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Ein Spiel dauert 15 Minuten und den schlimmen Rest. Wenigstens haben wir es hinter uns. Chancenloses 3-0. Aber großartige Auswärtsfans, die im Gegensatz zur Heimkurve die ganze Zeit lautstark gesungen hatten. Wenn ich schon nicht auswärts in Fürth dabei sein konnte, so will ich die Gelegenheit, über unser zweites Auswärtsspiel (ohne Pokal) in dieser Saison zu schreiben, gleich mit dazu nutzen, über die erste Ausstellung in den werdenden Räumen des 1910 Museums in der Gegengeraden zu berichten. Dort war ich ja und Bilder habe ich daher auch an dieser Stelle zu bieten – und wer nicht die Zeit gefunden hat, die sehenswerte Ausstellung zu erleben, kann hier nun zumindest ein paar Eindrücke finden.

Viel über das Spiel schreiben möchte ich jedenfalls nicht. Vielleicht das hier wiederholen:

Gefühlte null Torchancen war bitter. Und hinten stimmte auch kaum etwas. Nehrig für den kurzfristig verletzten Schachten sah beim 1-0 sehr schlecht aus – aber da war er nicht allein. Die sträflich zugelassene Flanke traf den sträflich freien Stürmer, der nur noch einnicken mußte. Gonther war mit den Gedanken da woanders. Später mußte er verletzt raus, übler Tritt auf die Brust. Gute Besserung und komm bald wieder, wir brauchen dich! Das 2-0 kurze Zeit später sah ähnlich aus, auch wenn Mittelfeld und Nehrig zusammen zu weit weg vom flankenden Mann waren – und warum Budemir (?) versuchte, als Innenverteidiger da noch was zu retten, aber dabei zu weit weg stand, das habe ich auch nicht verstanden.

Wobei ich jetzt nicht auf einen Spieler schimpfen möchte. Das war mal wieder ein gemeinsames Versagen. Auch wenn alle auch gute Szenen hatten, irgendwie. Brachte nur nicht viel. Und machte keine Hoffnung.

In der Pause überwog deutlich einer Meinung.

Aber weiter ging es trotzdem. Gnadenlos. Alushi kam für den ganz passabel spielenden Ziereis, der Kalla ersetzte. Nun, eigentlich für Gonther, der verletzt raus mußte, Ziereis rückte in die IV. Das sah in der Folge hinten durchaus stabiler aus. Jedenfalls fiel nur noch ein Gegentor. Klasse Freistoß, leider vom Treter, der Gonther verletzte. Nunja. Nun mußten wir nur noch das Spiel bis zum Ende ertragen.

Aber die habe ich mir dann doch besser nicht gegeben. Lieber diesen Teil des Berichtes in die Tasten gehauen. Den nachfolgenden Teil hatte ich glücklicherweise schon vorher geschrieben, der liest sich auch schöner. Da geht es um die „F*CK YOU FREUDENHAUS“ Ausstellung. Also dranbleiben. 😉

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Schon im Vorfeld besonders spannend fand ich die Frage, wie das 1910 Museum diese Ausstellung, die im Zeichen des Millerntors an sich stand, konzipiert hatte und auch, wie sich diese Ausstellung im Vergleich zu der wunderschönen Jahr100-Ausstellung, siehe https://kleinertod.wordpress.com/2010/10/07/die-jahr100-ausstellung-hin-da/, „schlagen“ würde.

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Der Charme der Container-Ausstellung mit den sich daraus ergebenden Besonderheiten bei der Begehung der Ausstellung von damals war einzigartig und konnte in den neuen Räumen nicht wiederholt werden – dafür bieten diese aber ihre ganz eigene Magie, was sich schon beim Gang zu Ausstellung bemerkbar machte – für Fans bekannt, für andere Besucher ist der erste hautnahe Kontakt mit den Fanräumen und der Gegengeraden sicher etwas anderes. Und auch der Einstieg in die Ausstellung war gelungen: gleich den Spielern lief man ein wie durch den Spielertunnel – zumindest einer Miniaturausgabe davon, für große Menschen nicht so geeignet – und dazu wurden Stadiongeräusche kurz vor den Hells Bells eingespielt. Definitiv magisch.

