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Nichts ist schlimmer, als emotionslos eine Niederlage erleben zu müssen und sich nicht einmal daran festkrallen zu können, daß das Spiel grausam verpfiffen wurde. Derartiges mußten wir schon derart häufig in letzter Zeit miterleben, daß diese Niederlage im 1. Spiel unter unserem neuen Trainer Meggle doch schon wie eine Befreiung wirkte. So entluden sich auch aus dem Aufregen über unerträgliche Ungerechtigkeit in eindrucksvoller Lautstärke kraftvolle Gefühle gegen ein Schiedsrichtergespann, welches mit vollstem Einsatz und Fehlentscheidungen, die man in dieser Flut, zumindest als Fan, kaum noch als Zufall werten konnte, den Auswärtssieg der 60er überhaupt erst möglich machte. Großartig! Also die Tatsache, daß wir uns darüber wieder ärgern durften. Denn bei all dem Einsatz und auch Spielwitz, den wir zeigten, hätten wir bei einem korrekt gepfiffen Spiel nicht nur einen Punkt geholt, wir wären sogar als Sieger vom Platz gegangen. Verpfiffen wurden wir auch in jüngerer Vergangenheit, nur kam einfach zu wenig von uns, als daß sich dieses irgendwie bemerkbar gemacht hätte. Diese Zeiten zumindest haben sich nun wieder geändert. Und da ist es dann auch nur eine Frage der Zeit, bis diese ganze Energie, die beim Auflehnen gegen solche Ungerechtigkeit entfaltet werden kann, auch auf der Anzeigetafel umgesetzt wird.

FCSP-1860-Meggle 001 Talco

Nach dem letzten Auswärtsspiel wurde ja bekanntermaßen und wie zu erwarten war der bisherige Trainer Vrabec beurlaubt. So, wie wir die letzte Halbserie und auch diese Saison insgesamt aufgetreten waren, einfach nur folgerichtig – und wenn man die seltsamen Sätze in dem Demissionsbericht vom Abendblatt bedenkt, in dem einige Spieler offenbar regelrecht pathologisiert wurden, dann ist der Zustand der Mannschaft wie wir ihn auf dem Platz sehen konnten, nur zu verständlich. An wem auch immer es lag, daß sich die Dinge auf diese Weise so entwickelt haben, Vrabec hat es leider nicht hinbekommen, dieses Problem zu lösen. Bei den Fähigkeiten, die ein Meggle schon bei uns auf dem Platz aber auch als U23-Trainer zeigen konnte, sehe ich auch aufgrund der nicht mehr zu toppenden Bindung an den Verein seine Chancen, uns wieder zu beleben, als absolut gegeben an. Die aus dieser Hoffnung resultierende extreme Vorfreude auf das Spiel wurde durch die Terminierung auf einen Sonntag nur weiter herausgeschoben – so konnten wir den Freitag zum gemütlichen Treffen (Cheers!) bzw. den Samstag mit einem tollen Konzert verbringen – kam doch niemand geringeres als Talco zum 10-jährigen Jubiläum ihrer ersten Scheibe auf Tournee (und wie zu erwarten war, waren auch dort etliche bekannte FCSP Nasen zu sehen).

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Früher als sonst kam ich am Spieltag zum Millerntor und nutzte die Gelegenheit zu einem Abstecher in den Fansladen, um die aktuellen Ausgaben der Basch und des Kiezkiekers einzusammeln. Letzterer titelte schonmal unverhohlen „Euphorie!“ mit Meggie auf dem Cover. Kann man machen. Ähnlich fühlte ich auch und als wir dann dann alle gemeinsam zurück am Millerntor waren und zu unseren Plätzen gingen, mußte ich einfach das bekannte Bild an der Gegengeraden-Südwand festhalten – schließlich ist auch auf dieser Anzeigetafel die Handschrift unseres neuen Trainers auf alle Zeiten unverkennbar festgehalten: http://www.youtube.com/watch?v=cI3FQy19I5U… Aber wem erzähl ich das hier? ^^

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Spannung herrschte aber nicht nur in sportlicher Hinsicht, gab es doch im Forum Stimmen, die den Verbleib des geliebten Veggie-Standes in der Gegengeraden in Zweifel zogen. Doch die dort gerüchteweise gestreute Kündigung betraf, zumindest bislang, offensichtlich nur den Südvorplatz, wo deren zweiter Stand nicht mehr aufzufinden sein soll (man berichtete mir von einem anderen fleischlosen Stand dort, muß ich bei Gelegenheit mal checken). In der Gegengeraden kommen wir aber glücklicherweise immer noch an die gewohnten und geliebten Veggie-Burger. Nur die Preise haben sich, erstmals seit Jahren, erhöht – von EUR 4,50 auf EUR 4,90.

