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Neben unserem ersten Auswärtsspiel der neuen Zweitligasaison gibt es mit der Reaktion von USP auf Polizei in den Kurven und der Reaktion darauf sowie allgemein mit Anordnungen und Polizei in den Stadien und noch anderen Dingen ausreichend zum Schreiben. Fange ich mal mit dem Spiel an sich an. Im Glutofen von Karlsruhe einen Punkt zu entführen, war schon eine enorme Leistung, die bestimmt über alle körperlichen Grenzen hinaus ging. Und das betraf nicht nur die Kicker auf dem Rasen, wohlgemerkt bei beiden Mannschaften. Gerade auch alle, die an diesem Tag die weite Strecke mitgereist waren und in knallender Sonne das Spiel verfolgten, und das von unserer Seite erneut beeindruckend lautstark, haben unglaubliches geleistet. Die mit gemessenen 35 Grad im Schatten noch ein bißchen höhere Temperaturen als in Hamburg waren angesichts der nirgends erkennbaren Dunkelzonen eh eine enorme Untertreibung. Selbst vor dem Bildschirm mit einem gekühlten Getränk bin ich daheim in der wesentlich geringeren Hitze nur so dahingeschmolzen – wie es da den Vorgenannten erging, das vermag ich mir noch nicht einmal vorzustellen. Alle Achtung!

Eine große Welle hat der von USP in der BASCH veröffentlichte Text zu einem Polizisten in der Süd nebst Umgang damit ausgelöst. Nochmal zum Nachlesen das Statement von USP: http://basch-fanzine.de/basch-33-bullen-aus-der-kurve/ und auch die Reaktion darauf durch den dort thematisierten Fanclub, bei dem der Polizist Mitglied ist: http://millerntor-devils.xobor.de/t255f17-Stellungnahme-zum-Basch-Artikel.html. Im Forum und in diversen Blogs wurde bereits ausführlich darüber diskutiert, ich verweise nur auf http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=7161 und http://metalust.wordpress.com/2013/07/24/polizist-ist-keine-eigenschaft-von-menschen/, so daß ich nicht in aller Breite darauf eingehen will. Es gibt aber ein paar Aspekte, die meines Erachtens bislang etwas zu kurz gekommen sind, worauf ich gleich eingehen möchte.

Die, wie so oft zu bemerkende, heftige und sehr emotionale Ablehnung von USP, die immer wieder zu beobachten ist, brachte unter anderem den Vorwurf ein, USP würde sich irgendwelche Rechte anmaßen, anderen den Zugang zur Süd verbieten zu können oder aber gar Berufsverbote auszusprechen. Wenn man sich aber den Text anguckt, den der betreffende Fanclub geschrieben hat, liest man dort, daß bei dem „Südkurvenverbot“ USP zugleich gegenüber dem Fanclub die Einschränkung nannte „dass man den Zutritt nicht verbieten darf, aber (USP) nicht möchte, dass (die Mitglieder des Fanclubs) dort erscheinen“. Allein an dieser Formulierung des sogenannten Verbots merkt man, daß USP sich zwar des Wortes „Verbots“ bediente und auch sonst sehr bestimmend und wie aus einer Machtposition heraus formulierte, gleichzeitig aber deutlich machte, daß es sich dabei um einen (sehr deutlich formulierten) Wunsch von USP handelt und nicht um eine rechtlich wirksame Anordnung.

Interessant finde ich auch, daß USP sich hinsichtlich ihres Wunsches bzw. „Verbots“ direkt an den Fanclub wandte und den Text in der BASCH ohne die Nennung des Fanclubnamens geschrieben hatte. Adressat des Artikels war somit nicht der betreffende Fanclub oder der Polizist, sondern die Allgemeinheit. USP hat es für nötig erachtet, den Vorfall nicht zu verschweigen, sondern öffentlich zu machen, daß ein Polizist als Fan (ob nun real oder nicht sei dahingestellt) in der Kurve stand, bei Auswärtsfahrten dabei und auch beim Schweinske-Cup, wo es Stadionverbote (wegen Notwehr gegen einen Naziangriff, bei dem die Angreifer nicht von der Polizei verfolgt wurden…) gegen FCSP Fans (eben aus dem USP- bzw. Südumfeld) gab, anwesend war. In meinen Augen die richtige Lösung, diesen Umstand öffentlich zu machen, denn Verschweigen wäre hier sicherlich der falsche Weg gewesen. Es ging in dem Artikel nicht darum, den Polizisten als solchen, der auch nicht namentlich genannt wurde, an den Pranger zu stellen – auch nicht den Fanclub. Zwar wurden, sagen wir mal, sehr deutliche Worte gewählt, die von den betroffenen Personen mit Sicherheit nicht gut aufgenommen werden konnten – aber der Text richtete sich nicht an sie, sondern an die Allgemeinheit.

