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Heimsieg. Zu Null. Gegen Dresden. Die Rote Laterne abgegeben. Sogar einen direkten Abstiegsplatz verlassen, endlich mal wieder. Und doch redet fast alles über eine Tapete und das auf eine Weise, die unfaßbar ist. Den Opfermythos in Dresden hat sie thematisiert, was mehr als wichtig ist – aber haften bleibt leider nur, daß der Opfermythos wirkt. Und das ist, weitaus mehr als die Formulierung an sich, über die man immer diskutieren könnte, wenn man denn mag – das ist eine Niederlage für uns alle, Nazis ausgenommen. Und das ist das Traurige an diesem Spieltag.

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Angefangen hatte es ja schon durchwachsen. Was jetzt nicht an den lieben Menschen oder dem Biertasting vor dem Spiel lag, das war alles mehr als gelungen. Aber die Trauer war halt da, bei mir, na klar… Getrunken wurde auf Plüsch. Und das schon sehr früh, denn die anstehende Choreo bedeutete natürlich auch ein früheres Hineingehen.

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Aber es gibt natürlich auch noch weit über das Persönliche hinausgehende Themen. Am Millerntor und überall. Und ich finde ich so schön wie wichtig, daß wir dies hier auch thematisieren und nicht in die Falle des „Unpolitischen“ fallen.

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Oder in jene der üblichen Vorgehensweisen bei sportlichen Mißerfolgen. Das Ewald der Richtige ist, das glauben hier nach wie vor nicht nur viele, auch im Verein, man hat es beim Auswärtssieg in Braunschweig auch deutlich sehen können. Das Feuer ist in der Mannschaft vorhanden und wurde auch gegen Dresden gezeigt. So ist alles möglich.

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Die Dresdner Fans selbst haben sich bislang eher gut am Millerntor verhalten, wenngleich die Geschichten von Auswärtsfahrten (selbst nie eine dorthin unternommen) ganz anders lauten. Daß nicht wenige aber mit Pegida und co. sympathisieren, das sollte mittlerweile auch bekannt sein: http://www.netz-gegen-nazis.de/beitrag/hooligans-die-pegida-miliz-aus-dem-stadion-9979.

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Über die mehr als nur drohende Diktatur in der Türkei gibt es genügend Infos, da braucht es keine Verlinkung mehr. Aber Solidarität mit jenen, die dort verfolgt werden.

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Erschreckend ist, wie rasch sich die ganze Welt hier gewandelt hat. Umso wichtiger, sich dem entgegen zu stellen.

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Daß sich die Pegidafreunde von uns abgrenzen wollen, auch voller Hass, kann man da nur als Kompliment verstehen.

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Vor dem Anpfiff gab es eine wunderschöne Choreo. Die Nord fing an…

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Die Süd antwortete…

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Und die Gegengerade ertrank wieder einmal in Konfetti…

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„Klassenkampf“ als perfektes Motto an diesem Tag.

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Paßt wieder einmal großartig.

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Voller Support von den Rängen.

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Alle geben alles.

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Und im Gegensatz zu so vielen anderen Choreos der letzten Zeit ging diese nicht in ein schlechtes Spiel unsererseits über, wir brachten auch auf den Rasen alles, was benötigt wurde.

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Und auch die Unterstützung während des Spiels war laustark und gut.

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Spielerisch war das ein Anknüpfen an den großartigen Auftritt in Braunschweig. Über ein Plus in den Zweikämpfen und der Bereitschaft, niemals einen Ball aufzugeben und in jeder Situation immer alles zu geben, kam die Mannschaft – nach einem eher ausgeglichenen Start der hoch oben in der Tabelle stehenden Gäste – immer besser ins Spiel und dominierte nach wenigen Minuten eigentlich bis zum Ende der Partie.

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Die Tore wurden dabei durch starkes Pressing erzwungen und anschließend schnell und gut herausgespielt. Das 1-0 war dabei so etwas wie der endgültige Brustlöser und es lief einfach für uns.