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Bei dem tollen Geschmack und der guten Portion immer noch ein lohnender Kauf. Aber auch auf andere Weise würden wir diesen Stand sofort unterstützen, wenn es denn erforderlich sein sollte. Ich bin mir sehr sicher, daß eine etwaige Unterschriftensammlung zum Erhalt des Standes von vielen mitgemacht werden würde, sollte hier tatsächlich irgendwann einmal an ein Ende gedacht werden. Bitte beibehalten! Nichts gegen eine weitere Alternative dieser Art in der Gegengeraden (wir haben schon genügend Tierkadaver hier), nur bloß nicht den heißgeliebten Vegetarier hier entfernen!

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Altbekanntes, welches man ins Herz geschlossen hat, will man schließlich am Millerntor nach Möglichkeit erhalten. Nicht umsonst freut es uns von Fanseite, daß Meggle nun eine Chance als Cheftrainer gegeben wurde. Bei ihm wissen wir, was wir an ihm haben und daß er mit jeder Faser St. Pauli ist.

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Daß sich in Ermangelung einer Gelegenheit, ihm ein Bier in den Nacken zu geben, zwei der gefürchteten Pauli-Hooligans mit einer Frontal-Papierschnipsel-Attacke in Szene setzten mußten, war natürlich erschreckend, es ging aber nach allgemeinem Herzstillstand noch gerade so glimpflich aus…

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Der blanke Horror, der danach allgemein in den Gesichtern zu lesen war, war trotzdem krass…

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Zum Einstand von Meggle waren viele Fans von außerhalb angereist – wenn auch in Anbetracht der Tatsache, wie lange so ein Trip vorbereitet sein will, kaum diesbezüglich beabsichtigt. Wer aber hier war, hatte das Glück, eben diesem magischen Moment beiwohnen zu dürfen.

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Die ungeheure Aufbruchstimmung war allüberall zu spüren. Meggle!

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Schon etwas verrückt, wie sehr sich alle Hoffnungen auf ihn in dieser Richtung konzentrieren. Da könnte man jetzt von einer Last sprechen – ich nenne es schlicht und ergreifend Liebe. Und zwar eine bedingungslose. Es geht hier schließlich um das, was wirklich den FC St. Pauli ausmacht. Und was alle sich unter Meggle wieder zurück wünschen. Allein dieser Wunsch kann schon Berge versetzen. Laßt es uns tun!

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Nur einen kurzen Moment sichtbar, aber doch sehr wichtig und schön, diese Fahne. Im nachfolgenden Bild habe ich einen Ausschnitt gespiegelt, damit die Schrift zu lesen ist (anders habe ich es leider nicht einfangen können). Dankenswerter darauf nocheinmal nach dem Spiel hingewiesen worden. Klasse Aktion.

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„Wie kann man nur hassen, daß Menschen sich lieben“. Worum es geht, ist hier nachzulesen und anzuhören: http://maedchenmannschaft.net/wie-kann-man-nur-hassen-dass-menschen-sich-lieben-pro-homo/. Pro Homo!

Und wo wir schon dabei sind: großartiger Song, tolles Video, wurde vor dem Anpfiff auch auf der Leinwand gezeigt und gehört natürlich auch hierher: https://www.youtube.com/watch?v=-qOg8E4Tzto.