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Aber leider auch nicht unproblematisch. Die kurzen Klangschleifen, die an dieser sowie noch an zwei bis drei weiteren Stellen installiert waren, machten das Aufhalten in diesem Bereich über einen längeren Zeitraum schon etwas zur Qual – zu kurz die Tonschnipsel, als daß man sich daran nicht rasch überhören würde. Und wie belastend dies für die Mitarbeiter der Ausstellung sein mußte, die dem dauerhaft ausgesetzt waren, kann ich mir nur schemenhaft vorstellen. Da war die Idee in der Jahr100-Ausstellung, solche Geräusche via Kopfhörer (oder auf Knopfdruck) nur einzuspielen, schon sinniger. Beispielsweise eine Platte im Eingangsbereich, die bei Belastung den Klang auslöst, wäre hier sicherlich gelungener gewesen. Aber sehen wir auch diese Ausstellung nur als Probelauf an – gerade dann kann eine dauerhafte Ausstellung davon auch profitieren, wie immer diese auch aussehen mag.

Die Idee, den Rübenacker Rasen des Millerntors darzustellen, fand ich jedenfalls sehr lustig. Vielleicht ließe sich ja auch mal eine Art „alte Gegengerade“ in einem kleinen Ausschnitt darstellen bzw. nachbauen. Wäre sicher ebenfalls spannend. Auf jeden Fall löst so etwas gleich Gefühle aus, was reine Schaubilder nicht auf die gleiche Weise leisten können.

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Von diesen gab es genügend und durchaus informative und spannende – wer das Heft/Buch zur Ausstellung noch nicht hat, unbedingt besorgen. Hier kann fast die ganze Ausstellung und die Mehrheit der Schaubilder nachempfunden werden. Und darüber hinaus gibt es noch weitere spannende Dinge. http://www.millerntor-ausstellung.de/das-buch-zur-ausstellung-millerntor-katalog/

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Das Herzstück der Stadionausstellung war in meinen Augen der Raum der nicht gebauten Millerntore. Dieser Teil der Ausstellung hätte gerne noch ausführlicher dargeboten werden können, denn auch wenn man all dies über die Jahre auch mitbekommen hatte, so ist eine solche Konzentration dieser verschiedenen verworfenen Stadionmodelle doch ungeheuer spannend. Vielleicht gibt es zu jedem Entwurf ja auch mal ein eigenes Modell später in der festen Ausstellung? Ich wäre begeistert.

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Aber auch so gab es Visualisierungen der diversen Stadionvorstellungen, von denen manche einfach nur gruselig wirkten. Naja, eigentlich fast alle.

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Persönlich bin ich auch glücklich, daß „die Welle“ nicht verwirklicht wurde (hierzu schon meine Gedanken von damals zum Nachlesen https://kleinertod.wordpress.com/2011/09/05/gegen-gerade-welle/), ist doch die neue Gegengerade ein regelrechtes Schmuckstück geworden – und sie hat keine finanziellen Risiken ausgelöst, mit denen wir uns jetzt eventuell herumschlagen müßten, so daß wir uns demnächst mit der Nord beschäftigen können.

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Bis zum DFB-Pokal-Spiel gegen den BVB – wobei ich einfach nur glücklich darüber bin, endlich wieder daheim ein solches Spiel miterleben zu dürfen (meiner Meinung nach sollte es für alle Unterklassigen ein automatisches Heimlos im Pokal geben) – wird die alte Nord uns noch erhalten bleiben. Wobei, eigentlich ist es ja eh nur ein Teil davon. Den alten Eingangsbereich gibt es ja schon länger nicht mehr und das Sitzplatzgerüst hat auch erst ein paar Jahre auf dem Buckel – so wird der Abschiedsschmerz nicht der gleiche bei mir wie bei der Gegengeraden oder der Haupt. Ich war zwar schon öfters auf der Nord als auf der (alten) Süd, doch das wird bei mir einfach nicht die gleichen Gefühle auslösen können – bei anderen sicherlich, das will ich gar nicht abstreiten. Einzig der dann wohl nicht mehr mögliche Blick auf den Bunker dürfte etwas werden, was nach dem Abruß und Neubau der Nord gewöhnungsbedürftig werden und als Verlust empfunden wird. Trotzdem gibt es auch so etwas wie einen Reiz, irgendwann einmal ein komplettes neues Millerntor sehen zu können…

