jedem Fall diesen Treffer. Sollte aber nicht sein. Trotzdem ein großer Auftritt.

Schwer zu sagen, wohin für uns in dieser Spielzeit noch die Reise gehen wird, zu viele Vereine liegen zu dicht beieinander, als daß es hier frühzeitig Sicherheit geben könnte. Und sei es nur um die Frage der Platzierung. Der letzte Spieltag wird darüber Aufschluß gaben. Nur für Lautern führt der Weg überdeutlich nach unten. Da wird vermutlich auch der als Ex-Trainer geschätzte Frontzeck nicht weiterhelfen können. So oder so – es bleibt für alle spannend!

Das Gleiche gilt auch für den Fußball in Deutschland insgesamt, denn dank eines FCSP Antrags und der Mehrheit der DFL Mitglieder bleibt die 50+1-Regel bestehen: https://www.fcstpauli.com/news/dfl-mitgliederversammlung-spricht-sich-fuer-beibehaltung-der-50plus1-regel-aus/ – Danke an Oke Göttlich und Andreas Rettig für ihr Bemühen, das sich ausgezahlt hat!

Mehr zum Spiel:
http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=9015
https://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/sorry-sami
https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2018/03/19/matchday-27-1-fc-kaiserslautern-vs-fc-sankt-pauli-1-1/