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Eigentlich die perfekte Mischung – ein Abend am Millerntor (auch wenn bei den Lichtverhältnissen nur schwer von einem Flutlichtspiel zu sprechen war – und Freitagstermine für viele auch nicht gerade optimal sind…), draußen funkelt der Dom, unser Torwart hält uns wie ein Held im Spiel und in der Nachspielzeit schießen wir mit purem Willen den Siegtreffer. Alles wunderbar? Leider nicht. Dieser Kick war alles andere als Balsam für die Fanseele – nur der Schlußakkord war schön, doch das Konzert davor mit unkoordinierten Mißtönen und einfallsloser Partitur nur schwer zu ertragen. Auch wenn vieles davon vorherzusehen war, ging die Hoffnung vor dem Spiel doch in eine gänzlich andere Richtung – warum auch schon vor dem Anpfiff die Segel streichen?

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Den ersten Heimsieg nach April dieses Jahres einzufahren bedurfte es einigen abergläubischen Aufwand im Vorfeld. Okay, der war sicherlich nicht erforderlich, aber man versucht ja, was man kann. Meine Idee ging dahingehend, wieder einmal eine ordentliche Menge an kleinen Whiskyflaschen mit zum Spiel zu nehmen. Keine Ahnung, wann ich das letzte mal mehr als zwei dabei hatte, aber warum nicht einmal mit drei Flaschen die drei Punkte versuchen herbeizutrinken? Es gab sicherlich schlechtere Pläne, dem Glück ein wenig nachzuhelfen. Geschmeckt haben die drei in jedem Fall.

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Das Wetter spielte auch irgendwie mit – so eine Art Hamburger Sommerwetter mit Sonne und Regen und einigem Wind. Keine schlechten Voraussetzungen für den Plan erster Heimsieg nach Ewigkeiten. Und die drei Flaggen dort über der Süd paßten ja auch zum 3-Punkte-Plan.

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Von der Stimmung her waren viele von vornherein gewillt, die Mannschaft zum Sieg zu pushen. Was, wie so oft in letzter Zeit, nicht sehr lange anhielt. Aber es wurde versucht.

Und, ebenfalls bemerkenswert, eine Tapete vor dem Spiel auf der Haupt – auch keine Selbstverständlichkeit.

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Das das Millerntor mit knapp über 26.000 Zuschauenden nicht gerade voll war, lag auch, aber noch lange nicht allein an den Gästen. Zahlreich sieht anders aus. Ob es nun an den grauenhaften Kicks davor lag, an der Urlaubszeit, am wenig attraktiven Gast oder woran auch immer – die teilweise Leere war deutlich und seltsam zugleich.

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Dafür wehte die desorganisierte Fahne das erste mal in dieser Saison wieder. Dies zusammen mit den drei kleinen Whiskys vor dem Spiel – da konnte ja nichts mehr schief gehen.

Nunja, es kam ja auch noch das Spiel…

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Eine YNWA-Tapete – Genaueres vermochte ich nicht zu entziffern.

YNWA stimmt hier aber immer. Wenngleich wir dafür auch Willen und Einsatz sehen wollen.

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Die Süd hatte mal wieder ein eindrucksvolle Choreo vorbereitet.

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Reichlich martialisch. Oder, anders formuliert, alles andere als apathisch. Hier war der Wille zum Einsatz deutlich zu erkennen. Hier sollte es brennen…

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Offensichtlich geht es um eine Auseinandersetzung mit der Staatsmacht.

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Das Höllengeläut ließ das Stadion trotz diverser leerer Plätze wieder hochgehen.

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Es hatten wieder alle offensichtlich Lust auf diesen Kick. Könnte man durchaus auch als Trotzreaktion bezeichnen. Oder einfach als Liebe.

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Und von der Süd kam weitere Farbe ins Spiel.

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Rauchtöpfe untermalten die Choreo zum Einlauf der Mannschaften.