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Auch in der Nachwuchsarbeit läuft es ja, um mal diesen Gruß als Anlaß zu nehmen. Unsere U23 Spieler sind jedenfalls bereit, wie man sehen konnte, wenn sie benötigt werden, auch wenn es in diesem Spiel nicht dazu kam. Denn wir haben jetzt die Führungsspieler auf dem Platz, die einen solchen Rückgriff nur selten notwendig machen.

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Insgesamt wurden ja nur wenige Veränderung in der Zusammensetzung der Mannschaft vorgenommen – daß diese derart gut einschlugen, das zeigt wieder einmal, wie wichtig die richtige Zusammensetzung des Kaders ist. Was wir von den Neuen zu sehen bekommen, das gefällt in jedem Fall. Nicht umsonst wurde Buchtmann nur eingewechselt. Und das ist kein Absprechen seiner tollen Qualität, sondern eben ein Lob für das aktuelle team. Das gerade im Mittelfeld nicht mehr Probleme hat. Auch und gerade ein Thy zeigt, wie wichtig sein Arbeit nach hinten für die ganze Mannschaft ist. Für Torgefahr müssen dann allerdings andere sorgen, was aber eben auch funktionieren kann und an diesem Tag konnte.

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Aziz war zwar wieder dabei getroffen haben aber andere. Choi und Sahin verewigten sich in der Trefferliste des Spiels. Und bewiesen, daß wir eben auch im gesamten Zusammenspiel Torgefahr können – so ein Pressing funktioniert nun mal nicht mit einem Spieler.

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Halbzeit ist Tapetenzeit. Abschiede…

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Möchtegernabschiede…

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Fragezeichen…

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Ausrufezeichen.

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Auch gegen Nazis. Die gerade in Dresden wieder am Marschieren sind. Nicht nur bei Pegida. http://www.mdr.de/sachsen/proteste-dresden-vor-dreizehntem-februar-100.html

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Sich zu positionieren ist aktuell wichtiger denn je. In Sachen Trump und UA hat der Verein Worte gefunden, über die man diskutieren kann. Lesenswert dazu: https://metalust.wordpress.com/2017/02/10/die-stellungnahme-des-fc-st-pauli-zur-trump-under-armour-connection/.

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Und während die Spieler zurück auf das Spielfeld liefen, zeigte USP jene Tapete, über die es im Nachklang mehr Diskussionen gab, als über das Spiel selbst. Vorweg: ich fand sie gut und wichtig. Vom Wortlaut her war sie nicht meine, weswegen ich auch nicht zu 100% hinter der gewählten Formulierung zu stehen brauche – wohinter ich aber ohne Einschränkung stehe, das ist die kritische Thematisierung des Dresdner Opfermythos, siehe dazu https://kpeterl.wordpress.com/2017/02/11/dresden-der-13-februar-zwischen-opfermythos-und-danke-bomber-harris-3/. Der Versuch, diesen Teil der Geschichte propagandistisch auszuschlachten, haben seinerzeit schon die Nazis unternommen und bis in die heutige Zeit wird dies von Seiten der Rechten weiterhin versucht. Daß dabei einerseits der Holocaust als zu lange zurück liegend angesehen wird, und von den gleichen Leuten die Deutschen Opfer im 2. Weltkrieg so nachhaltig thematisiert werden, zeigt wohl am besten, worum es bei diesem Thema geht.

