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So ein Ausscheiden im Pokal ist jetzt nicht wirklich großartig viel Worte wert. Ich mein, der FCSP auswärts in Stuttgart gegen den VfB – wer da was anderes erwartet hat, kann sich vielleicht mal selbst hinterfragen, aber die Mannschaft braucht dies nicht zu tun. Das war keine schlechte Leistung, sie hat nur halt längst nicht ausgereicht, um eine Runde weiterkommen zu können. Weiter ist man hingegen auf dem Fangipfel in Berlin gekommen, zu dem die Eisernen geladen haben. Großes Kompliment, wieder einmal, an den 1. FC Union Berlin, der allen anderen Vereinen und Fanszenen aufgezeigt hat, wie man es machen kann. Und doch geht es weit darüber hinaus, es betrifft alle Fanszenen gleichermaßen, alle Fußballfans in Deutschland und auch diejenigen, die gerne wegen den Fanszenen hierzulande zu den Spielen der Bundesligen kommen. Der Sicherheitswahn trifft aber nicht nur die Fans, den Schwächsten geht es hierzulande sogar noch weitaus schlimmer, wie man aktuell beim Refugeecamp, ebenfalls in Berlin, sehen konnte. Der Blick geht also nicht nur nach Stuttgart, sondern gleich in doppelter Hinsicht nach Berlin – aber jeweils von daheim aus Hamburg aus, jedenfalls was mich betrifft. Trotzdem von mir ein paar Worte zu all dem. Weil es wichtig ist.

Erwartet war ja schon vorab die Ablehnung des DFL Unsinnpapieres „Sicheres Stadionerlebnis“, siehe auch http://fankultur.com/spielfeld/interview/item/808-ich-denke-wir-waren-auf-einem-guten-weg-helmut-spahn-im-interview, doch daß dies auch so medienwirksam geschehen konnte, das hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Den Fangipfel kann man so gesehen schon als einen großen Erfolg werten. Wie absurd die Medienmaschinerie gegen die Faninteressen agiert, das konnte ich fernab vom Gipfel am Fernseher verfolgen, als die Tagesschau gegen 13 Uhr am Freitag mit einem Zusammenschnitt von Pyro und auf den Platz strömenden Dresdner Fans von der x-ten Eskalation der Gewalt sprach und daß sich an diesem Tag Fans treffen würden, um zu beraten, wie der Fangewalt Einhalt geboten werden könne – so ungemein verfälscht dieser erste Bericht noch war, im weiteren Verlauf des Tages wurde nur der Anfang und das Ende des Berichtes belassen, in der Mitte wurde dann vom Gipfel selbst berichtet. Nicht nur, daß miteinander geredet wurde, sondern auch, daß dieses als positiv bewertet wurde.

Ausführlicher sind natürlich andere Quellen. Erst einmal der lesenswerte Bericht vom Fangipfel selbst: http://www.textilvergehen.de/2012/11/01/fangipfel-in-berlin-november-2012/. Auch das Interview in der taz ist lesenswert: http://www.taz.de/Stadionsicherheit-im-deutschen-Fussball/!104647/. Lohnend auch der Bericht eines Desorganisierten: http://foxxi.de/wordpress/2012/11/02/was-man-bei-einem-fan-gipfel-lernt/. Auf 11freunde kann man auch ein paar kurze Worte dazu lesen, die inhaltlich aber nicht wirklich weitere Erhellung bringen. Da empfehle ich doch lieber die Abschlußerklärung im Original: http://www.textilvergehen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/11/abschluss_fangipfel.pdf bzw. http://www.publikative.org/2012/11/02/fangipfel-in-berlin-die-abschlusserklarung/. Besonders wichtig finde ich den Satz: „Der Fußball braucht kein Parallelstrafrecht und keine Kollektivstrafen.“ In diesem einzigen Satz ist die ganze Absurdität der aktuellen und noch weiter verschärft zu werdenden Problematik zusammengefaßt. Wir brauchen keinen Unrechtsstaat im Rechtsstaat.