Ob der Text so clever formuliert wurde, ist natürlich eine andere Frage. Inhaltlich sehe ich aber aufgrund des Überwachungsrisikos durch einen Polizisten im unmittelbaren Ultra-Umfeld kaum eine andere Wahl als in der Konsequenz den von USP gewählten Weg zu gehen (wenngleich ich die Form anders gewählt hätte). Wer meint, daß auch Polizisten ein Recht hätten, Fußballfan zu sein und überall hinzugehen, übersieht die große Gefahr von Stadionverboten, die schon aufgrund eines bloßen Verdachts für lange Zeit ausgesprochen werden und wobei gerade die Ultraszene von der Polizei als „der Feind“ angesehen wird, den es mit diesem und anderen Mitteln zu bekämpfen gilt – der Schweinske-Cup hat dies nachdrücklich bewiesen, aber es gibt noch viele andere Beispiele. Polizisten sind nicht wie andere Bürger, sie haben besondere Pflichten gegenüber dem Staat – so unterliegen sie dem Legalitätsprinzip, haben also Straftaten, von denen sie Kenntnis erlangen, zu verfolgen – ganz unabhängig davon, in welchem Ressort der Polizei sie tätig sind. Sie haben einzuschreiten bzw. ihr Wissen an die Polizei/Staatsanwalt weiterzugeben. Dies gilt auch in ihrer Freizeit, wenngleich mit gewissen Einschränkungen in strafrechtlicher Hinsicht was sie selbst betrifft – dienstrechtlich würden sie aber einen Verstoß begehen. Es wäre zudem immer eine Einzelfallabwägung, ob das öffentliche Interesse höher steht als das Interesse des Polizisten an ihrer Privatsphäre. Beachtet man aber, wie hoch der Staat das Vorgehen gegen Fußballfans, besonders aus der Ultraszene, gewichtet, und auch wie intensiv die Medien immer darauf reagieren, dann wird man kaum jemals von einem geringeren öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung gegenüber Fußballfans und einem höher zu bewertenden Interesse an einer Privatsphäre des Polizeibeamten ausgehen können: mit anderen Worten, er wäre gezwungen, bei Delikten einzuschreiten und zu ermitteln, ja diese bereits im Vorfeld zu verhindern und dabei mitzuwirken. Ein Polizist ist eben nicht wie jeder andere Bürger. Und deswegen ist seine bloße Anwesenheit für manche Kreise gefährlich.

Nun kann man der Ultraszene vorwerfen, sie seien ja selber schuld, daß sie zu diesen Kreisen gezählt werden – aber dies ist eine grundsätzliche und äußerst problematische Frage. Wer in diesem Staat politisch handelt, erst recht als Fußballfan, wird – leider leider leider – schnell kriminalisiert. Und es wird mit zweierlei Maß gemessen, auch was den gesellschaftlichen Rückhalt betrifft, was man im Fall Hoeneß und den Bayern-Fans der Südkurve aktuell sehr gut nachvollziehen kann: http://suedkurve-muenchen.org/?p=587. Eigentlich könnten die Ultras nur damit aufhören, Ultras zu sein, ihre Klappe halten, am besten auf Sitzplätze ausweichen und nur noch bloße Konsumenten sein – dann würde die Polizei sie auch sicherlich nicht so auf den Kiecker haben. Aber das kann man definitiv nicht von USP und co verlangen.

„Einfach nicht kriminell handeln“ reicht eben leider nicht aus, um von der Polizei nicht mit Sanktionen überschüttet zu werden. Die Problematik von Stadionverboten ist niemals zu unterschätzen – siehe http://www.123recht.net/article.asp?a=150412. Ein sehr lesenswerter Text.

Fazit: ich kann die Vorgehensweise von USP sehr gut verstehen. Über die Vorgehensweise im Einzelnen und die Formulierung kann man aber durchaus geteilter Meinung sein – da hätte ich persönlich einen anderen Weg gewählt. Aber es geht ja um USP und nicht um mich oder jemand anderen und um etwas, was bereits geschehen ist.

