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Eines hat diese JHV, die dabei gehaltenen Reden sowie ihre Vor- und Nachberichterstattung eindeutig gezeigt: Wortspiele können überstrapaziert werden. Und sie wurden und werden es immer noch. Da sind die naheliegenden, aufgrund von Namen, wie die unseres neuen Präsidenten Oke Göttlich, bei dem sich Vor- und Nachname geradezu aufdrängen, aber auch bei unserem alten Präsidenten sowie einem nicht gewählten ehemaligen Aufsichtsratsmitglied gab es naheliegende Verwendungen. Nicht, daß ich mich hier ausschließen will, doch nach dieser JHV und gerade ihren Redebeiträgen freue ich mich eigentlich eher darüber, wenn solche Methoden keine Anwendung finden. Ihre Häufung habe ich zumindest als etwas störend empfunden. Erfreulich waren hingegen die personellen Entscheidungen, von einer abgesehen, und auch ein Großteil der auf der JHV gefallenen Worte an sich. Sprich: eine JHV, die den Verein insgesamt vorangebracht hat.

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Die vorab befürchtete und von den Medien geradezu herbeigesehnte Schlammschlacht und Abrechnung des – Mäjestätsbeleidigung! – nicht mehr zur Wahl gestellten (alten) Präsidiums durch den (alten) Aufsichtsrat blieb zum Glück aus, dennoch wurde das Thema ausführlich diskutiert. Hierbei wurde schnell deutlich, daß der Aufsichtsrat nicht zu deutlich werden wollte, eben auch um durch die Offenlegung aller Gedanken dazu dem scheidenden Präsidium nicht unnötig weh zu tun – ging es doch nicht um eine Abstrafung des alten Präsidiums, sondern vielmehr darum, daß dem neuen Präsidium nur eben noch mehr zugetraut wurde als dem bisherigen. Das Bessere als Feind des Guten also. Da halfen Nachfragen auch nicht wirklich weiter, da jedes Herumbohren nur in genau jenen Worten enden konnten, die zu diesem Zeitpunkt niemanden wirklich weiterhelfen konnten. Die Entscheidung vom alten Aufsichtsrat war ja bereits satzungsgemäß mit ihrem Vorschlagsrecht getroffen und das konnte (und sollte) auf der JHV auch nicht mehr revidiert werden, zumal bei so einer Einschätzung und zukünftigen Prognose naturgegeben immer viel Ungewißheit eine Rolle spielt.

Zwischendurch gab es auch Erheiterndes:

Spannender wirkte da schon die Frage, warum es zu keiner Kampfkandidatur gekommen ist. Gründe dagegen sind offensichtlich, denn bei zwei Kandidaturen kommt es zu Wahlkämpfen, die letztlich zu Beschädigungen von Verein und zur Wahl gestellten Personen führen können. So schön es ist, eine Wahl zu haben zwischen zwei Alternativen, so problematisch kann es dabei auch zugehen, vor allem, wenn eine Seite über den bestehenden Machtbonus verfügt und die über Jahre entstandenen Kontakte zu den Medien zum eigenen Vorteil nutzt (was ja nicht gerade weit hergeholt wäre). So, wie ich den bisherigen Aufsichtsrat verstanden habe, im Vorfeld mit allen zur Auswahl in Frage kommenden Personen, auch dem alten und neuen Präsidenten, besprochen wurde – einhellige Ansicht war wohl, daß eine solche Kampfabstimmung nicht gewünscht war. Daß, nachdem die Entscheidung für Oke Göttlich als Vorschlag für den Posten als Präsidenten gefallen war, dann doch eine Kampfabstimmung gewünscht wurde von Stefan Orth, der dazu aber nicht mehr gefragt wurde, wäre eine mögliche Erklärung der Vorgänge. Ganz sicher können wir uns da nicht sein, aber ich zumindest habe mir das aus den Aussagen auf der JHV so zusammengereimt.

Deutlich wurde in den Redebeiträgen nocheinmal, wie wichtig ein wirtschaftliches Handeln auch in Zukunft werden wird. So gut auch die Bilanz des bisherigen Präsidiums war in diesem Punkt, in den nächsten fünf Jahren müssen noch bessere Ergebnisse erzielt werden, um die von dem alten Präsidium im Rahmen der Infrastrukturmaßnahmen – Stadionneubau und Kollaustraße – geschaffenen Verbindlichkeiten befriedigen zu können. Machen wir uns also nichts vor, ein Klassenerhalt ist auch aus wirtschaftlicher Sicht notwendig – und wir brauchen neue Konzepte, die über die bisherigen hinausgehen, ohne den Verein in seinem Wesen zu verraten. Das sind schon große Herausforderungen.

