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Eigentlich haben wir mehrere. Offensichtlich ist das sportliche, dazu später noch mehr, das Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue hat ja Gelegenheit genug dafür gegeben. Auch die wie im Schockzustand verharrenden Tribünen mit ihrem insgesamt viel zu geringen support sind erwähnenswert. Was mich aber wirklich ankotzt, das sind jene Vorfälle wie an diesem Freitag gegen Aue, wenn in unseren Blöcken Menschenfeindlichkeit vorkommt und die Betreffenden damit quasi durchkommen – das ist nicht neu, vielmehr ein immerwährender Prozeß, aber dies tritt leider umso deutlicher zutage, je weniger sich andere daran zu stören scheinen – vielleicht auch, weil die Resgination angesichts der sportlichen performance ihnen im Wege steht. Das kann nicht das sein, was wir am Millerntor wollen. Oder auswärts. Oder allgemein.

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Der Tag selbst stand an sich trotz der Roten Laterne aus persönlicher Sicht unter einem guten Vorzeichen, kamen doch derart viele liebe Menschen zu diesem Spiel von weit her, die es aufgrund der Entfernung sonst kaum schaffen. Schottland, Griechendland und insbesondere Brasilien sind jedenfalls nicht das einfache alltägliche Einzugsgebiet für Heimspiele.

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Umso schöner das Zusammenkommen, das bereits am Donnerstag im Jolly begann und sich auch noch über den Freitag hinaus erstrecken sollte – wenn auch in wechselnder Gemeinschaft.

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Da es gleichzeitig auch um einen Abschied ging, führten uns unsere Pfade im Vorfeld der Partie doch noch einmal ins Backbord, wo insbesondere die vegane Currywurst mit Hingabe gewürdigt wurde.

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Nun hat die Küche dort endgültig geschlossen und nur noch Abschiedspartys stehen an. Der Laden fehlt schon jetzt…

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Und da man auf einem Bein bekanntlich nicht stehen kann, ging es zum gemeinsamen Vorspieltasting vor die Fanräume, wo die üblicheren auswärtigen wie auch die heimischen Heimfans auch noch dazu stießen. Und wir alle zusammen genußvoll. Wieder ein Moment des Glücks, bei dem eigentlich nur das nachfolgende Spiel störte…

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Sehr willkommen die mitgebrachten Sticker aus Glasgow – wer United Glasgow FC noch nicht kennt, sollte sich einfach mal mit diesen beschäftigen: http://unitedglasgowfc.org.uk/our-story.

Hinein ins Stadion und gleich die Erkenntnis: in der Gegengeraden gibt es keine Veggie-Wurst mehr vom Standardgrill. Also nur noch dieser eine Stand mit dem fettigen Burger verbleibt. Gut, daß wir schon draußen gegessen hatten. Und dabei wird es wohl in Zukunft bleiben.

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Ich wollte es ja so lange wie möglich herauszögern, aber so langsam komme ich nicht herum, etwas zum eigentlichen Spieltag zu schreiben… Die Ausgangslage war klar: wir stehen unten drin und brauchten Punkte, um die Rote Laterne abzugeben. Das Gegenteil ist ja eingetroffen und wir haben gegen einen direkten Abstiegskandidaten verloren. Das ist alles doppelt und dreifach bitter. Und das unter dem Trainer, den wir hier wirklich verdammt noch einmal sehr lieben. Weil Ewald einfach hierher paßt.

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Wenigstens haben wir diese Heimniederlage nicht gegen irgendeinen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt verloren, sondern gegen die durchaus sympathischen Erzgebirgler. Gibt nun wahrlich Schlimmeres. Trotzdem sehr unschön.

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Was wirklich schlimm ist, das sind aber die Dinge, die über den Sport hinausgehen – wie das, was unsere ehemalige Nr. 23 in der Türkei erfahren muß. http://www.dw.com/de/ex-pauli-profi-deniz-naki-trotzt-t%C3%BCrkischer-justiz/a-35991704 Umso wichtiger die solidarische Unterstützung seitens des Vereins und der Fanszene. YNWA!

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Grandios ja auch die Unterstützung, die Naki im Testspiel gegen Werder hier erfahren hatte. Inwieweit dies alles bei ihm ankommt, weiß ich natürlich nicht, aber ich hoffe, daß unser Verein auch hinter den Kulissen nichts unversucht lassen wird, positive Einflüße zu nehmen. Vielleicht kommt ja doch noch etwas von den Verbänden. Es wäre ein wichtiges Zeichen.

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Ein wichtiges Zeichen wäre es auch gewesen, wenn an diesem Freitag Abendspiel mit Flutlicht das Millerntor gebrannt hätte. Hat es aber nicht. Es wahr eine erschreckend schlechte Unterstützung von den Rängen. Und zwar insgesamt betrachtet. Es ist ernüchternd, wenn so wenige bereit sind, die Mannschaft in so einer Phase zu unterstützen.

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Sicher gab und gibt es auch jene, die weiterhin die Mannschaft nach vorne peitschen. Auch ich will nicht damit aufhören. Nur wenn so wenige mitmachen, dann verhallt das doch eher ungehört. Und man verstummt irgendwann auch, wenn so wenige mitmachen. Das ist nicht schön.

