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Über Fußballspiele zu schreiben, die man gar nicht live im Stadion miterlebt hat, ist ja immer so eine Sache – wesentliches hat man auf dem Rasen nicht mitbekommen und auf den Rängen eigentlich überhaupt nichts. Trotzdem nimmt man als daheimgebliebender Fan solche Spiele natürlich irgendwie mit und dabei kommen auch die einen oder anderen Gedankengänge auf. Solche folgen gleich in Kurzform, angreichert mit Eindrücken vom Schanzenfest 2012 und aktuellen Themen, die einen als FCSP-Fan oder auch einfach nur als Fußballinteressierten nicht unberührt lassen. Denn Politik gehört dazu. Auch im Fußball.

Fange ich erstmal mit dem Positivem an: die erste Pokalrunde zu überstehen, das ist für unseren Verein ja mittlerweile zu einer Art Sensation selbst bei extrem unterklassigen Gegnern geworden. Daß es dann sogar ein nahezu ungefährdetes 0-3 werden würde in Offenburg, das hatten daher wohl selbst die kühnsten Optimisten entweder nicht erwartet, oder aber derartige Prophezeiungen wurden im Vorfeld von allen anderen zur reinen Vorsicht lieber mal höflich ignoriert. Wer sich über diese Partie näher informieren will, kann dies bei dem schönen Reisebericht von Magischer FC tun: http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=6513. Da ich dieses Spiel nur in der Zusammenfassung mitbekommen habe, vermag ich natürlich noch nicht einmal ansatzweise etwas zu der Begegnung selber zu sagen. So verblüffend wie das Weiterkommen ist ja auch die bloße Existenz einer zweiten Pokalrunde geworden. Scheint jedenalls ein schöner Ausflug nach Offenburg gewesen zu sein, nicht allein vom Ergebnis her. Was einen für die mitgereisten Fans einfach besonders freut.

Es gibt jedoch Auswärtsspiele, da beneidet man als Daheimbleibender die dorthin fahrenden Fans nicht wirklich über die vor Ort zu gewinnenden Impressionen. Bei einem Gegner mit einem Anhang wie Energie Cottbus – man erinnere sich an das politisch äußerst deutliche „ein SIEG HEILt unsere Wunden“ beim letzten Aufeinandertreffen am Millerntor: https://kleinertod.wordpress.com/2012/03/26/es-lag-am-rasen-fcsp-nullt-daheim-gegen-cottbus/ – hält sich die Freude über einen solchen Gastgeber mit Sicherheit in äußerst engen Grenzen. Natürlich zählt gerade auf solch unangenehmen Terrain eine besondere Unterstützung der eigenen Mannschaft, doch sich diesem ganzen Drumherum auszusetzen, das verdient schon aus diesem Grunde Anerkennung.

Nachtrag: siehe auch http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Verantwortung-bis-zum-Stadionzaun;art1065,3922390 zu „Inerno Cottbus“, einer rechtsradikalen Fangruppe vom FC Energie Cottbus.

Es gibt definitiv angenehmere Auswärtsspiele.

Insbesondere, wenn diese dann auch noch so verlaufen wie das klare 2-0 der Gastgeber – http://www.fcstpauli.com/magazin/artikel.php?artikel=12103&type=2&menuid=57&topmenu=112. Cottbus war in allen Belangen überlegen, spielerisch und kämpferisch. Besonders in Halbzeit eins schien sich der FCSP fast nur aufs Lamentieren konzentriert zu haben. Insgesamt kann man sagen, daß es mit Glück keine Klatsche geworden ist. Und nicht nur Tschauner hatte einen gebrauchten Tag erwischt – aber Kopf hoch, das kann nur besser werden. Und selbst wenn nicht – wir lieben sie ja trotzdem. Und noch etwas abgegriffene Fußballweisheit: die Saison ist noch lang.

Umbauen mußte Schubert die im DFB-Pokal erfolreiche Formation schon aufgrund der verletzungsbedingten Ausfälle von Gogia und Thy (gute Besserung an dieser Stelle!), während Kringe wieder zum Kader stoßen konnte – http://www.fcstpauli.com/magazin/artikel.php?artikel=12095&type=2&menuid=57&topmenu=112. Es wird auch weiterhin spannend zu sehen, welche erste Elf sich über die Saison herauskristallisieren wird. Avevor hat in der 2. Halbzeit für den einzigen Lichtblick gesorgt, das war eine sehr ansprechende Leistung. Und Ginzek war offensichtlich bemüht, aber eben auch deutlich übertrieben und sehr glücklos – trotzdem habe ich so etwas lieber als ein Nebenherlaufen, was bei gewissen Spielern so wirkte (am Bildschirm, wohlgemerkt). Das war jetzt das dritte schwache Ligaspiel in Folge, wobei die Qualität der ersten beiden Spieltage sogar noch unterboten wurde. Schwer, da optimistisch in die Zukunft zu gucken. Es muß noch viel getan werden, bevor da eine Verbesserung zu bemerken ist. Und ob Schubert dabei der richtige Mann ist, das wird von immer mehr FCSP Anhängern bezweifelt. Sieht nicht wirklich gut aus.

