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Früher gab es für die Dauerkarte ja mal die freundliche Bezeichnung „Masokarte“ – in dieser Saison angesichts der Heimmisere wieder ein durchaus zutreffender Name. Vielleicht das Bedrückenste an diesem Spiel war, daß es bei weitem nicht das schlechteste Heimspiel der Spielzeit daheim darstellte. Viel zu oft schon mußten wir uns 90 Minuten antun, bei denen wir den Abpfiff nur so herbeisehnten, damit das da unten auf dem Rasen endlich aufhören konnte. Manche verfallen deswegen ja neuerdings verstärkt auf ein Auspfeifen der Mannschaft während oder auch nach dem Spiel, was weder hilfreich, da nur noch schädlicher für die Moral der Spieler, noch wirklich fair ist: denn schließlich ist kaum etwas schlimmer, als wenn einem beim totalen Versagen derart viele Menschen auch noch zuschauen.

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Die frühe Uhrzeit am Samstag um 13 Uhr war auch nicht gerade einer guten Stimmung förderlich. Derart früh Spiele anzusetzen kann sich auch nur wer ausdenken, der an eine optimale Vermarktung fürs Fernsehen denkt und nicht an ein schönes Stadionerlebnis der Fans vor Ort. So gab es um diese Uhrzeit auch eher Kaffee als Bier.

Aber auch etwas zum Schmunzeln – so bekam ich mit, wie ein offensichtlich gut situiertes Ehepaar aus der Schweiz sich über die ganzen Fußballfans um diese Uhrzeit wunderte und sich das dann damit erklärte, daß so früh das HVV Ticket wohl günstiger sei…

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Für die Seele sorgte der Auftritt von Ralle an diesem Tag – der hochverdient-warmherzige Empfang ging in ein einziges „Gunesch!“-Rufen bei jedem einzelnen Spieler während der Verlesung der Aufstellung der Gäste. Hoffen wir nur, daß nicht wieder ein Offizieller Probleme mit den Ohren hat und daraus wieder irgendetwas konstruieren will wie seinerzeit bei den Rufen unserer ehemaligen Nr. 23…

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Motto des Tages war allerdings der mörderische Angriff in Malmö von Nazis auf linke Aktivisten – siehe dazu http://projektantifa.dk/nyheder/article/info-on-the-nazi-attacks-on. Daß die Polizei die Täter laufen ließ, da sie von einer „Kneipenschlägerei“ ausging, hätte auch hierzulande passieren können – mittlerweile sind die Gesuchten Naziangreifer dank dieser staatlichen Mithilfe untergetaucht…

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Keine Ahnung, ob die so feige von den Nazis angegriffenen feministischen Anti-Homophobie Aktivisten tatsächlich von der Fanszene des FCSP inspiriert wurden – der Angriff auf diese ist aber wie stets ein Angriff auf uns alle gewesen, nur noch eine Stufe intensiver als sonst eben. Entsprechend solidarisch fielen die Reaktionen an diesem Tag auch aus.

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Ersteinmal zum Einlaufen gab es wieder eine schöne Choreo von der Süd.

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Und viel Konfetti…

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Das braun-weiß-rote Fahnenmeer sah wieder sehr schön aus.

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Auch von der Nord flog reichlich Konfetti, was zusammen mit der großen Herzfahne in braun-weiß stimmungsvoll wirkte. Zumal daneben die Gäste auch etwas präsentierten.

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Dennoch hatte ich um die Uhrzeit noch Schwierigkeiten, in die Stimmung für ein Fußballspiel zu kommen… Und das ging offensichtlich nicht allein mir so.

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Dabei gaben sich alle reichlich Mühe vor dem Anpfiff. Daß sich hieran die rund 200 mitgereisten Gästefans auch so ansehnlich beteiligen würden, war nicht selbstverständlich.

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Aber natürlich ist auch jeder Einsatz von unseren Rängen ebensowenig selbstverständlich.

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Auch wenn die Aufstiegsangst, treffend hier schon vor dem Spiel diagnostiziert, unserer Mannschaft voll im Griff hatte – bis auf die ersten zwei, drei Minuten vielleicht, in denen die Abläufe sogar vielversprechend aussahen. Aber dann ging es wieder los mit schlechtem Stellungsspiel und vor allem katastrophaler Ballbehandlung. Kaum ein Spielzug, der über mehrere Stationen lief, weil wir immer wieder den Ball verspringen ließen oder den Gästen durch einen Fehlpaß frei Haus lieferten.

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Vom sichtbaren Support her einmal abgesehen, verlief der Tag auf den Rängen auch eher ruhig. Die Süd brachte zwar ihre Lieder und auch die anderen Tribünen machten bei Wechselgesängen mit oder initierten diesen auch – nur so richtig konnte der Funke nicht aufs Feld überspringen und erstarb dann nach einer Weile auch auf den Rängen wieder.