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Ich weiß nicht, ob es an einer Art übersteigerten Erwartungshaltung liegt. Nach der überraschend guten Vorsaison haben viele wohl geglaubt, daß es nun zu einer Aufstiegsparty kommen würde. Oder aber wie ich die Hoffnung gehabt, daß wir mit dem Abstiegskamp zumindest nichts zu tun haben werden. Aber es kamen schon derart viele unschöne Dinge zusammen – allein die Anzahl der Spiele, in denen wir einen klaren Elfmeter nicht zugesprochen bekommen haben in dieser Spielzeit ist größer, als die der Spiele, wo uns dies nicht passiert ist. Hinzu die Verletztenmisere – es ist einfach grausam.

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Das Ergebnis mußten wir gegen Aue wieder einmal erleben: und zwar vor allem in der zweiten Hälfte. Eine totale Verunsicherung griff um sich. Und da stehen wir uns zu allem Überfluß dann auch noch selbst im Weg. So kann es gegen keine Mannschaft in dieser Liga gutgehen. Da müssen wir ganz schnell herauskommen.

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Wobei ich nach wie vor dem Trainer, der Mannschaft und auch dem Sportchef vertraue. Wir brauchen nur endlich ein Ende der Pechsträhne aus Benachteiligungen von Schiedsrichterseite, Verletzungen und dann vor allem auch ein Ende der eigenen Unsicherheit. Wir können es doch! Daran gilt es einfach wieder zu glauben.

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Es fing ja auch gut an, endlich ein gegebener Elfmeter – der später nicht gegebene Elfer war dann allerdings auch wieder typisch für diese Saison – und wir konnten ganz früh in Führung gehen. Unfaßbar nur, daß dies den support nicht in den Himmel gerissen hatte. Wobei es ja in der ersten Hälfte echt gar nicht schlecht lief. Wenn wir vor allem die eine Situation erfolgreich abgeschlossen hätten, dann wäre aus dieser „100%tigen“ Gelegenheit nicht nur das 2-0 entstanden, wir hätten womöglich auch genau jenes Selbstvertrauen entwickeln können, das uns dann später endgültig verloren ging. Das 1-1 zur Pause war dann schon eine ganz andere Nuß, die es zu schlucken galt. Das wirklich Schlimme war, wie leicht und vorhersehbar das ging. Und hier muß ich leider einen Spieler auf unserer Seite negativ herausheben, der in dieser Saison vollkommen unter seiner Leistung bislang geblieben ist und den Aue sich ausgeguckt hatte: Buballa. Immer wieder liefen die Angriffe über ihn und fast jeden Zweikampf verlor er da draußen an der Seite. Ich weiß nicht, ober er mal eine Pause braucht oder aber ob er sich von selbst wieder herankämpft. Sicher ist nur: wenn er wieder an die Stärke der letzten Spielzeit anknüpft, dann haben wir dort eine Bank und kein Loch. Aber das betrifft auch die Spieler neben ihn, die ihn in solchen Momenten zu unterstützen haben – auf dieser Seite läuft es aktuell insgesamt hinten nicht rund.

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Hier muß ich gerade passen…

Nachtrag: vermutlich was mit der Vorstadt und dergleichen. Das vertiefe ich hier nicht.

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In der Halbzeit hieß es dann erst einmal sich sammeln… Wobei die Befürchtung bestand, daß wir nun eher verunsichert zurückkommen würden, was sich leider bestätigen sollte.

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Zeit für solidarische Grüße nach Rojava – siehe https://www.neues-deutschland.de/artikel/1028347.rojava-beweist-dass-es-alternativen-gibt.html.

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Wie ernst das Problem mit dem Sander Dickkopp ist, zeigte sich an diesem Wochenende: https://twitter.com/schumann_fabian/status/788135446069084160. Hier gilt es weiter Stellung zu beziehen.

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Wie auch eben mit Deniz Naki.

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Unterstützung verdient auch der aktuelle Kader wie die sportliche Führung. Hier wird ja nicht freiwillig der Untergang gewollt. Sicherlich liegt einiges im argen – das Kämpferische beispielsweise war einfach katastrophal. Zu viele Zweikämpfe gingen verloren. Allgemein war die Einstellung nicht die richtige für den Kampf um den Klassenerhalt. Wie sich fast alle Spieler bei einem eigenen Einwurf immer wieder umdrehten und lethargisch weggingen, anstatt sich anzubieten, das war einfach eine ganz schlimme Körpersprache. Wo bleibt da der Wille? Die Gäste haben ihn gezeigt. Und sich dadurch letzten Endes selbst belohnt.

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In der letzten Minute das 1-2 zu kassieren war natürlich ein Genickschlag. Davon erholten wir uns nicht mehr. Müssen es vielmehr wieder einmal verarbeiten. Das Schlimme ist nur, daß der Frust so tief sitzt.

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Aus diesem Tal müssen wir gemeinsam herauskommen.