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Dezent eingesetzt und durchaus passend zum Thema. Man muß Pyro nicht mögen, aber bei so ein unterstützender Einsatz ist etwas anderes als wildes, unkontrolliertes Abbrennen oder gar das Werfen von Böllern. All das vorgenannte gab es nicht, nur die Rauchtöpfe. Und die sahen wirklich schön aus.

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Ich muß allerdings gestehen, daß ich den aktuellen Bezug nicht verstanden habe. Und das ging nicht nur mir so. Um mich herum wurde auch gegrübelt, was genau thematisiert werden sollte.

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Themen gäbe es ohne Ende, so wie die Sicherheitskräfte allüberall auftreten.

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Nicht nur in Deutschland gerade ein Thema…

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Und die Rote Flora steht auch wieder auf der Tagesordnung…

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Aber was genau der Anlaß für die Choreo ist, das hat sich mir bislang noch nicht erschlossen. Von dem, was später noch als Aufruf kam, einmal abgesehen – vielleicht sollte dies der Auftakt zum Aufruf sein?

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Dafür war dieses Banner auf der Haupt eindeutig: http://keine-seilbahn.de/. Eine Seilbahn brauchen wir wirklich nicht hier.

Eine Taktik offensichtlich auch nicht. Zumindest war es schwer, bei uns auf dem Feld eine solche zu erkennen.

Nach recht gutem Anfang und einem schnellen ersten Tor durch Nöthe gab es ein unerträgliches Absacken nach nur wenigen Minuten. Und ein reichliches Grauen auf dem Feld. Der Ausgleich war dabei nur Randthema, so etwas kann immer passieren. Ein derartiges Auftreten allerdings nicht. Wobei es nicht am Einsatz lag, der war offensichtlich vorhanden, wenngleich die Gäste uns nicht nur in diesem Bereich wieder einmal überlegen waren. Spielerisch sowieso.

Was ging da nur wieder ab? Etwas fassungslos nach den ersten 45 Minuten war zumindest Zeit zum gucken, was es für Tapeten geben würde.

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Zum Beispiel vom Fanladen – eine Gratulation in der Halbzeitpause.

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Und was gab es da zu sehen? Ein Liebesgruß an den Bundesgrenzschutz von USP? Möglicherweise geht es um die „netten“ Typen der Polizeieinheit, wohl vom BGS, die auf der Rückfahrt vom Pokalspiel Streß machten – so zumindest in der aktuellen BASCH nachzulesen. Oder BGS ist eine andere Abkürzung, die mir sich gerade nicht erschließt…

NACHTRAG: Im Kommentar kam schon die Erklärung, die sich bestätigte – es handelt sich um einen vokalfreien Gruß an den Fanclub „BoGieS“…

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Nun aber zum schon angekündigten Aufruf, der vielleicht die Choreo erklären könnte. Es geht um die Frage: „Wem gehört die Stadt?“ – ein Aufruf zum Mitmachen von der Süd zu den „Squatting Days“ Ende August – siehe http://squattingdays.noblogs.org/einladungspapier/aufruf-des-gaengeviertels-zu-den-squattingdays/ zu den Einzelheiten.

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In Hamburg ging es früher auf den Straßen schon durchaus revolutionärer zu… Zum 70. Jahrestag seiner Ermordung durch Nazis im KZ Buchenwald ein Erinnerungsgruß von der Süd: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Th%C3%A4lmann.

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Aber auch auf dem Rasen gab es noch etwas schönes. Eine 17 bewegte die nicht beim Bierholen oder Wegbringen sofort. Wem das letzte Spiel von Fabian Boll noch nicht genügend gerührt hatte https://kleinertod.wordpress.com/2014/07/13/saisonabschlus-der-grose-abschied-fcsp-verliert-boll-bartels-schindler-und-mohr-das-2-2-gegen-aue-in-bildern/ kann sich das offizielle Abschiedsspiel geben.