Wobei man vielleicht eher formulieren sollten, daß wir einen Rechtsstaat an sich benötigen. Denn wenn man verfolgt, wie die Polizei mit regelrechten Foltermethoden, die an Guantanamo erinnern, versammlungsrechtliche Auflagen durchzusetzen versuchte – beispielsweise durch das Zwingen der durch den Hungerstreik geschwächten Flüchtenden, sämtliche Gegenstände hochzuhalten, da nichts den Boden berühren dürfe, ansonsten das Camp sofort geräumt werden würde – http://twitter.yfrog.com/kep05ddj – dann hat das die Beobachter einfach nur noch fassungslos gemacht. Die Einsatzkräfte dürften das geltende Recht und auch die entsprechenden Urteile, beispielsweise http://www.vgh.bayern.de/BayVGH/documents/12a00767bZeltlager.pdf kennen, zumal sie darauf hingewiesen wurden – daß sie dann trotzdem sogar ein Sanitätszelt für die geschwächten Geflüchteten einfach eigenhändig abbauten, war nur einer von vielen Vorwürfen, der der Polizei zu machen ist in diesem Fall. Auch das bis heute anhaltende Stören des Schlafes in jeder Nacht grenzt als Schlafentzug an Folter und verdient eine rechtliche Sanktion der Ordnungskräfte. Nähere Hintergrundinformationen sind hier zu finden: http://refugeetentaction.net/index.php?lang=de.

Solidarische Mahnwachen gab es für das Camp in Berlin und auch das in Frankfurt, welches nicht mit den gleichen Schikanen drangsaliert wird, bislang schon in vielen Städten, auch in Hamburg, wo ich das obige Bild geschossen habe. Die aktuellen Entwicklungen kann man auf twitter unter dem hashtag #refugeecamp verfolgen: https://twitter.com/search/realtime?q=%23Refugeecamp&src=hash. So die aktuelle Entscheidung des Verwaltungsgerichtes, welches die Auflagen der Polizei nur zu einem kleinen Teil aufhob, was aber auch den inzwischen genehmigten Wärmebussen geschuldet sein dürfte – http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/vg/presse/archiv/20121102.1405.377505.html – und ob eine Instanz höher dies immer noch gesehen würden würde, bleibt auch zu bezweifeln. Zumindest Sitzkissen, Pappen und ähnliche Sitzunterlagen dürfen nun endlich benutzt werden. Da der Hungerstreik nach den Gesprächen von gestern abgebrochen wurde, siehe http://www.tagesspiegel.de/berlin/protest-am-brandenburger-tor-fluechtlinge-beenden-ihren-hungerstreik/7334284.html, eine viel zu spät erfolgende Erleichterung, aber trotzdem natürlich weiterhin wichtig. Trotzdem noch zu wenig, deswegen https://www.change.org/de/Petitionen/duldung-der-fl%C3%BCchtlingsproteste-am-brandenburger-tor-refugeecamp?utm_campaign=action_box&utm_medium=twitter&utm_source=share_petition mitzeichnen!

Daß es immer wieder Gerichte und auch mehr als eine Instanz braucht, um polizeiliche Unrechtsmaßnahmen endlich aufzuheben, konnte auch an anderer Stelle verfolgt werden – das racial profiling, die rassistische Kontrolle von Menschen nach Hautfarben, wurde jetzt gerichtlich als verfassungswidrig erkannt: http://www.migazin.de/2012/10/30/polizeiliche-personenkontrollen-aufgrund-der-hautfarbe-unzulassig/?utm_source=feedburner&utm_medium=twitter&utm_campaign=Feed%3A+migazin+%28MiGAZIN%29. Überfällig und trotzdem wichtig gegen den weit verbreiteten Rassismus in unserer Gesellschaft und auch in der Polizei, der sich durch solche Maßnahmen auch immer wieder zulasten der Bevökerung, die nicht das Privileg der weißen Erscheinung hat, zu erkennen gegeben hatte. Damit muß jetzt endlich Schluß sein!