NACHTRAG: im Forum wurde ein sehr interessanter (nicht verifizierbarer, da nicht offiziell von einer Gruppe abgegebener) Insider-Beitrag zum Thema geschrieben: http://www.stpauli-forum.de/viewtopic.php?t=71555&postdays=0&postorder=asc&start=900. Klingt immer mehr nach V-Leute-Problematik, wenn man das so liest…

ZWEITER NACHTRAG: http://niemandsiegtammillerntor.wordpress.com/2013/08/01/basch-diskussion-worst-of-kommentare/ zeigt ein paar der Ausfälle in dieser Diskussion. Was hierbei nicht vergessen werden sollte.

ksc-fcsp

Zum Spiel selbst gibt es nicht allzuviel von einem Daheimgebliebenen zu kommentieren. Sicherlich hatten wir in einigen Situationen viel Glück (Danke Hennings – wir wissen, daß dein Herz noch braun-weiß schlägt!) und hätten uns über leere Hände nach Abpfiff nicht beschweren dürfen – andererseits gehört Glück ja auch dazu und insgesamt gesehen war es gerade nach hinten bei den Temperaturen ein gelungener Auftritt. Auch spielerisch wußte vieles zu überzeugen, wenn auch befremdlicherweise nur bis zum Strafraum – der dann folgende letzte Pass war eigentlich immer eine Katastrophe und für mich in diesem Ausmaß unerklärlich. Trotzdem hatten wir drei, vier gute Situationen, von denen mir der Freistoß von Maier nach seiner Einwechslung noch am besten gefiel. Dem Jungen traue ich noch viel zu in dieser Richtung, aber es ist sicherlich richtig, ihn langsam einzubauen und nicht gleich über die volle Distanz zu bringen. Einige schienen eh besser mit der Hitze klarzukommen als andere – Namen möchte ich nicht nennen, aber es war schon recht deutlich zu bemerken, daß manche Leistungen nicht „normal“ waren. Wie auch immer. Ein Punkt ist so betrachtet eine tolle Sache, das 0-0 eine gute Ausbeute. Spielerisch sehe ich uns in dieser Saison irgendwo im Mittelfeld und habe eh keine besonderen Erwartungen – die Mannschaft muß sich erstmal in Ruhe finden und dann können wir vielleicht zum Ende der Saison noch mal sehen, ob was geht. Der Dank gilt allen, die bei dieser Hitze so eine Leistung erbracht haben – und damit meine ich Mannschaft wie Fans – und auch den helfenden Händen vor Ort, denen so lieb schon dort gedankt wurde. Nach dem Spiel nahm die mitgereiste Polizei es selbst in die Hand, den aufgeheizten Gästeblock mit einem tragbaren Wasserwerfer abzukühlen – https://www.facebook.com/photo.php?fbid=335404233259623&set=a.305499496250097.1073741828.303037483162965&type=1&theater (um mal einen der dortigen Kommentare halbwegs zu übernehmen). Herrlich!

KnulpKnust2013-02

Nun aber zur Entspannung erstmal Musik… Sehr schön war es auch daheim in Hamburg – und damit meine ich weder den bejubelten Punktgewinn noch das hochsommerliche Wetter, sondern das an diesem Tag anstehende Event: der Party angesichts der 10 Jahre Knust Hamburg. Auf dem Programm stand das „Big Hooley Festival“ mit Celtic Folk Musik aus Glasgow und anderswo. Durchaus mit einer an den King Tuts Wah Wah Hut in Glasgow vergleichbaren Atmosphäre, wenngleich auch überraschend leer startete Knulp das line-up des Festivals: http://www.knusthamburg.de/programm/knust-geburtstag-2710-2/, wobei viele noch draußen auf den Bildschirmen den zeitgleich ausgetragenen Supercup zwischen dem BVB und Bayern verfolgten. Da nahmen wir lieber drinnen unseren Stehplatz ein und genossen gekühlte Getränke.

insearchofaroseKnust2013-04

Mit In The Search Of A Rose sprang dann gleich umso mehr der Funke über – zum ersten mal Irish Folk an diesem Abend. Wirklich unterhaltsam und mit einer über 20-jährigen Bandgeschichte auch wahrlich kein unerfahrener Newcomer. http://www.insearchofarose.de/

TheWakesKnust2013-08

Der Höhepunkt des Abends war dann auch die Band, für die die meisten der häufig in FCSP oder Celtic Glasgow Kluft gekleideten Personen hergekommen waren. Und das aus gutem Grund, sind The Wakes nicht nur in der FCSP Szene bekannt, sondern auch sonst einfach nur gut. http://www.thewakesband.com/

TheWakesKnust2013-14

Schade, daß am gleichen Tag das Auswärtsspiel in Karlsruhe anberaumt worden war – diese zeitliche Überschneidung hat an diesem Abend sicherlich viele potentielle Besucher von einem Gang ins Knust abgehalten – so schnell kommt leider niemand aus Karlsruhe zurück nach Hamburg… Aber für die Daheimgebliebenen wie mich war es einfach eine ideale Angelegenheit, den Abend mit guter Musik und angenehmen Menschen zu verbringen.

