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Rund um die aktuelle Diskussion um den Fußball und die aktuelle Diskussion zur „Erhöhung“ der „Sicherheit“ beim Fußball (daß es beim Fußball so sicher ist wie sonst im Leben auch, jedenfalls für eine Großveranstaltung sogar wohl noch sicherer als anderswo, das wird bei dieser Wortwahl gerne übersehen – ebenso, daß der Fußball die Probleme der Gesellschaft weder lösen kann, noch ist das seine Aufgabe oder Verantwortung) wird die Forderung, daß die Vereine die Fanarbeit weiter verstärken sollen, immer wieder und gerne erhoben. Eine solche Fanarbeit wird beim FCSP seit vielen Jahren auf ausgezeichnete Art und Weise vom Fanladen erbracht. Daß nun ausgerechnet die für die Sicherheit zuständige Polizei die Arbeit des Fanladens torpediert, das ist ein Skandal an sich. Zur Personalienfeststellung (und darüberhinaus – siehe Text) hat nun ein Beamter das Umfeld des Fanladens genutzt und damit einen „geschützten Raum“ mißbraucht. Worum genau es geht, kann nachfolgend durch die Stellungnahme der Sankt Pauli Mafia in Erfahrung gebracht werden, die ich hier wiedergebe:

Am vergangenen Samstag wurde eines unserer Gruppenmitglieder im Eingangsbereich des Fanladens St. Pauli unvermittelt von einem Zivilpolizisten auf massive Weise angegangen. Der Mann stellte sich weder vor, noch wies er sich aus, war jedoch mehreren der anwesenden Fans als Zivilbeamter bekannt, da er sich offenbar mit Regelmäßigkeit an den Heimspieltagen des FC St. Pauli dort aufhält. Es wurde von Anfang an und unprovoziert eine auf Einschüchterung angelegte Drohkulisse aufgebaut, die die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich zog und dies wohl auch sollte. Unser Gruppenmitglied wurde in druckvoller Weise aufgefordert, ihm allein in einen Randbereich der Straße zu folgen, und als es dies verständlicherweise verweigerte und – vergeblich – nach dem Grund dieses Auftritts fragte, wurde dies mit mehrfachen Drohungen, z.B. dass er „auch die harte Tour haben“ könne beantwortet. Erst einem Mitarbeiter des Fanladens gelang es schließlich, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

Es wurde später noch ausgesagt, es sei hier lediglich um eine Personalienfeststellung gegangen. Dies halten wir jedoch angesichts dieses bühnenreifen Auftritts für wenig wahrscheinlich, zumal dieser dadurch in keiner Weise erklärt wird. Der Mann hätte sich einfach und in aller Ruhe als Polizeibeamter identifizieren können, und unser Gruppenmitglied hätte sich ausweisen müssen und dies auch getan, ein Vorgang der von den meisten Umstehenden wahrscheinlich unbemerkt geblieben wäre. Eine Notwendigkeit, statt dessen jemanden unter lauten Drohungen zu nötigen, ihm in eine „stille Ecke“ zu folgen, bestand zu keiner Zeit.

Wir stellen uns zum einen die Frage, warum unser Gruppenmitglied unbedingt von den anderen isoliert werden sollte – in Verbindung mit der auf Einschüchterung angelegten Szenerie müssen wir annehmen, dass unter diesem Druck Informationen beschafft werden sollten.

Noch schwerer wiegt aber die Tatsache, dass dies im engsten Einzugsbereich des Fanladens St. Pauli stattfand, was einen absoluten Tabubruch darstellt, der nicht unbewusst und daher auch nicht zufällig erfolgt sein kann.

Ein soziales Projekt wie der Fanladen, der eine wesentliche Anlaufstelle der Fans darstellt und eine wichtige und erfolgreiche Arbeit leistet, die nicht zuletzt auch gewaltpräventiv ist, wird aus genau diesem Grunde üblicherweise als ein weitgehend geschützter Raum geachtet, damit diese durch nichts zu ersetzende Arbeit nicht gefährdet wird. Allein schon die ständige polizeiliche Beobachtung eines solchen Bereiches torpediert diese Arbeit zwangsläufig durch ihre abschreckende Wirkung gerade auch auf jugendliche Fans, deren Betreuung zu den wichtigsten Funktionen dieses Projektes zählt. Umso schwerwiegender muss sich auswirken, wenn nun Leute buchstäblich aus der Tür heraus abgegriffen und unter Druck gesetzt werden, ohne dass irgendeine Gefahrensituation bestünde.