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Mit viel Beifall wurde das alte Präsidium verabschiedet und mit deutlicher Zustimmung das neue gewählt. Gerade in Sachen Kommunikation traue ich dem neuen Präsidium mehr Kompetenz zu und hoffe, daß die gute Arbeit vom alten vom neuen weitergeführt, visionär erweitert wird und dabei der ganze Verein mitgenommen wird. Wobei zugegeben eine solch hohe Erwartung durchaus auch eine Bürde sein kann. Warten wir ab, wie Oke und sein team damit umgehen werden. Zu seinen Vize-Präsidenten möchte ich jetzt auch noch etwas schreiben. Ersteinmal aber noch erwähnen, daß mir die längeren Redezeiten sehr gefallen haben, da im Gegensatz zu der Kurzvorstellung im Ballsaal nun ausführliche Reden möglich waren und wir dadurch einen besseren Einblick in alle Personen, die mit Oke zusammenwirken werden im Präsidium, erhalten konnten. Den guten Eindruck, den Joachim Pawlik in Kurzform bei mir machte, verdrehte sich dann auf der JHV bei ausführlicherer Vorstellung in das genaue Gegenteil. Seine Ausführungen zum Personalcoaching, oder welches Wort er da auch immer verwendete, wirkten eher befremdlich auf mich. Die anderen drei hingegen punkteten bei mir mehr,vor allem Thomas Happe und Reinher Karl. Jochen Wienand wirkte eher neutral kompetent, hat aber im Gegensatz zu Pawlik ebenfalls meine Stimme anvertraut bekommen. Nun ist das neue Präsidium an der Reihe.

Inwieweit das Projekt „Kollaustraße 2“ verwirklicht werden kann bei all den genannten Voraussetzungen, das wird noch in Ruhe zu prüfen sein. Ebenso, ob es überhaupt sinnvoll ist, wo es sich bei dem Gelände doch um ein ausgewiesenes Überschwemmungsgebiet handeln soll. Ich hoffe, daß das neue Präsidium dies mit der gebotenen Weitsicht prüft und eine gute Lösung für den Verein finden wird. Wobei insgesamt die bisherigen Infrastrukturmaßnahmen nicht so optimal verliefen, wie es hätte sein können – aber das ist ja altbekannt.

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Bei der Wahl zum Aufsichtsrat kam der Kracher dann auch Gleich mit dem ersten Redebeitrag, bei dem sich Uwe Doll um Kopf und Kragen redete. Fußball sollte allein im Vordergrund stehen und Fans sich nicht so wichtig nehmen und stören. Sehr heftig fielen die Nachfragen aus und als dann von ihm auch noch die Weitergabe von Strafen an die Fans gefordert wurde im Rahmen von „Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen“, da war dann endgültig das Faß mit der willkürlichen Festsetzung von Strafen der Verbände gegenüber Vereinen und deren höchst problematischen Übertragung bzw. der Frage nach deren Möglichkeit an sich auf Einzelpersonen aufgemacht. Insgesamt eigentlich eher die Büchse der Pandorra. Aus der Nummer kam er auch nicht mehr heraus, was ihm zu spät, aber noch vor der Abstimmung offensichtlich auffiel, doch zu mehr als einem eingeschnappt wirkenden „dann werde ich halt nicht gewählt“ kam es nicht mehr. Die Emotionen kochten hoch und das war in vierlei Hinsicht auch gut so, machen doch gerade auch die über den reinen Fußball hinausgehenden Dinge, die von Fanseite aus kommen, diesen Verein doch gerade aus.

Viele haben sich ja bereits auf der Kandidat_innen-Vorstellung in der Süd ein Bild von den zur Wahl stehenden Personen gemacht gehabt, siehe https://kleinertod.wordpress.com/2014/11/05/ausblick-auf-die-fcsp-jhv-2014-wahl-prasidium-und-aufsichtsrat-sowie-antrage/. Hier wirkte die in Fankreisen bekannte Sandra Schwedler auf mich am überzeugendsten, leider war sie aus Gründen internationaler Fanarbeit an diesem Tag verhindert. Ihre Rede wurde von einer anderen Person vorgetrage, sogar Antworten auf etwaige Fragen hatte diese parat, es kamen jedoch keine. Und doch war sie insgesamt so überzeugend, daß sie die meisten Stimmen an diesem Abend auf sich vereinigen konnte. Zum Glück hat ihr Fehlen an diesem Tag den Verein um diese kompetente Frau nicht gebracht.