TheWakesKnust2013-23

The Wakes sind ja nicht nur im Herzen mit dem FCSP, natürlich neben Celtic Glasgow, verbunden, auch mit der Fanszene beider Clubs und der antifaschistischen Lebenseinstellung. All dies drückt sich in ihren Songs immer wieder deutlich aus. Und wo wir schon mal dabei sind – dies gilt auch für ihr gerade erschienenes neues Album http://www.thewakesband.com/2013/07/blog-post.html THE RED AND THE GREEN. Lohnt sich!

TheWakesKnust2013-26

Wie schwierig es nicht nur in diesem Lande ist, in den Stadien sich antifaschistisch zu äußern, wurde gerade in Köln überdeutlich. Die Vereinsführung von Fortuna Köln ist vor den Nazis aus Aachen eingeknickt und hat, um diese nicht zu „provozieren“, jegliche Stellungnahme gegen Nazis und Rassismus untersagt. Friedhofsstille statt wehrhafter Demokratie, Raum für Nazis und kein Raum für Demokraten. So stellt sich Fortuna Köln den Fußball vor. Kein Fußball den Antifaschisten statt „Kein Fußball den Faschisten“. Die Nazis werden gejubelt und ihren Erfolg gebührend gefeiert haben. Unfaßbar. Siehe dazu http://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=Antirassistische-Fahnen-eine-Provokation&folder=sites&site=news_detail&news_id=6445 sowie http://www.aktive-fans.de/index.php?option=com_content&view=article&id=121:baff-pm-2872013-das-dagegensein-nicht-verbieten&catid=62:pressemeldungen&Itemid=96.

TheWakesKnust2013-27

Bleibt noch ein lesenswerter Artikel in der Welt, den ich nicht direkt verlinken möchte, der sich aber unter Punkt 11 hier http://fokus-fussball.de/2013/07/29/link11-friedliche-fusballfeste-mit-bullen/ finden läßt – Corny Littmann hat deutliche Worte zur gut gemeinten, aber, wie er mit guten Argumenten meint, nicht überzeugenden DFB-Broschüre “Fußball und Homosexualität” gefunden. Lesenswert. Und bedenkenswert. Wir sind leider noch weit davon entfernt, für das Problem der Homophobie im Fußball eine vernünftige Lösung gefunden zu haben. Aber es gilt darum umso mehr, daran zu arbeiten.

Einen hab ich doch noch… 😉 Zu wichtig zum Unterschlagen. Eine Vorankündigung: http://basch-fanzine.de/01-08-2013-1830-lampedusa-in-hamburg-infoveranstaltung-freundschaftskick/.

Danke für das Lesen dieser vielen Worte und auf bald!

7 Comments

  1. „Wenn man sich aber den Text anguckt, den der betreffende Fanclub geschrieben hat, liest man dort, daß bei dem “Südkurvenverbot” USP zugleich gegenüber dem Fanclub die Einschränkung nannte “dass man den Zutritt nicht verbieten darf, aber (USP) nicht möchte, dass (die Mitglieder des Fanclubs) dort erscheinen”. Allein an dieser Formulierung des sogenannten Verbots merkt man, daß USP sich zwar des Wortes “Verbots” bediente und auch sonst sehr bestimmend und wie aus einer Machtposition heraus formulierte, gleichzeitig aber deutlich machte, daß es sich dabei um einen (sehr deutlich formulierten) Wunsch von USP handelt und nicht um eine rechtlich wirksame Anordnung.“

    Dass USP nicht das Recht hat, ist uns allen klar, nur die Art und Weise, wie dieser „Wunsch“ artikuliert wird, erinnert ein bisschen an die Art und Weise, wie man in der Vergangenheit „Herzenswünsche“ umgesetzt hat. Ihre Schönfärberei -oder ist es Bagatellisieren, ich bin noch unentschlossen- entsetzt mich ungefähr ähnlich wie Ihr Kommentar zum Transparent „Mollis und Steine…“ kürzlich.