Schluß ist ja auch mit dem DFB Pokal in dieser Saison – aber der ist uns ja eh egal. Wunderbarer Bericht bei http://yorkshirestpauli.com/2012/11/01/more-than-90-minutes-2/ – mehr braucht es kaum (Nachtrag: http://ostblocksanktpauli.wordpress.com/2012/11/02/frottee-on-tour-hohlenkase-und-ein-imaginares-pokalspiel/ lohnt aber definitiv auch!). Außer vielleicht noch der Anmerkung, daß mir unser Spiel in den ersten zehn, zwölf Minuten wirklich gut gefallen hat. Und dann zerbrachen wir so langsam, nach der 20. Minute endgültig. Insbesondere auf der rechten Abwehrseite, ganz unabhängig davon, wer sich da bei uns versuchte. Angesichts der ganzen Verletzten hoffe ich mal, daß wir morgen gegen 1860 München eine starke Auswärtsmannschaft auf die Beine bekommen. Egal, Erfolg wird überbewertet. Liebe zählt!

Und was das Gefühl der Sicherheit betrifft, da kann man das hier doch nur unterschreiben: https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/ – also ich fühle mich auch vollkommen sicher.

Und sicher geht es für uns auch wieder aufwärts. Ob nun schon in München oder auch erst später – egal. Nur niemals aufgeben.

P.S.: Unerträgliches von unserem Präsidium in der MoPo – siehe dazu http://stpauli.nu/supporters-in-action/wenn-der-wind-sich-dreht-wenden-sich-ihre-halse – allein der unerträgliche Versuch, sich für die Verweigerung, mit dem Rest des Vereins eine gemeinsame Erklärung zum DFL Papier abzugeben, damit zu rechtfertigen, daß in Blogs und Forum die Ablehnung des Papiers gefordert wurde, mit Konsequenzen (z.B. für eine Wiederwahl) gedroht und auch beleidigt wurde, stellt die Eignung für dieses Amt mehr als in Frage. Nicht jede Form der Kritik muß man ja akzeptieren, aber wer sich wundert, daß bei solchen absurden Forderungen, wie daß Fans sich zum Betreten eines Spieles ausziehen und sich in Körperöffnungen gucken lassen müssen, in Einzelfällen extreme Reaktionen kommen, der sollte sich fragen lassen, ob er die Konsequenzen seiner Handlungen nicht falsch eingeschätzt hat und nicht die beleidigte Leberwurst spielen sowie sich einer gemeinsamen Arbeit mit dem Rest des Vereins verweigern.

6 Comments

  1. schade, das ich auch hier nicht über die aussagen von sven brux vom berliner fangipfel lese. das thema ist wohl zu heiss und wird lieber totgeschwiegen.

    • Wieso zu heiß? Hab ich doch verlinkt. Und es steht allen frei, dazu hier in den Kommentaren dezidiert Stellung zu nehmen, wenn man meine Meinung dazu hören will. Wenn mich das zu Gegenworten gereizt hätte, würde hier sicherlich schon was stehen.

      • Ok, dann wäre ich zum Beispiel sehr an Ihrer Meinung zu den Aussagen interessiert. Zum Vergleich Ultrasolidarität und Polizeikorpsgeist zum Beispiel. Oder dem Vergleich mit der Loveparade beim Thema Pyro. Oder der Forderung, dass Ultras nicht gegen eine Mehrheit im Stadion agieren sollten. Und der Forderung nach mehr Öffentlichkeitsarbeit von den Ultras. Und dem leichten Touch von Denunziantentum.
        Wenn Sie das alles allerdings nicht zu Gegenworten gereizt hat, gehe ich davon aus, dass Sie mit den Aussagen konform gehen. Was ja auch ok ist. Irgendwie zumindest.