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Angesichts all der alten Mitstreiter einfach nur ein Pflichtkick – http://www.fcstpauli.com/home/verein/news/5804 – und ein Anschauungsunterricht für unsere aktuelle Truppe, was wahre Helden in Braun-Weiß sind. Vielleicht läßt sich da ja was mitnehmen…

Wobei ich der aktuellen Mannschaft eigentlich überhaupt keine Vorwürfe machen möchte. Diese Jungs da unten KÖNNEN Fußball spielen. Und sie wollen auch und zeigen durchaus auch Einsatzbereitschaft. Nur… Etwas fehlt. Das konnten schon die letzten Spiele der Vorsaison zeigen, das zeigen leider auch die ersten vier Pflichtspiele unter Vrabec. Muß man einfach so sagen.

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Als eigentlich niemand mehr damit rechnete, machte unsere Ausleihe aus der Vorstadt DAS Ding. 2-1 in der zweiten Minute der zwei Minuten Nachspielzeit (die danach noch etwa verdoppelt wurde, nebenbei gesagt). Lasse Sobiech stocherte den Ball an den Pfosten und mit Hilfe eines auf der Linie stehenden Verteidigers letztlich auch über die Linie. Und alles explodierte nur so.

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Sandhausen schmiss nocheinmal alles nach vorne und hatte fast noch eine Chance, doch der superheldengleiche Tschauner mußte nicht mehr eingreifen (glaube ich mich zu erinnern). Dann war auch endlich Schluß und die Gäste fielen erschöpft und teilweise offensichtlich auch in Tränen zu Boden, während unsere BoysInBrownWeiß feierten. Und wir auf den Rängen sowieso.

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Was für ein wunderschöner Abschluß eines so unansehnlichen Spiels!

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Schöne Szenen nach dem Abpfiff, wie einige der Gäste getröstet wurden. Verabschiedet wurden sie alle mit großem Applaus. Sie hatten ein aufopferungsvolles Spiel hier gezeigt.

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Wobei das Spiel von beiden Seiten wirklich nicht gut wahr. Wieder einmal ein Grauenkick mit unserer Beteiligung. Schon bezeichnend, daß wir bei den Noten im Kicker aktuell ganz weit hinten stehen – und die Mannschaften, gegen die wir gespielt haben bislang, sind auch weiter hintern aufgrund der Spielnoten. Berücksichtigt man das, sind die 4 Punkte aus 3 Spielen eine reichlich gute Ausbeute. Relativ betrachtet. Es sind zumindest die ersten vier Punkte für den Klassenerhalt. Wäre schön, wenn wir den schaffen. Und das ist, so nach den ersten Spielen, alles andere als selbstverständlich.

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Aber wer weiß, wie wichtig dieser Sieg für die nächsten Spiele und damit auch die gesamte Saison noch werden wird. So etwas kann ja auch eine Initialzündung sein. Wobei ich ja nicht an der Mannschaft zweifle…

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Hinter mir auf der Gegengeraden ertönten trotz des Heimsieges laute „Vrabec Raus!“-Rufe. Ich stimmte nicht mit ein, auch wenn ich diese Rufe mehr als gut nachvollziehen konnte. Zwei bis drei Spieltage sollte man ihm trotzdem noch geben. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, daß sich hier spielerisch noch positiv etwas in der Zeit ändert. Doch das ist auch eine Frage des Respekts vor einem Verantwortlichen bei unserem Verein – die ersten 5 Spieltage Zeit sollte man ihm, wie ich finde, durchaus Gelegenheit geben, um den eigenen Job zu kämpfen. Arbeitslosigkeit wünsche ich so schnell auch niemanden an den Hals…

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Eine Eisdusche würde ich mir allerdings auch nicht wünschen. Es gab aber noch eine auf dem Platz.

Wer sie genommen hatte, habe ich allerdings nicht gesehen.

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Ein angenehmes Gefühl, die Mannschaft endlich wieder einmal nach einem Heimsieg verabschieden zu können.

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Alle Seiten genossen dies sichtlich. Und besonderem Dank ging von der Mannschaft an die Süd, die das ganze Spiel über laut war, was für die auf dem Platz offensichtlich verdammt wichtig war.