    Aber als langjähriger Haupttribünensitzer und jetzt GG-Sitzer und Wenig-Auswärtsfahrer fehlt Ihnen wahrscheinlich einfach die persönliche Erfahrung, daher wird ansonsten wie immer rumgeeiert. Gut aber in dem Zusammenhang der Hinweis auf magischerfcblog.de, da gibt es zumindest eine dezidierte und fundierte Meinung.

    • Es bleibt ja jeder hier lesenden Person (trotz der Worte ersteinmal ein höfliches Willkommen zurück an dieser Stelle) selbst überlassen, wie sie meine Worte aufnimmt. Ob diese nun als stets versuchte fundierte Meinung oder als „wie immer rumgeeiert“ ankommt und bewertet wird, entzieht sich natürlich meinem Einflußbereich. Der endet beim geschriebenen Wort.

      Die von mir herausgestellten Punkte als Schönfärberei oder Bagatellisierung zu empfinden steht ebenso allen frei. Eindrücke dieser Art kann ich ebenso wenig steuern. Genausowenig wie hervorgerufenes Entsetzen.

      Meine Worte zum Transparent wie dem „Mollis und Steine…“ haben Sie entsetzt, weil ich dieses nicht einfach nur verurteilt, sondern darüber hinausgehend lieber ausführlich auf das Thema Polizeigewalt in Altona eingegangen bin? Ich vermute es einfach mal. Mehr als mutmaßen kann ich nicht.

      Mir ist es zu einfach, nur USP (hier: obiger Artikel in der BASCH) oder wen auch immer (bei der Tapete ist die Urheberschaft ungeklärt) zu kritisieren, ohne auf das damit beabsichtigte einzugehen. Zu einem breiteren (umfassend wäre zu hoch als Anspruch) Bild der Dinge gehört es schließlich auch, ersteinmal zu versuchen zu verstehen, was hinter den Sachen steckt. Und nicht nur an der Oberfläche sich über das eine oder andere Wort wie „Bullen“ zu stören. Das zumindest ist meine Meinung und die Herangehensweise, die ich versuche. Betrifft sowohl die Sache mit der Tapete als auch diesen Vorfall oben.

      Wir können weiter über beide Themen schreiben, wenn das gewünscht wäre. Nur dann bräuchte ich mehr Ansatzpunkte als „Schönfärberei“, „Bagatellisieren“, „entsetzt mich“, „wie immer rumgeeiert“ oder (k)eine dezidierte und fundierte Meinung“. Das sind alles inhaltsleere Worte. Wie kommen Sie denn auf so etwas? Warum? Ich kann das aus der Luft gegriffen nicht nachvollziehen. Bitte erklären Sie sich, wenn Sie mögen. In den Raum gestellt haben Sie dies.

      Erfahrungswerte habe ich die meinen und nicht Ihre – wie umgekehrt – das ist so selbstverständlich wie zutreffend, was Ihre Beschreibung meines Tribünenaufenthaltes bzw. (kaum vorhandene) Auswärtsfahrerei betrifft – in den letzten Jahren zumindest. Davor war ja noch anderes, aber das ist ein anderes Thema. Persönlich negative Erfahrungen mit USP und co habe ich nicht in dem von Ihnen erlebten Ausmaß gemacht, deswegen kann ich verstehen, wenn Sie manches anders sehen als ich. Was Ihre Meinung weder wahrer als meine noch umgekehrt macht.

  2. der punkt geht an den kleinen tod!

  3. Was mich am Beitrag in der Bash selbst stoert, ist neben der Intoleranz einer Gruppe, die sich fuer mehr Toleranz einsaetzt, auch die extrimistische Wortwahl, der Hass der einem beim lesen entgegenschlaegt. Zitat: „Es bleibt dabei: Keine Gespräche mit Zivis und sonstigen Bullen!“
    Zitat Ulrike Meinhof: „Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden……“ Und wer ausser Polizisten koennte noch unter „Lakaien des Staates“ gemeint sein? Wer kommt als naechster?
    Ausserdem schreiben Sie: „Allein an dieser Formulierung des sogenannten Verbots merkt man, daß USP sich zwar des Wortes “Verbots” bediente und auch sonst sehr bestimmend und wie aus einer Machtposition heraus formulierte, gleichzeitig aber deutlich machte, daß es sich dabei um einen (sehr deutlich formulierten) Wunsch von USP handelt und nicht um eine rechtlich wirksame Anordnung“. Ich bin da nicht so der Fachmann, aber wie kaeme USP dazu eine rechtlich wirsame Anordnung zum Aufenthalt auf der Suedtribuene zu erlassen, sind sie denn dazu befugt?
    Schoenen Tag noch.