Spannend dürfte auch werden, wie das tolle Modell vom Millerntor den Baufortschritt mitmachen wird.

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Grandios der Trauerbereich zum alten Millerntor, wo alle ihre eigenen Gedanken und Empfindungen in Worte kleiden konnten im dafür geschaffenen Kondolenzbuch. Sicher gibt es vieles, dem man hier nachtrauern kann. Die alte Süd zähle ich jetzt nicht dazu, da ist die neue in jeder Hinsicht eine Verbesserung – einzig das alte Clubheim und die Umkleidekabinen hatten ihren speziellen Reiz, wobei letztere nicht unbedingt immer in positiver Erinnerung bei den Spielern blieben… Unvergessen bleiben die autonomen Sitzplätze auf den Bäumen der alten Nord, die für mich bei den ersten Millerntorbesuchen sich in die Erinnerung als das Faszinierendste eingebrannt hatten. Und auch den Zugangsbereich fand ich herrlich altmodisch zur alten Nord – worauf wir, wie gesagt, schon länger verzichten mußten. Aber auch die alte Haupttribüne war ein Schmuckstück – schon der Bereich dahinter mit dem ganzen Grün war einfach nur traumhaft schön. Und die Bänke ließen einen immer kuschelig zusammenrücken, wenn man nicht gerade im Kuchenblock mit den Einzelsitzen weilte. Die heutige Haupt ist damit verglichen schlicht und ergreifend gruselig. Und die alte Gegengerade, das Herzstück des alten Millerntors, gerade in der überbauten Form, läßt immer noch in der Erinnerung die Herzen höher schlagen – https://kleinertod.wordpress.com/2012/05/07/gegengerade-der-grose-abschied-fcsp-gegen-paderborn/ zum Abschied – da will ich jetzt nicht nocheinmal viel zu schreiben. Sehr schön, dem an dieser Stelle nocheinmal einen Raum zu geben.

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Aber alle, die schon das Stehen im Sand/Matsch miterlebt haben, dürften die Verbesserungen, die die neue Gegengerade gebracht hat, zu schätzen wissen. Vor allem die Toilettensituation von einst will sicherlich NIEMAND zurück. Großartig gelöst finde ich die offenen Bereiche im hinteren Bereich der Gegengeraden. Hier macht das Aufhalten nach wie vor Spaß und auch die Versorgung stimmt – vom erhöhten Bierpreis einmal abgesehen. Und hoffentlich stimmt es auch, daß das Aus des Veggie-Standes nur ein Gerücht war. So meine bisherigen Infos, ich hatte allerdings noch nicht direkt nachgehakt. Das werden wir wohl beim nächsten Heimspiel aus erster Hand in aller Ruhe erfahren können.