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Immer noch nicht ausverkauft, was aber an den Gästen lag, deren freien Plätze nicht in den Heimverkauf gingen (EDIT: nicht ganz richtig, siehe Svens Korrektur unten in der Kommentarspalte), war an diesem Tag das Millerntor. Wären diese Karten für FCSP Fans zu haben gewesen, dann wäre die Hütte definitiv voll gewesen. Allerdings ist der Anhang der 60er nicht gerade das, was wir besonders gern gesehene Gäste nennen. Die vor Jahrzehnten kurzfristig bestehende „Fanfreundschaft“ besteht definitiv seit langem nicht mehr.

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Aber zu wichtigeren Dingen. Was ist wichtiger als Leben und Tod?

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Tragisch und traurig, wenn einer aus der eigenen Mitte keinen anderen Weg mehr sieht und selber aus dem Leben scheidet. Ein liebevoller letzter Gruß von der Süd vor dem Spiel für einen der ihrigen, also auch einen der unsrigen (auch wenn ich den Menschen nicht (wirklich) persönlich kannte).

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Aber so etwas betrifft uns immer alle.

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Ein tieftrauriger Anlaß für eine Choreo. Aber eine sehr schöne. Was kann man sich als Fan, der gegangen ist, mehr wünschen?

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Mein Beileid unbekannterweise an alle, die betroffen sind.

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Unerträglicherweise machten sich die Gäste genau in dem betroffenen Schweigen laustark bemerkbar, was zu deutlichen Pfiffen führte. Beliebter machten die sich hier nicht. Beruht ja offensichtlich auf Gegenseitigkeit. Zum Vergessen sowas.

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Dann wurde es aber wieder im ganzen Stadion laut.

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Alle hatten Lust und das war auch von Anfang an zu hören.

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Auch da geht insgesamt noch mehr, aber es war erfrischend, wie alle an einem Strang zogen und so etwas wie Spielerbashing, was viel zu oft zu hören war in letzter Zeit, eigentlich ausblieb. So jedenfalls mein Eindruck. Auch ein wichtiges Mosaikstückchen zu mehr Zusammenhalt und auch Erfolg hier.

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Wir schaffen das schließlich nur gemeinsam oder gar nicht.

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Was erreicht werden kann, wenn man etwas nicht einfach so hinnimmt, sondern gemeinsam an einer Verbesserung wirkt, das hat der SC Sternschanze bekanntlich vor kurzem gezeigt: http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Nazi-Vorwuerfe-im-Fussball-Probleme-nicht-neu,spielabsage100.html.

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Und wie unerträglich ein gemeinsames Wirken an etwas Positivem bestraft werden kann, zeigt sich, zumindest von der Möglichkeit her, im Fußball leider aktuell auch – am Beispiel der Türkei und der Fangruppierung Carsi: http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/09/504821/besiktas-istanbul-carsi-mitgliedern-droht-wegen-gezi-protesten-lebenslange-haft/. Solidarische Grüße nach Istanbul!

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Je schlimmer die Ungerichtigkeiten im Leben sind, umso wichtiger ist der Zusammenhalt. Und ein erster positiver Schritt war an diesem Tage deutlich zu spüren. Volle Unterstützung von Fanseite, toller Einsatz auf dem Rasen und Spielzüge, die von ihrer Qualität dem, was wir bislang diese Saison insgesamt gesehen haben, schon in einem Spiel das Wasser reichen konnten. Eine lebendige Mannschaft hatte Meggle hier aus den Überresten des verletzungsgeplagten Kaders zusammengestellt, die verblüffend gut funktionierte. Daß es den einen oder anderen Fehler im Spiel nach hinten bei der nicht eingespielten Mannschaft gab, ist sicherlich nicht überraschend gewesen – aber auch hier bin ich zuversichtlich, daß dies mit der Zeit schon werden wird.

Erfolg kann sich dann ja einstellen. Wie beim Fanclubturnier, deren Gewinner hier gefeiert werden. Prost!

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Imponierend fand ich insbesonders Kringe als eindeutigen Kopf des teams, zumindest in den 60 Minuten, für die er die Kraft hatte. Sein eines Tor hätte nicht zurückgepfiffen werden dürfen – aber diese Schiedsrichter wollten offensichtlich kein happy end für uns an diesem Tag. Schade, gerade für ihn, denn seine Leistung hätte diese Krönung redlich verdient. Ich könnte noch weitere Spieler herausheben, aber es war eigentlich genau die Mannschaftsleistung und der unbedingte Wille, der es beinahe doch noch zu einem Erfolg gebracht hätte – nach dem Regelwerk hätte es auch so kommen müssen. Aber auch das ist Fußball. Und die nächsten 90 Minuten kommen bald. Dann schaffen wir auch dies.