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Erschreckend fand ich heute wieder einmal, wie viele Zuschauer der eigenen Mannschaft durch laustarken Ausdruck der Empörung über das katastrophale Spiel statt zu unterstützen in den Rücken fiel. Daß es derart auch dort unten ankam, konnte am hochgradig verärgerten Gregoritsch ausgemacht werden, der nach dem Spiel mit abfälliger Geste gen Gegengeraden aufgefallen sein soll. Doch es kamen auch andere Töne, wie beispielsweise ein „Kopf hoch!“ in seine Richtung nach einer der vielen mißlungenen Aktionen. Schade, daß das negative in der Wahrnehmung aller derart überwog…

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Die Gäste machten ihre Sache gut, versagten aber immer wieder vor unserem Tor. Dennoch hatten sie weitaus bessere Chancen als wir. In den ganzen 90 Minuten kann ich mich jetzt auch an keinen einzigen Schuß von uns erinnern, der AUF das Tor gegangen wäre. Von dem einen Schuß kurz vorm Kasten, der ins Seitenaus ging, mal ganz zu schweigen…

Die Liebeserklärung in der Halbzeitpause ging dann auch in Richtung einer anderen Sportart: http://harborgirls.de/. Kannte ich bis hierhin auch noch nicht…

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Neben dem Kiezkieker gab es auch die neue BASCH vor dem Spiel, die ich mir nach längerer Zeit endlich mal wieder besorgen konnte – hatte ich leider in dieser Saison nicht immer geschafft. Beide Hefte sind aber informativ und lesenswert – auch die kurze Zeit zum nächsten Heimspiel mit der geringeren Heftstärke dürfte am nächsten Wochenende kein Problem darstellen, gibt es mit der Fortsetzung des informativen Artikels über Holliganismus in der DDR im nächsten Kiezkieker lohnenden Lesestoff. Und vielleicht auch etwas über die anläßlich des #FCSP-Celtic-Wochenendes am 29.3. um 14 Uhr in den Fanräumen stattfindende Veranstaltung zur aktuellen Situation der Fans in Schottland – hin da: http://zeckensalon.blogsport.de/2014/03/23/29-3-schlimmer-gehts-immer-zur-aktuellen-situation-von-ultra-fans-in-schottland/. Und danach ab zur Party! http://stpauli-csc.blogspot.de/2013/12/stpauli-celtic-party-2014.html

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Der solidarische Aufruf geht in viele Richtungen. Nach Schottland ebenso wie nach Schweden, wie zuvor schon ausgeführt.

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Und insgesamt für das Netzwerk Alerta! und das Antiraturnier, für das zum Spiel gegen Ingolstadt gesammelt wurde, um das Netzwerk weiter aufrechtzuerhalten. http://usp.stpaulifans.de/2014/03/spendensammlung-fuer-das-antiraturnier-2014-beim-heimspiel-gegen-ingolstadt/ Wer noch was spenden will, kann dies sicher am Freitag auch noch tun.

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Hierzu nochmal der link: http://siamotuttifcsp.blogsport.de/2014/03/17/declaration-of-solidarity-malmoes-antifascister-forsaett-kaempa/.

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Auch diese schwedische Botschaft, die keiner Übersetzung bedarf, geht in diese Richtung. Und macht nochmal deutlich, daß der Angriff in dem „multikulturellen“ Stadtteil erfolgte, weil die Angegriffenen sich neben Feminismus auch gegen Homophobie einsetzten. Lesenswert dazu auch https://www.antifainfoblatt.de/artikel/mehrfacher-mordversuch-antifaschistinnen-durch-neonazis-malm%C3%B6.

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Daß in Deutschen Kommentarspalten zu Artikeln über diesen mehrfachen Mordversuch die angreifenden Nazis entschuldigt und die Schuld den Opfern sowie „den Gutmenschen“ nebst „den kriminellen Ausländern“ zugeschoben werden, zeigt, wie weit das rechtsradikale Denken auch in diesem Lande verbreitet ist und immer weiter um sich greift. Da müssen wir nicht erst in Richtung Ukraine schauen – der Rechtsruck in ganz Europa wird immer offensichtlicher und wird weitere Untaten nach sich ziehen.

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Gerade jetzt ist es wichtig, aufzustehen und sich deutlich für die Menschen einzusetzen, die unsere Hilfe benötigen. Wie die ganzen Flüchtenden vor Kriegen und enormer Not, die hierzulande Zuflucht suchen. Und über die die Medien, die Politiker und die Stammtische in Deutschland allein bezüglich der dadurch verursachten Kosten debattieren sowie zur Einsparung die Asylsuchenden angreift und kriminalisiert. Das letzte bißchen Restasylrecht darf nicht auch noch auf dem Altar der Rechtspopulisten und Nazis geopfert werden. Menschenrechte sind unveräußerlich und stehen nicht zur fiskalischen Disposition!