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Auch auf die direkten Folgen der Bombardierung Dresdens gilt es hinzuweisen: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/21470. Dresden war keine unschuldige Stadt – wie alle anderen Städte in Deutschland es zu dieser Zeit auch nicht waren. Es geschahen unfaßbare Verbrechen. Und im Krieg sterben auch ohne Ende Unschuldige. Aber der Krieg ging vom Deutschen Boden aus und er wurde von der Mehrheit der Bevölkerung, die eben für Deutschland im unterstützenden Sinne „brannte“, mitgetragen. Dresden spielt dabei im Gedenken gerade der Nazis eine herausragende Rolle im Versuch, die Deutsche Bevölkerung als Opfer darzustellen. Und leider wirkt dies immer noch nach, wie man aktuell an der Diskussion über diese Tapete sehen kann, an dem, was in Dresden vorgeht – siehe http://www.tagesspiegel.de/politik/gedenken-an-2-weltkrieg-dresden-tritt-dem-opfermythos-entgegen/19387160.html und was hinter der Diskussion steckt – lesenswert wieder einmal https://metalust.wordpress.com/2017/02/13/uebers-gedeihen-und-verderben-fc-st-pauli-dynamo-dresden-20/ sowie http://lichterkarussell.net/besorgte-bomber/ und auch http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=8204. Ja, es gibt auch in Dresden jene, die sich dem Opfermythos entgegenstellen. Und, auch zutreffend, auch bei Dynamo gibt es Fans, die solches sicherlich tun. Insofern kann man sicherlich über die Wortwahl als solches reden, ob es nicht auch anders möglich gewesen wäre zu formulieren. Nur: es wurde formuliert – und eben nicht geschwiegen. Das Thema ist aktuell und wichtig und ich bin USP dankbar dafür, daß es thematisiert wurde.

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Daß es gerade in Dresden auch immer wieder Tapeten gibt, die Grenzen überschreiten – zu der aktuellen schreib ich nichts weiter – ist dabei noch eine andere Sache. Wie auch die unterschiedliche Reaktion auf solche Tapeten. Auf die Reaktion von DFB/DFL bin ich da schon einmal gespannt. Ich erwarte eine krasse Überreaktion. Würde mich aber freuen, wenn diese ausbliebe. Warten wir es ab.

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Die zweite Halbzeit brachte eine Fortsetzung der ersten. Was jetzt logisch ist, aber ich meinte damit spielerisch. Wir überzeugten weiterhin mit unserem vollem Einsatz und wir erzwangen wieder einen Treffer zum 2-0 Endstand. Groß. Und immens wichtig.

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Der Jubel war wichtig. Und auch der Zeitpunkt, denn nach dem Treffer erschien mir die Mannschaft doch reichlich platt. Wir hatten sehr viel Einsatz gezeigt und überließen nun den Gästen eher das Feld. Nach hinten weiter alles gebend, aber es war deutlich zu sehen, daß die Spielweise uns ausgezehrt hatte. Was auch am schweren Rasen gelegen haben mag…

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Jedenfalls schienen auch die Dresdner nicht mehr wirklich viel nach vorne bringen zu können. Die zwei Tore reichten, da eben diesmal gar kein Gegentreffer dazu kam.

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Mit einem tollen Zusammenhalt haben wir den Sprung aus dem absoluten Tabellenkeller geschafft. Nun gilt es, in den direkten Duellen da unten in den nächsten drei Partien nachzulegen. Alles geben, alles geht!

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Die Feier war nach dem Spiel zwar deutlich, aber nicht ausgelassen – eher energiegeladen. Alle wissen, daß wir diesen Weg weitergehen müssen, ohne einen Moment innezuhalten.

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Geben wir auch nur ein kleines wenig weniger, dann reicht es nicht in dieser Liga.

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Das hat man an diesem Tag an den Gästen gesehen. Ohne 100% geht es einfach nicht.

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Weiterhin alles geben. Weiter so!

Mehr zum Spiel:
https://metalust.wordpress.com/2017/02/13/uebers-gedeihen-und-verderben-fc-st-pauli-dynamo-dresden-20/
http://grenzenlos1910.com/ein-deja-vu-der-hoffnungsvollen-art-die-zweite/
https://www.stefangroenveld.de/2017/brustloeser/
http://usp.stpaulifans.de/copper/thumbnails.php?album=404
http://blog.uebersteiger.de/2017/02/13/20-spieltag-h-sg-dynamo-dresden/
http://beebleblox.blogspot.de/2017/02/klassenkampf-nachster-akt.html
http://millerntor.hamburg/2017/02/pferdeaersche-und-ackergaeule/
http://niceguys.blogsport.de/?p=48
https://www.konbon.de/sportlich/auf-st-pauli-brennt-noch-licht-heimsieg-gegen-dresden/
http://www.fcsp-pendler.de/dresden_heim1617.php
https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2017/02/13/matchday-20-fc-sankt-pauli-dynamo-dresden-2-0/

4 Comments

  1. Danke für die unaufgeregte Einordnung der Tapete. Sehr wohltuend bei der Hysterie die auch in der FCSP-Fanszene um sich gegriffen hat.