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Ohrenbetäubende Pfiffe in Richtung Schiedsrichtergespann – die Note von 5,5 im kicker wurde hier redlich verdient, dort auch deutlich an einem Tor zuviel für 1860 und einem zuwenig für uns festgemacht, siehe http://www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga/spieltag/2-bundesliga/2014-15/5/2407571/spielanalyse_fc-st-pauli-18_1860-muenchen-5.html, selten so deutlich dort formuliert – und ein ebenso deutliches „Schauspielertruppe“ in Richtung der unbeliebten Gäste folgte dann der liebevolle Applaus in Richtung der Helden des FCSP.

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Auch Meggle war hier wieder auf dem Platz, nachdem er in der Nachspielzeit auf die Tribüne mußte – nach seiner mehr als nachvollziehbaren Wutexplosion in Richtung Schiedsrichter. Hoffen wir mal, daß die Ungerechtigkeiten gegen uns hier nicht noch eine Sperre nach sich ziehen, aber das würde durchaus passen. Was aber viel wichtiger ist: der FCSP ist wieder da! DAS ist der magische Fußball, den wir brauchen, mehr als die Luft zum Atmen! Alles andere folgt dann schon von selbst, warten wir das einfach ab. Bzw. supporten weiter, denn nur gemeinsam kriegen wir das hin. Aber das wird!

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Nein, das fühlte sich nicht nach einer Niederlage an, sondern schlicht und ergreifend nach einem Aufbruch zu etwas Neuem, Altem, Aufregendem. Es geht doch gerade erst los.

Und los ging es auch danach. Viele liebe Menschen getroffen, wiedergetroffen, kennengelernt, verpaßt, erneut getroffen – und letzten Endes im Shamrock zu ein paar schönen Gläschen Whiskey gelandet. Daß nebenbei die Vorstadt verlor hat dem Verlauf des Tages auch nicht geschadet. 😉

Mehr zum Spiel findet sich hier:
http://fastforward1.tumblr.com/post/97576302386/hinter-mir-das-steigt-der-rauch-empor
http://metalust.wordpress.com/2014/09/15/sms-nach-kreta-fc-st-pauli-1860-munchen-12-bzw-22/
http://blutgraetschedeluxe.com/2014/09/15/meggle-check/
http://grenzenlossp.wordpress.com/2014/09/15/mut-und-unmut/
http://hamburg-ist-braun-weiss.info/die-wundersame-heilkraft-des-dr-thomas-m/
http://usp.stpaulifans.de/copper/thumbnails.php?album=293
http://www.stefangroenveld.de/2014/ein-neuanfang
http://beebleblox.blogspot.de/2014/09/mit-gabor-war-das-nicht-passiert-fcsp.html
http://www.stpaulinu.de/its-a-kind-of-magic/the-boys-are-back-und-meggi-macht-sich-grade
http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=7570
http://fcspsouthendscum.wordpress.com/2014/09/17/matchday-05-fc-sankt-pauli-1860-munchen-1-2/

4 Comments

  1. Eine Passage ist nicht ganz zutreffend: Der komplette Block N4, eigentlich Gästebereich, wurde an St.Pauli-Fans verkauft.
    Gruß

    • Danke für die Aufklärung. Überraschend. Aber gut, daß zumindest dieser Bereich dann noch an die Fans (egal von welcher Mannschaft, leere Ränge sind blöd) gehen konnte. Hatte wohl nur den Sitz darüber im sichtbaren Visier.

  2. Anteilnahme seitens der Palati Fini und Rude Boys aus Sampdoria:

    …wobei man wieder bei der traurigen Thematik der mittlerweile viel zu vielen „ciao xy“-Spruchbänder ist 😦

    Ruhe in Frieden, Michel!


2 Trackbacks/Pingbacks

  1. By Mut und Unmut | Grenzenlos Sankt Pauli on 16 Sep 2014 at 8:15 am

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