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Sehr gelungen an der Ausstellung fand ich auch die Virtine mit dem Ausschnitt der Stadionordnung aus dem alten Millerntor. Statt des sportlichen Erfolges mit irgendwelchen Titel (die wir eh nicht gewonnen haben), wird das, was den FCSP so einzigartig macht, in den Vordergrund gestellt: die Fanszene und all das, was sie schon bewegt hat. Wie die Initialzündung im Kampf gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie etc. in den Stadien, die sich in der ersten Stadionordnung dieser Art im Deutschen Fußball niederschlug. Daß, auch hier, damit noch längst nicht alles gelöst wurde, das damit zusammenhängt, wurde in der Ausstellung lobenswerterweise auch ausführlich dokumentiert – der Kampf gegen Menschenfeindlichkeit ist keiner, der irgendwann gewonnen werden kann, dieser geht immer weiter. Haben wir auch viel erreicht, so ist das niemals ein Grund, diesen Kampf einzustellen. Ganz abgesehen davon, daß wir hier nach wie vor viel von jenen lernen können, die diese Kämpfe an anderer Stelle ausgefochten haben und immer noch ausfechten – großartiges Beispiel ist hier die Veranstaltung Fußball & Liebe mit der Diskussionsrunde “Keine Chance für die Liebe?” https://kleinertod.wordpress.com/2013/09/30/fusball-und-liebe-drama-um-boll-und-der-fcsp-in-ingolstadt/ (am Ende). Es wäre so immens wichtig und toll, wenn es hierzu weitere Veranstaltungen geben würde. Wir alle brauchen diese.

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Ein aktuelles Beispiel für diese Kämpfe gab es im DFB-fail vor der WM – siehe nur http://www.fcstpauli.com/data/news/verein/home_page/praesidium/stellungnahme_faschisten – mit dem großen Aufschrei der Fanszene dazu. Auch das gehört dazu. Und zeigt, wie wichtig es ist, laut zu werden, wenn es darum geht, solche Stimmen zum Schweigen zu bringen/unkenntlich zu machen. Wobei wir alle bei dieser Gelegenheit daran denken sollten, daß es gerade die Stimmen derjenigen sind, die von der herrschenden Mehrheit angegriffen werden, die es zu bewahren gilt – sprich: daß wir denen einen Raum einräumen, die von einer Menschenfeindlichkeit direkt betroffen sind und diese sprechen lassen, also nicht für diese sprechen. Was nicht heißt, daß keine eigene Meinung dazu vertreten werden soll, ganz im Gegenteil – aber eben auch jenen gerade am Millerntor einen Raum zum Artikulieren einzuräumen, die sonst nicht dazu die Möglichkeit haben.

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Ja, ich gehe weit über die Ausstellung in meinen Gedankengängen heute hinaus. Über das Spiel sowieso. Aber all das macht den FCSP ja auch gerade aus. Es geht hier um weitaus mehr als nur Fußball, das aktuelle Spiel oder eine abgeschlossene Veranstaltung (die übrigens gut und erfolgreich war, siehe http://www.fcstpauli.com/home/verein/news/5963) – es geht immer auch darum, weiter daran zu arbeiten, daß Freiräume erhalten und geschaffen werden. Weswegen es auch so wichtig war, daß hier keine Stadionwache hineingekommen ist, sondern ein Museum einst einziehen wird – unterstützt den http://www.1910-museum.de/de/, es lohnt sich.

P.S.: Mehr zum Spiel hier:
http://sanktpaulimafia.blogsport.de/2014/09/02/spruchbanderklaerung-6/ (vom Boykott der Mafia, die bei der U23 war)
http://metalust.wordpress.com/2014/09/02/erosionen-als-zukunftsweisende-perspektive-greuther-furth-fc-st-pauli-30/
http://hamburg-ist-braun-weiss.info/ein-huehnerhaufen-auf-dem-weg-zur-hoelle/
http://fcspsouthendscum.wordpress.com/2014/09/02/matchday-04-spvgg-greuther-furth-fc-sankt-pauli-3-0/
http://quotenrock.wordpress.com/2014/09/02/fcsp-als-roland-ratlos-endgultig-ubers-kleeblatt-stolperte/
http://grenzenlossp.wordpress.com/2014/09/03/jedem-ende-wohnt-ein-grauen-inne/
http://usp.stpaulifans.de/copper/thumbnails.php?album=292
http://www.breitseite-stpauli.de/14-15-4.htm
http://provincefanatics.blogsport.de/2014/09/03/geruhter-fuerth-3-0-fcsp-01-09-2014-das-hier-ist-fussball-das-hier-sind-dramen/

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