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Nazigewalt erleben wir auch im Fußball hierzulande wieder verstärkt. Die Meldungen dazu reißen einfach nicht ab. Das aktuellste Beispiel ist Düsseldorf – siehe dazu http://halbangst.tumblr.com/post/80567098014/fortunainfrankfurt. Und wieder wird nur weggesehen und geleugnet, was die Nazis stärkt und den antifaschistischen Bewegungen in den Rücken fällt. Ein Argument mehr, warum antifaschistische Selbsthilfe unausweichlich ist. Mit „unpolitischer“ Ausrichtung überläßt man sonst den Falschen die Kurven. Auch die Verbände sowie die Medien wären hierbei endlich einmal gefragt. „Kein Fußball den Faschisten“ sollte für alle demokratisch denkenden Menschen selbstverständlich sein.

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Zum Spielende hin stand nach wie vor die Null und aus der Aufstiegsangst war eine allgemeine Angst geworden. Das, was da dargeboten wurde, hatte selbst mit Zeitligafußball wenig gemein. Wieder einmal. Von Aufstiegsgedanken sollten sich alle so schnell wie möglich frei machen. Eigentlich. Denn die Tabelle gibt diese Gelegenheit nach wie vor her. Verrückte Saison, möglicherweise die schwächste 2. Liga aller Zeiten? Nun, wir haben immer noch eine Chance, eine Liga hoch zu gehen – ob wir dort oben auch nur eine zweistellige Punktzahl holen würden, muß aber angesichts solcher Darbietungen bezweifelt werden.

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Beide Mannschaften zeigten in einer vorher sichtlich eingeübten Choreographie das Ergebnis des Spiels am Millerntor sowie auch auf den änderen Zweitligaplätzen: 0-0. Torlos und unansehnlich. Ein Grottenkick.

Das Einzige, was ich noch schlimmer als die Darbietungen auf dem Rasen fand, daß war das, was das Heimpublikum mal wieder ablieferte. Mit dem, was am Millerntor normalerweise sonst so los war, hat das aktuelle Publikum zu großen Teilen immer weniger gemein. Wer meint, bei oder auch nach einem solchen Spiel hier pfeifen zu müssen, sollte nie wieder beim YNWA mitsingen. Entweder oder. Unterstützung nach einem Sieg braucht niemand. Es sind die schlechten Zeiten, an denen wir unseren BoysInBrown beistehen müssen. Und die haben dies aktuell dringend nötig. So sehr wir uns alle hier nach Erfolgserlebnissen sehnen und das Leid ertragen müssen – nicht vergessen, daß es für die da unten auf dem Rasen weitaus schlimmer ist, da so viele dabei zusehen und jede Schwäche mitbekommen.

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Schade, daß Ralle an diesem Tag nicht spielen durfte. Aber auch so war er das Highlight des Tages auf dem Rasen. Fast könnte ich schreiben, daß da nach dem Abpfiff mehr braun-weißes Herzblut am Mittelkreis stand als während der 90 Minuten auf dem Platz – aber ich möchte den Spielern auch nicht in den Rücken fallen. Viele sind noch jung und können sich steigern, spielerisch und auch von dem her, was den FCSP ausmacht. Einige von denen, die das wissen, sind ja immer noch dabei – und manche spielen sogar noch (einer zumindest auf dem Papier für den den Rest der Saison).

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Wenn schon keinen Erfolg, dann wenigstens mit braun-weißem Herzen erspielt. Oder erstolpert. Egal. Wir sind Sankt Pauli. Keine Erfolgstruppe.

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Dieses Spiel mußte trotzdem ersteinmal verdaut werden. Dafür war nicht nur das Ergebnis der Vorstadt in Stuttgart förderlich, sondern vor allem das gesellige Zusammensein am Abend. Danke an die Ermöglichenden für diesen wunderschönen Abend!

Mehr zum Spiel:
http://ostblocksanktpauli.wordpress.com/2014/03/22/erster-und-keine-qualitat/
http://www.ipernity.com/doc/72331/album/633647
http://hamburg-ist-braun-weiss.info/zuhause-ists-schlimmsten-st-pauli-verliert/
https://www.flickr.com/photos/auxarmes/sets/72157642792794384/
http://usp.stpaulifans.de/copper/thumbnails.php?album=278
http://www.stefangroenveld.de/2014/irgendwas-millerntor
http://beebleblox.blogspot.de/2014/03/unsere-kleine-folterstube-fcsp.html
http://www.stpaulinu.de/germany-bundesliga/ingolstadt-ist-nicht-bochum-und-vrabec-hat-recht
http://metalust.wordpress.com/2014/03/23/no-spirit-fc-st-pauli-ingolstadt-00/
http://provincefanatics.blogsport.de/?p=23

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    […] Zusammenhang. Danke für das Raustragen in die Welt bzw. ins Fußballstadion! Das Foto stammt von KleinerTods FC St. Pauli Blog, der deutlich macht, warum die Tapete so großartig ist: “Die Liebeserklärung in der […]

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