Vor dem Hintergrund der zur Zeit hochaktuellen Debatte um Gewalt im Rahmen von Fußballspielen gehört der Fanladen zu den Projekten, die deutliche Zeichen für Konfliktlösung und Konfliktprävention setzen, was auch von Seiten der Behörden bislang verbal immer anerkannt wurde. Daher müssen wir fragen, ob die Hamburger Polizei mit der nun erfolgten Grenzüberschreitung ein gegenteiliges Zeichen zu setzen beabsichtigt, und ob sie und ihre aufsichtführenden Stellen dies tatsächlich für zielführend halten.

In einer weiteren aktuelle Debatte – der um eine Stadionwache in unmittelbarer Benachbarung von Fanräumen und Fanladen – werden die Argumente für deren Auslagerung durch diesen Vorfall aufs Plastischste unterstützt. Eine solche Nachbarschaft ist mit der unverzichtbaren Arbeit eines Fanprojektes unverträglich und daher ein No Go.

Sankt Pauli Mafia
am 06. Dezember 2012

Mehr dazu: http://sanktpaulimafia.blogsport.de/2012/12/05/grenzverletzung/.

Der Fanladen dient nicht dazu, der Polizei etwaige Verdächtige (oder was auch immer hier gemeint gewesen sein sollte – Zeuge oder die versuchte Anwerbung als „V-Mann“ wäre hier schließlich ja auch denkbar – und unerträglich) zu liefern. Wenn die Polizei das Umfeld des Fanladens zu Ermittlungszwecken dieser Art nutzt, dann torpediert sie die Fanarbeit des FCSP. Das mag absolut gewollt sein, wäre dann aber ein weiterer Skandal. Dann kann die Polizei Hamburg auch gleich erklären, daß jegliche Form von Fanarbeit durch den Verein unterbleiben soll – wobei doch eigentlich aktuell das genaue Gegenteil gefordert wird. Der Fanladen kann keine Fanarbeit leisten, wenn die Fans damit rechnen müssen, daß allein das Aufsuchen des Fanladens dazu führen könnte, von der Polizei aufgegriffen zu werden. Das mag kurzfristig die Ermittlungsquote der Polzei erleichtern, führt aber nur dazu, daß Fanarbeit unmöglich wird und etwaige Probleme vom Fanladen nicht mehr aufgefangen werden können. Einer solchen Vorgehensweise der Polizei muß auf das Entschiedenste widersprochen werden – ermitteln (oder was auch immer) kann sie auch anderswo, die Arbeit des Fanladens ist (ebenfalls) wichtig und darf nicht gestört und unmöglich gemacht werden, das führt nur zu größeren Problemen. Daher: FINGER WEG VOM FANLADEN!

P.S.: Siehe auch http://metalust.wordpress.com/2012/12/07/grenzuberschreitung-stellungnahme-und-bewertung-zum-zivilpolizeilichen-vorgehen-am-1-dezember-in-der-brigittenstrase/.

3 Comments

  1. Es gibt auch eine kleine Anfrage zum Thema V-Leute etc. im Fussball, die sich auch auf diesen Vorfall bezieht:
    http://www.buergerschaft-hh.de/Parldok/tcl/PDDocView.tcl?mode=show&dokid=38963&page=0

    Antworten kommen nächste Woche.

    • Spannende Fragen – und sehr viele davon, so daß ich mich über eine erschöpfende Antwort wundern würde.

      Wenn das bei diesem Fall so etwas gewesen sein sollte, dann wäre das zusätzlich absurd und unerträglich. Ein Anwerbeversuch als „V-Fan“ direkt im Eingangsbereich des Fanladens?

      Passend, daß die Frage eines NPD Verbotes weniger Einigkeit politisch erzielt als das ungesetzliche und überharte Vorgehen gegen Fußballfans. Absurditäten 2012.

  2. Die „Antwort“ zur kleinen Anfrage ist da – noch nicht in der Parlamentsdatenbank, aber Christiane Schneider hat die Antworten hier veröffentlicht:


One Trackback/Pingback

  1. […] das versuchte Anquatschen unmittelbar vor dem Fanladen in dessen Eingangsbereich zu nennen, siehe https://kleinertod.wordpress.com/2012/12/07/fcsp-spm-info-grenzuberschreitung-stellungnahme-und-bewer… – was ein Skandal und zugleich ein deutliches Zeichen dahingehend ist, daß der Polizei […]

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