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Erneut klatschten die Spieler sich mit der Süd ab, allen voran ging wieder Tschauner, der Held nicht nur dieses Spiels…

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So schön (und verdient, nicht nur an diesem Tag) die Liebesbekundung der Spieler Richtung Süd auch ist – etwas seltsam mutet dies gegenüber den anderen Tribünen an, von denen auch immer wieder und trotz jeden noch so schlechten Spiels lautstark supportet wird. Es ist ja nun wirklich nicht so, daß Gegengerade oder Nord von lediglich konsumierenden Klatschpappenpublikum bevölkert wäre…

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Hinter Block 1 der Gegengeraden gab es noch eine kleine Party für die älteste Ultra-Gruppe von Frankreich, den Ultras von Olympique Marseille – http://www.commandoultra84.com/index2.php. Alles Gute zum 30. Geburtstag!

Und weiter ging es mit der Nachspielzeit. Auch wenn die Stimmung merklich gedrückt war. Die miese Leistung auf dem Platz ließ so richtig keine Partylaune aufkommen. Trotzdem gab es noch einige schöne Minuten mit der Bezugsgruppe vor der Domschänke. Gerne öfter und mit einem wirklich treffenden Grund zum Feiern…

Mehr zum Spiel:
http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=7561
http://moeliw.tumblr.com/post/95538747902/lasse-alte-raute
http://metalust.wordpress.com/2014/08/23/what-now-my-love-fc-st-pauli-sandhausen-21-und-ein-wenig-philosophie/
http://grenzenlossp.wordpress.com/2014/08/23/ohne-wenn-und-aber-aber/
http://www.breitseite-stpauli.de/14-15-3.htm
http://fcspsouthendscum.wordpress.com/2014/08/23/matchday-03-fc-sankt-pauli-sv-sandhausen-2-1/
https://mfsanktpauli.wordpress.com/2014/08/23/fotogalerie-fc-st-pauli-sv-sandhausen-22-08-2014/
http://beebleblox.blogspot.de/2014/08/mit-dusel-im-gewusel-fcsp.html
http://quotenrock.wordpress.com/2014/08/24/fcsp-horrorpingpong-tschauner-2-gartler-1/
http://blog.uebersteiger.de/2014/08/24/3spieltag_sandhausen/
http://www.sitzblogade.com/wo-ist-denn-hier-die-ausfahrt-richtung-fussball/
http://usp.stpaulifans.de/copper/thumbnails.php?album=291
http://www.stefangroenveld.de/2014/ratlose-gesichter-nach-last-second-win

8 Comments

  1. Ich vermute mal, dass die Choreo etwas mit den Squattingdays der Flora zu tun hatte. http://florableibt.blogsport.de/ Ist aber nur eine Vermutung

    Zumindest ist es aber ein Zitat von Ton, Steine, Scherben https://www.youtube.com/watch?v=hy-_T6WF0e4

    • Hatte auch diese Vermutung – allerdings auch erst, nachdem ich die Tapete sah. Hatte das ja auch später im Beitrag geschrieben. Zum Zeitpunkt der Choreo stand ich aber total auf dem Schlauch.

      Und das mit dem Ton, Steine, Scherben – Zitat hatte ich noch nicht auf dem Plan. Danke für den Hinweis!

  2. vielleicht steht ja bgs für den fanclub BoGieS (ohne vokale)..

  3. Wurde gestern gefragt aus der Bezugsgruppe, wer denn auf dem Banner sei, welches die Süd in der Halbzeit präsentierte. Habe Ernst Thälman nicht (gleich) erkannt und ertappte mich dabei, wie ich den Ratschlag gab: Schau doch in den Blog vom Kleinen Tod, wenn der dass nicht weiß, hat der immer aufmerksame Leser, da wird dass bestimmt jemand wissen! In diesem Sinne: Vielen Dank für die regelmäßige Aufklärung.

  4. Zur Süd-Choreo: Tatsächlich was es das Ton Steine Scherben Zitat „Die rote Front und die Schwarze Front sind wir.“ Passend dazu wurden Deutschlandfahenen präsentiert, mit abgetrennten goldenen Streifen. Wo die herkommen kann man sich denken.


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