    • Moin. Und ersteinmal Danke für den Kommentar. Ich verstehe das Unbehagen, daß durch die Veröffentlichung in der BASCH entstanden ist, durchaus. Ungeschickt war das wohl mindestens.

      An dem Statement von USP in der BASCH stört mich ja ebenfalls einiges. Ich persönlich hätte da sicher auch einiges anders formuliert – aber die von USP gewählten Worte sind nunmal deren Worte. Für glücklich gewählt halte ich die Formulierungen auch nicht. Den Vorwürfen (vor allem an anderer Stelle geäußert von anderen) gegenüber USP möchte ich mich sonst aber nicht anschließen.

      Toleranz einer gesellschaftlich eher im Abseits stehenden Minderheit (Ultras, hier USP – man denke nur an das Arbeitspapier Sicheres Stadionerlebnis, Medienberichte à la „Taliban der Fans“ und so weiter) gegenüber dem Machtapparat und seiner Mitglieder, die die Staatsgewalt verkörpern und in der Gesellschaft auch ausüben (Polizei), ist ein äußerst fraglicher Ansatzpunkt. „Die Schwachen da unten haben die Mächtigen da oben zu tolerieren“ ist eigentlich eine Umkehr des Toleranzverständnisses. Es sind nicht alle gleich in einer Gesellschaft. Es braucht den Schutz gerade der Schwachen und Minderheiten, damit sich die Starken bzw. die Mehrheit nicht auf Kosten der Erstgenannten zu viel herausnimmt. Das Ganze hat http://metalust.wordpress.com/2013/07/29/der-grundsatz-der-kantischen-rechtslehre-und-die-frage-struktureller-dominanz/ bereits viel besser als ich es je formulieren könnte und ausführlich dazu geschrieben.

      Eine „extremistische Wortwahl“ ist im Hinblick auf den äußerst umstrittenen Extremismusbegriff – siehe nur http://antifahennigsdorf.blogsport.de/theorie/kritik-am-extremismusbegriff/ – der zu einer Gleichsetzung von „rechtsextrem“ und „linksextrem“ führt sowie den Extremismus der Mitte ausblendet, schwer zu greifen. Zutreffend ist, daß die politische Einstellung, das auch sicherlich gewollt, in der verwendeten Sprache zum Ausdruck kommt. Womit es vielleicht sinnvoller wäre, die Frage aufzuwerfen, ob diese politische Einstellung akzeptabel bzw. tolerierbar ist oder nicht. Diese Frage ist aber viel zu umfassend, als daß sie so ohne weiteres zu beantworten wäre. Eine Bedrohung anderer oder der Gesellschaft sehe ich jedenfalls nicht in der Einstellung, die da zum Ausdruck gekommen ist, so daß ich allein daraus jetzt keine Kritik formulieren würde. USP ist halt eigen und sie wollen nicht angepaßt sein. Da sehe ich ohne weiteres kein Problem. Für mich eher eine Frage von Toleranz USP gegenüber als umgekehrt. USP spricht uns ja nicht ab, daß wir unsere eigene politische Meinung haben. Wir sollten denen deren eigene an sich auch nicht vorwerfen. Wobei das „wir“ hier auch nur bedeutet, daß „wir“ nicht-USP sind – da gibt es ja noch eine Vielzahl von Schattierungen und Ansichten in dieser „Gruppe“ Nicht-USP.

      Auch die Verweigerung der Zusammenarbeit mit der Polizei ist eine politische Einstellung. Ich verweise mal auf http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_und_Arthur_halten%E2%80%99s_Maul – mal ganz abgesehen davon, daß diese Art des Selbstschutzes nach Recht und Gesetz möglich ist, so geben eigentlich alle Strafverteidiger ihrer Mandantschaft den Rat zu schweigen und nur über einen Anwalt mit Strafverfolgungsbehörden zu verkehren. Und das gilt eben auch bei Unschuldigen. DAS kann man USP kaum vorwerfen. Es ist deren Recht, diese Einstellung zu haben.