Und das Gemeinsame brauchen wir auch insgesamt. Sonst kann es nicht funktionieren.

Das gilt eben auch für die Ränge. Ableismus, Sexismus und Homophobie, die lautstark geäußert werden – und wenn sich eine einzelne Person mutig dagegen ausspricht, schweigen die Umstehenden bzw. die Begleiter unterstützen den verachtenswerten Rufer auch noch. Der dann auch noch dem lieben Menschen, der sich dagegen aussprach, unangenehm kam. Ja, was um alles in der Welt läuft bei uns nach all den Jahren immer noch so schief? Natürlich sehe ich das als einen Einzelfall an, aber der Bericht, den ich von (absolut vertrauenswürdiger) Seite bekam, war einfach grausig. Egal wo – wenn solche Worte kommen, dann müssen Widerworte her. Und zwar gemeinsam. Nicht eine Einzelperson machen lassen und weggucken. Das kann so nicht angehen. Aber ganz viel lieben Dank an den Menschen, der sich an diesem Tag dagegen ausgesprochen hat. Und an alle, die es in so einer Situation tun. Ihr seid das St. Pauli, das wir hier brauchen.

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Erschreckend auch, wie wenig Fans nach diesem Spiel noch zur Mannschaft stehen wollen. Auch wenn ich die Enttäuschung verstehen kann, eben weil so vieles an der Einstellung offensichtlich fehlte. Aber es haben sich auch drei Spieler in diesem Spiel für unseren Verein verletzt. Wer da jetzt einfach nur herausgeht, hat das mit dem YNWA aus meiner Sicht nicht richtig verstanden. Wir kommen da nicht mit Schweigen heraus. Sondern nur gemeinsam mit ganzer Kraft.

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Ein solches Beispiel konnte nach dem Spiel mit dem Diffidati-Marsch erlebt werden. Diese gemeinsame Kraft brauchen wir. Und noch mehr davon!

Und als Fazit bleibt einfach: die lieben Menschen sind es einfach wert. Ergebnisse sind nicht das, worauf es ankommt. Auch wenn wir gerne wieder punkten sollten. Ich bleibe gern in dieser Liga…

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Da der Frust so tief saß, brauchte ich mehr als das Wochenende, um das Spiel zu verdauen und darüber bloggen zu können. Was zur Folge hatte, daß ich nun auch noch etwas über die Konzerte am Montag im Kampnagel schreiben kann. Swans lohnen ja eh, aber die Vorgruppe Anna von Hauswolff war auch reizvoll. Gesehen hatte ich beide Band schon einmal, die Vorgruppe erst in diesem Jahr, aber als Ablenkung war es dennoch ideal. Irgendwie weiß ich noch immer nicht so recht, was ich von denen halten soll. Irgendwie ein extrem spannendes Konzept, nur diese Stilmittel der andauernden Übersteuerungen zerstört für mich einen Großteil eines jeden Songs. Irgendwie schade. Der Rest ist nämlich durchaus schön.

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Schön ist dann aber definitiv das falsche Wort, um den grandiosen Auftritt der Swans zu umschreiben. Irgendwie werden sie immer krachiger und weniger melodiös mit fortgeschrittenem Alter. Aber was sie zeigen, das ist einfach ein Erlebnis. Die Swans sind mit ihrem brachial-noisigen Drone-Rock, auch hell ausgeleuchtet, einfach ein finsteres Monster.

Ein ähnlicher Auftritt wenige Monate zuvor zeigt auf, wie extrem diese Band ihren Sound weiter entwickelt hat. Das Konzert, das über drei Stunden am Stück ging und bei dem gerade einmal ein halbes dutzend Stücke gespielt wurden (!), war einfach ein Erlebnis der einzigartigen Variante. http://www.spiegel.de/kultur/musik/swans-konzert-in-hamburg-hypnotische-musik-ohne-grenzen-a-1117088.html faßt es recht gut zusammen. Aber wer dieses Krachgewitter, bei dem der Boden unter den Füßen die ganze Zeit bei der krassen Laustärke vibrierte, ohne Lärmstop aushielt, hat einfach selbst schuld. Ich hatte mir zudem noch zusätzlich die Ohren zugehalten. Aber es hat sich trotzdem gelohnt. Was für ein genialer sound. Und ein positiver Abschluß für diesen Bericht. Muß einfach auch mal sein.

Mehr zum Spiel:
http://grenzenlos1910.com/wie-soll-das-enden/
http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=8140
http://usp.stpaulifans.de/copper/thumbnails.php?album=391
http://millerntor.hamburg/2016/10/zu-frueh-gekommen/
http://beebleblox.blogspot.de/2016/10/zweimal-drei-sind-sechs-zu-wenig-fcsp.html
http://niceguys.blogsport.de/2016/10/15/senfdaz26/
https://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/die-grossen-grossen-kleinigkeiten
und diesmal ganz besonders hervorzuheben:
https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2016/10/17/matchday-09-fc-sankt-pauli-erzgebirge-aue-1-2/

Und jetzt einfach nur: Liebe.

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  1. […] Kleiner Tod (German) […]

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