Auch das starke Abschneiden von Roger Hasenbein, der darüber hinaus für eine kompetente Fortführung der bisherigen Arbeit des Aufsichtsrates stehen kann, hat mich nicht überrascht und erfreut. Aber auch alle anderen gewählten Personen haben es verdient.

Knapp an einem Posten im AR vorbeigeschrammt ist die zweite Frau in der Runde der Kandidat_innen, aber auch andere Bewerber, die mit guten Reden Punkte und Stimmen sammeln konnten, haben es letztlich nicht geschafft. Dennoch Danke an alle, die sich für dieses Amt beworben haben. Es gab wirklich enorm viele gute Kandidaturen in diesem Jahr. Inwieweit die AFM in Zukunft Vorschläge machen sollte, darüber kann zwar durchaus gesprochen werden, ich glaube aber nicht, daß dies einen entscheidenden Effekt bei der Stimmabgabe hatte.

Da mit Kai Scharff einer der beiden bisherigen Kassenprüfer in den Aufsichtsrat gewählt wurde, mußte noch kurzfristig eine weitere Person für das frei gewordene Amt gefunden werden. Inwieweit dies vorausschauend hätte gemacht werden können, ist angesichts der Frist, bis zu dem sich Personen um eine Stelle im Aufsichtsrat bewerben konnten, fraglich. Unschön wurde es in jedem Fall, das aber aus einem anderen Grund. Da sich dankenswerterweise zwei in etwa gleich kompetent wirkende Personen für die frei gewordene Stelle gefunden hatten, hätte es eine langwierige schriftliche Abstimmung geben müssen – um diese zu vermeiden wurde solange auf beide eingeredet, bis die weibliche Bewerberin ihre Bewerbung zurückgezogen hatte. Fassungslosigkeit im Saal herrschte nach diesem Vorgang bei vielen. Leider erzielte der verbleibende männliche Bewerber bei der folgenden Abstimmung noch gerade genug deutlich eine Mehrheit, denn bei einer Ablehnung hätten wir doch noch die Chance auf eine weitere Frau in einer wichtigen Funktion beim Verein bekommen. Es stellt sich die Frage, ob wir nicht doch eine Quote im Verein brauchen. Und sei es nur, um zu verhindern, daß aus Bequemlichkeit auf Bewerbende solange eingeredet wird, bis gesellschaftlich eingetrichterte Verhaltensweisen irgendwie sich auswirken. Das kann ja nicht vollkommen ausgeblendet werden. Für mich das traurige Ereignis an diesem Tag.

Relativ kurz lief der Teil der JHV mit den Anträgen danach ab. Es waren auch schon etliche Stunden verstrichen und alle müde. Den Satzungsänderungsanträgen auf Aufhebung von Altersdikriminierung sowie der Ergänzung des Vereinszwecks wurde entsprochen, nicht aber der vorgeschlagenen Formulierung zum Auseinanderfallen von Präsidiums- und AR-Wahlen – hier soll gemäß einem anderen Antrag doch besser eine Satzungskommission gegründet werden, um eine optimale Lösung zu finden, da bei der vorgeschlagenen Lösung doch etliche Varianten unberücksichtigt blieben. Noch etwas langatmiger ging es bei dem Antrag zur Ablehnung von Olympia in Hamburg durch den Verein vor. So begrüßenswert an sich die Ablehnung aus vielen Gründen auch ist, für den Verein ist so eine Position offensiv zu vertreten aus vielerlei Gründen zwiespältig. Angesichts der geringen Aussicht auf Erfolg des Vorhabens an sich und den deutlichen Nachteilen für den Verein wurde der Antrag letztlich deutlich abgelehnt.

So endete eine enorm lange JHV insgesamt sehr positiv. Die Weichen für eine gute Zukunft wurden, soweit möglich, gestellt.

Mehr zur JHV des FCSP im Jahr 2014 findet sich hier:
http://metalust.wordpress.com/2014/11/16/wir-sind-keine-kickende-werbeunterbrechung/
http://grenzenlossp.wordpress.com/2014/11/17/das-ist-oke-so-oder-ein-orth-der-enttauschungen/
http://beebleblox.blogspot.de/2014/11/ab-jetzt-mit-gottlichem-beistand-fcsp.html
http://www.stpaulinu.de/st-pauli-feature/jhv-oke-wahl
http://fcspsouthendscum.wordpress.com/2014/11/17/news-fcsp-annual-general-meeting-161114/

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