        • 1. Pyro: der Verein trägt die Verkehrssicherungspflicht, siehe http://www.vibss.de/recht/haftung/haftung-bei-veranstaltungen/veranstalterhaftung/, d.h. er muß im Rahmen der Verhältnismäßigkeit Maßnahmen treffen, um Schäden zu vermeiden, die durch das unerlaubte Abbrennen entstehen. Der Verein haftet nicht dafür, daß unvorhersehbare oder unvermeidbare Aktionen geschehen, ebensowenig für das Wohlverhalten der Besucher. Diese Anforderungen dürfen nicht derart überspannt werden, daß die Besucher sich vor Betreten des Stadions nackt ausziehen müssen. Aber der Verein darf umgekehrt auch nicht dem Ganzen einfach freien Lauf lassen. Durch eine Lösung, die ein Abbrennen in einem erlaubten und sicheren Rahmen garantieren würde, und die vom Verein nach diesen Maßgaben kontrolliert würde, wäre Pyro also theoretisch kein Problem. Und prinzipiell halte ich nichts davon, eine Verkehrssicherungspflicht maßlos zu überdehnen, da ja auch immer die Eigenverantwortung Dritter besteht, die für Fehlverhalten heranzuziehen wäre. Hier wären beispielsweise mit dem Gesetzgeber klarstellende Regelungen möglich, daß zumindest Wunderkerzen in Zukunft als erlaubtes Risiko durchgehen könnten. Daß diese Gespräche abgebrochen wurden, hat eine Entspannung verhindert, was Sven auch angesprochen hatte.

          2. Öffnung der Ultras – Öffentlichkeitsarbeit und keine Abschottung ggü. Dritten. Das ist ein Punkt, der die Außendarstellung betrifft. Gerade auch weil durch die Medien und andere Vorurteile (Generationskonflikt z.B.) viele ein Problem mit Ultras haben, ohne diese überhaupt jemals persönlich getroffen zu haben. Da besteht ein unpersönlicher Konflikt, der irgendwie gelöst werden muß. Und das ist nicht allein die Aufgabe der Ultras, jedenfalls nicht in meinen Augen, aber da diese durch eine Abschottung die Gräben vertiefen, wäre durch eine weitere Öffnung viel gewonnen. http://usp.stpaulifans.de/2012/10/einsturzen-neubauen-mitglied-werden/ finde ich da schon einen guten Schritt in die richtige Richtung. Es müssen aber auch die anderen Fans bereit sein, auf die Ultras zuzugehen. Allgemein kann man nicht einer Seite allein einen Vorwurf machen. Ich habe ja als Nicht-Ultra schon einige Erfahrung gemacht, bei Verteilen von Flyern etc.vor dem Stadion – was für extreme Ablehnung da einem teilweise entgegenschlug. Für manche, insbesondere auf den BS aber auch anderswo, sind alle Fans, die sich irgendwie engagieren, das Böse schlechthin. Diese Gruppe ist m.E. genauso gefordert, sich mal zu öffnen. Und eine offen angebotene Hand nicht einfach auszuschlagen. Im Gegensatz zu den Ultras kann man diese Gruppe aber schwer ansprechen, weswegen ich diesen Punkt allgemein als Ansatz zutreffend finde, wie von Sven formuliert. Auch weil die Darstellung in den Medien ohne Öffentlichkeitsarbeit kein Gegenpol hat. Doch sind Fans kein Wirtschaftsunternehmen, auch Ultras nicht, Medienprofis könnten besser vom Verein für solche Zwecke eingesetzt werden oder vom Verband – in Kooperation mit Ultras – was mein Vorschlag wäre.

          3. Solidarität/Korpsgeist – hier hat Sven Ähnlichkeiten zwischen Ultras und der Polizei aufgezeigt, was m.E. für mehr Verständnis bzgl. der Kritik an bedingungsloser Solidarität sorgen soll – durch das alles andere als akzeptierte Vergleichsbeispiel. Sehr clever gewählt. Sven fordert aber kein Denunziantentum, das ist eine Interpretation seiner Worte. Ich denke, er wollte damit bei Fehlverhalten ein gemeinsames Agieren gegenüber einschreitenden Sicherheitskräften ansprechen. Sprich: kein Schutz in der Menge gewähren. Von aktiven Denunzieren kann ich seinen Worten nichts entnehmen.

          Wie gesagt, mich reizen seine Worte nicht zum Widerspruch.

  2. Interessant. Danke.


One Trackback/Pingback

  1. […] MoPo anguckt, dann kann man erahnen, daß uns noch eine haarige JHV bevorstehen wird. Siehe dazu https://kleinertod.wordpress.com/2012/11/02/fcsp-ist-nicht-pokal-aber-sicher-liebe-kein-unrechtsstaat… am Ende. Es wird wichtig sein, daß so viele wie möglich diesmal kommen […]

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