      Die dabei verwendete Wortwahl ist halt so eine Sache. Wir würden diese mit Sicherheit nicht wählen, das kann man auch „feiner“ formulieren. Aber bevor hier eine vorschnelle Verurteilung kommt, sollte bedacht werden, daß USP und co Erfahrungen beispielsweise im Schweinske-Cup gesammelt hat, wo die Polizei brutal sogar gegen Kinder vorgegangen ist, gezielt USP Mitglieder mit Stadionverboten für rechtlich unbedenkliche Notwehrmaßnahmen belegt hatte und gleichzeitig Naziangreifer unbehelligt ließ, ja diese sogar mit dem unter Hilfe der Polizei entwendeten Raubgut hat abziehen lassen (eine Zusammenfassung einiger Eindrücke, die von mehreren geschildert wurden – ohne Anspruch auf Richtigkeit, aber diese Perspektive sollte man als Hintergrundinfo bei der Einschätzung der Erklärung im Kopf behalten).

      Wen USP mit den „Lakaien des Staates“ gemeint hat, kann man nur mutmaßen. Auch auch USP muß dabei „in dubio pro reo“ angewendet werden. Niemand sollte USP hier etwas unterstellen. Sicherlich kann man Überlegungen anstellen, wer damit gemeint war (vermutlich Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz?), aber es wäre unfair USP gegenüber, anzunehmen, sie würden gegen andere vorgehen wollen, wenn sie das selbst gar nicht so geschrieben haben. Es sollte auch bedacht werden, daß in die Ultra-Szenen versucht wird, bzw. dies schon erfolgt ist, V-Leute einzuschleusen, die USP und andere Ultras in anderen Stadien kontrollieren sollen. Es ist unter diesem Aspekt nicht vollkommen fernliegend, daß jener Polizist, der gegenüber USP seinen Beruf geleugnet hat, ein solcher sein könnte – muß nicht sein, wir wollen ihn ja auch nicht vorverurteilen, doch die MÖGLICHKEIT besteht und allein dies ist ein nachvollziehbarer Anlaß, daß USP diesen nicht in der eigenen Nähe haben möchte.

      Mit Sicherheit kann weder USP noch sonst ein Fanclub eine rechtlich verbindliche Anordnung erlassen. Man (an anderer Stelle und öfters geschehen) wirft USP aber vor, sie hätten sich dieses Recht hier angemaßt. Wenn man sich diese Formulierung aber genau anguckt, dann fällt auf, daß sie so etwas gar nicht versucht haben. Insofern ist diser anderswo gefallene Vorwurf unhaltbar. Das wollte ich zum Ausdruck bringen.

  4. Du begründest hier, dass mit den „möglicherweise V-Leute“ und „hat möglicherweise was verraten“ so eine Drohung und ein Verbot gerechtfertigt sind. So eine Begründung: „möglicherweise -> sozailer Druck und Verbote“ wird immer verwendet, wenn es um pauschale Stadionverbote und (in NRW) um „Bereichsbetretungsverbote durchzudrücken. Darüber hinaus werden auch „Gefährderansprachen“ genau so begründet, sprich man bekommt Besuch auf der Arbeitsstelle, weil man ja was machen könnte. In dem du dieses Verhalten rechtfertigst, nimmst du dir jede Möglichkeit, später dagegen zu argumentieren. Diese Gleichbehandlung aller Menschen gilt halt auch andersrum.

    Den Nebenschauplatz mit „keine rechtlich wirksame Anordnung“ zu eröffnen, ist auch nicht sehr souverän. Natürlich ist es keine „Anordnung“, wenn man die Gewaltenteilung einmal verstanden. Darum gehts da auch gar nicht. Und sie reden auch nicht „wie aus einer Machtposition heraus“, sondern „aus einer Machtposition heraus“ – ganz ohne Relativierung. Die Machtposition, die sie haben ist ihnen bewusst. Und sie ist jedem regelmäßigen Stadiongänger bewusst. „Es wurde daher allen unmissverständlich deutlich gemacht“ in der Stellungnahme der USP zeigt dies deutlich. Schade, dass du diesen Textabschnitt aus Versehen(?) raus gelassen hast…

    Und was sollen die Vermutungen bzgl. irgend welcher Vorfälle? Du hast hoffentlich auch nur ansatzweise Beweise für die Anschuldigungen, wegen der ihr hier einen Menschen(!) verurteilt. Oder braucht es keine Beweise mehr, damit jemand „schuldig“ ist? Anonyme Beschuldigungen werden erst beklagt und dann als Belege herangezogen. Srsly?