  2. Auf die Verbands-Reaktion bin ich auch gespannt, aber über die unseres Vereins, so unglaublich schnell und so unsagbar gebückt, war ich ehrlich erschrocken: Natürlich bleibt einem der Satz zunächst im Halse stecken, aber genau das soll er ja, um das Denken über den Opfermythos, über die Folgen des Deutschen (Doitschen!) Verbrecher-Regimes bis in die Gegenwart hinein anzuregen, gerade im Spiel gegen Pegida und auf sehr St. Paulieske Weise. Von daher danke ich USP, mit denen ich in der Vergangenheit nicht immer konform ging, ganz ausdrücklich für die Tapete, für ihren aufrechten Gang (und dir für deine klaren Worte): Do it again!

    Forza, magischer FC!

  3. Die öffentliche Entschuldigung vom Verein am selben Abend gab es wahrscheinlich aus taktischen Erwägungen. Um DFL/DFB den Wind aus den Segeln zu nehmen und den Shitstorm der im Netz stattgefunden hat / stattfindet wenigstens etwas zu begrenzen. Allerdings stehe ich nicht hinter der Entschuldigung, ausgenommen der Teil mit der Erklärung gegen den Opfermythos.

    Wie undifferenziert die Tapete von meinen Kollegen und anderen sogenannten FCSP-Fans zerissen wird hat mich bestürzt. Weder die Kollegen auf der Arbeit noch die eine große Anzahl der User im stpauli-forum waren fuer Argumente auch nur ansatzweise zugänglich. Alles wurde damit totgeschlagen das die Tapete geschmacklos ist. Klar ist die Tapete hart aber wer kommt denn auf den Gedanken die Tapete wörtlich auszulegen?

    Eines ist sicher AFD, Nazis, Reichsbürger, Pegida-Freunde und andere Leute reiben sich die Hände und freuen sich das die „normalen Bürger“ und sogar Fans des FC St Pauli empört sind und sich praktisch mit Ihnen solidarisieren.

    Verdammt nochmal es war nur eine Tapete!

  4. Erstmal Danke für das feedback.

    Noch mehr aber Danke für die Tapete, denn die Reaktionen zeigen ja nur zu deutlich, wie wichtig das Thema derzeit ist. Der Opfermythos ist derart in den Köpfen, daß alle im vorauseilenden Gehorsam (leider scheint auch das offizielle statement davon etwas zu haben) in der Tapete (Achtung, Übertreibung – zumindest liest es sich bei manchen so) den ’schlimmstmöglichen Angriff auf die Menschlichkeit überhaupt‘ zu sehen scheinen. Manche jedenfalls. „Tapetenholocaust“ hatte ich auf twitter gefunden und auch anderes Unerträgliche.

    Wobei ja nicht jede Kritik daran auf diese Weise erfolgt ist. Nur… Vor allem AfD und NPD Wähler und offene Befürworter haben sich auf twitter (und sicher auch anderswo) ausgetobt, daß man sich fragt, wie man bei solchen Tapetenkritikern ohne eine Distanzierung von diesen überhaupt Kritik an dieser ebenfalls üben kann.

    Unter dem Strich zeigt mir das nur, daß wir das Thema Opfermythos noch weitaus stärker thematisieren müssen. Auch beim FCSP, aber allgemein in der Gesellschaft. Hier macht sich eine rechte Erinnerungs“kultur“ und Geschichtsumschreibung allgemein breit, die von NPD/AfD-Seite seit Jahren gewünscht wird. Dieser Kampf muß weitergehen.


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