    • Die Unterstellung, USP hätte hier Drohungen ausgesprochen, ist falsch. Schlicht und ergreifend unwahr. Ich habe die entsprechenden Stellungnahmen der Betroffenden im Beitrag verlinkt und daraus ergibt sich auch, daß keine Drohung ausgesprochen wurde.

      Die Entscheidung von USP, einen verdeckten Polizisten, der sich an die Gruppe und darüber an Ultragruppierungen anderer Vereine herangemacht hat, auf Abstand zu halten, mit staatlichen Verboten, auch noch mit Stadionverboten, die von der Polizei zu Unrecht gegenüber USP (uva) ausgesprochen wurde, zu vergleichen bzw. gleichzusetzen, ist schlicht und ergreifend absurd.

      Die Polizei vertritt die Staatsgewalt, nicht USP. Es schützen Grundrechte vor staatlichen Übergriffen, damit die Staatsgewalt nicht überhand nimmt. Leider sind die Bestrebungen, zugunsten des „Sugergrundrechtes“ Sicherheit alle anderen Rechte grundgesetzwidrig einzuschränken, sehr stark und es liegt an uns als Bürger, die Demokratie vor diesen Untergrabungen zu schützen.

      In welcher Form USP eine Machtposition besitzen würde, macht mich jetzt aber schon neugierig. Worin soll die denn bestehen? Im Singen?

      USP hat keinerlei Anordnung rechtlich verbindlich treffen wollen bzw. einen solchen Eindruck gegenüber den betroffenen Personen erwecken wollen – sie haben von vornherein deutlich gemacht, daß sie ein solches Recht nicht besitzen und damit auch, daß sie sich ein solches nicht anmaßen.

      Wie amüsant, wenn all die Dinge, die gegen USP herbeigedichtet werden, fernab jeglicher Realität, ohne je drüber nachzudenken, ob sich dieses belegen läßt, mit dem Maßstab verglichen wird, der bei dem Polizisten angewendet wird – so auch in diesem Kommentar. Er ist ein Mensch? Oh, USP besteht etwa nicht aus Menschen? Oder ist ein Mensch mehr wert als mehrere? Natürlich nicht. Es sind alles Menschen. Das auch nur zu betonen und auch nur bei einer Person, nicht bei der anderen Seite, ist unredlich.

      Die beschriebenen Annäherungsversuche des Polizisten sind in den verlinkten Aussagen belegt. Lesen des gesamten Artikels mitsamt der verlinkten Quellen erleichtert die Diskussion hier enorm. Angesichts der vom Senat eingeräumten V-Leute in den Kurven ist dieses aktive Herantreten an die Ultras mit der bewußten Verleugnung des Berufes, der dieses Unterfangen unmöglich gemacht hätte, alles andere als eine Möglichkeit, die an den Haaren herbeigezogen wird. Und eine solche ist auch keine Verurteilung. Anonym ist an den Angaben auch nichts – nur weil hier keinerlei Klarnamen verwendet wurden, an keiner Stelle der Stellungnahmen, sind doch die Urheber genannt (Fangruppierung bzw. Forumsmitglied). Oder soll hier bei allen, die sich für bzw. nicht völlig gegen USP aussprechen, die Klarnamenspflicht gefordert werden? Team Supergrundrecht würde sich freuen.


5 Trackbacks/Pingbacks

  1. […] Kleiner Tod sah sich Konzert und Hitzepunkt an […]

  2. By „Know your enemy“ « Alles nur geklaut on 30 Jul 2013 at 3:41 pm

    […] Wahre Worte. […]

  3. […] Die, wie so oft zu bemerkende, heftige und sehr emotionale Ablehnung von USP, die immer wieder zu be… […]

  4. […] voraussichtlich einfach nicht beachtet oder nicht sehen wollen – ich verweise einfach mal auf https://kleinertod.wordpress.com/2013/07/29/fcsp-mit-hitzepunkt-beim-ksc-big-hooley-festival-usp-und-…. Der Verein, nicht gerade die höchste moralische Instanz in Fanangelegenheiten, hat sich auf den […]

  5. […] vergangenen Wochen aber in die Diskussion rund um USP und die Sache mit dem Polizisten gesteckt (https://kleinertod.wordpress.com/2013/07/29/fcsp-mit-hitzepunkt-beim-ksc-big-hooley-festival-usp-und-… ausführlich auch dazu). Im FCSP Forum schaffte der thread es gar auf über 100 Seiten, von denen […]

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