Eine Baustelle haben wir ja so oder so auch daheim, die uns mindestens bis zur Winterpause begleiten wird: die neue Gegengerade. Was man von der neuen Tribüne sehen kann, macht nach wie vor neugierig auf das fertige Teil. Die Gegen-Gerade war schon immer etwas besonderes – und weit davon entfernt, unpolitisch zu sein. Dies wird auch in Zukunft so bleiben. Politik gehört nunmal dazu, nicht nur am Millerntor.

Die sich gern „unpolitisch“ gebendes Nazis und deren Verbündete bzw. diese tolerierende Personen sind leider auch in Fußballstadien anzutreffen. In Aachen beispielsweise fallen Mitglieder der „unpolitischen“, also rechtsoffenen Gruppe der „Karlsbande“ wiederholt über die antifaschistische Gruppe der Aachener Ultras (ACU) her, um diese mit brutaler Gewalt aus dem Stadion zu prügeln. Das Unerträglichste dabei ist aber die Positionierung des Vereines Alemania Aachen selbst, welche nach langem Zögern und nur auf Druck der Öffentlichkeit und der Politik gegen die Karlsbande bereit war vorzugehen, dabei aber zugleich auch die Opfer der gewalttätigen Übergriffe mitbestraft hat. Beide Gruppen dürfen sich fortan nicht mehr in Fanräumlichkeiten aufhalten, die Karlsbande keine Banner mehr öffentlich zeigen und die ACU darf nicht mehr „provozieren“ http://www.liga3-online.de/alemannia-aachen-schrankt-karlsbande-ultras-deutlich-ein/ – was bei der gleichzeiten Feststellung, daß die Karlsbande mit Rechtsextremismus zu tun hat, wovon der Verein sich aber nicht deutlich distanziert, wohl bedeuten soll, daß die ACU ihre antifaschistische Position nicht mehr vertreten soll, weil die Ablehnung von Nazis die Nazis provozieren könnte… Was für eine Farce und ein Offenbarungseid der Vereinsführung! Antifaschismus ist nichts negatives, die Duldung von Faschismus und der damit zusammenhängenden Ansichten ist das Problem. Deutlich zu den Zuständen in Aachen auch http://www.publikative.org/2012/08/21/sicherheit-nur-fur-nazi-hools/. Daß es kurz danach zu Verboten dreier rechtsextremistischen Gruppen, unter anderem eben auch in Aachen kam, zeigt dabei nur, wie dringend eine deutliche Absage an Rechtsextreme und eine Stärkung der Personen, die sich dagegen positionieren, nötig gewesen wäre und nötig bleibt. Solidarische Grüße an dieser Stelle an die ACU!

Nachtrag: siehe dazu auch den lesenswerten offenen Brief der Sankt Pauli Mafia an Alemania Aachen: http://sanktpaulimafia.blogsport.de/2012/08/26/post-fuer-alemannia-aachen/.

Und all das vor dem Hintergrund des 20. Jahrestages des Pogroms gegen Ausländer in Rostock-Lichtenhaben. Rassismus war damals der Auslöser und Rassismus ist und bleibt bis heute ein riesiges Problem unserer Gesellschaft. http://blog.tagesschau.de/2012/08/22/das-problem-heist-rassismus/ legt hier lesenswert den Finger auf die immer noch aktuelle Wunde. Auch die dort aufgezeigte und bis heute vorkommende “systematische Täter-Opfer-Umkehr” nach rechtsextremen Gewalttaten, welche sich auch im oben angeführten Fall der Ereignisse in Aachen anführen ließe, ist beschämend und sollte alle aufschrecken. Wir haben hierzulande ein riesiges Problem mit der Akzeptanz durch Duldung von Rechtsextremismus – das hat sich nicht nur bei Rostock-Lichtenhagen, sondern auch bei der NSU, in Lübeck – siehe http://jungle-world.com/artikel/2012/34/46091.html und anderswo gezeigt. Daß die Proteste gegen Nazis durch die Polizei in Dortmund nach allen Kräften behindert werden, während den Nazis der Weg nach Möglichkeit frei gemacht wird, zeigt die Aktualität dieses Problemes nur allzu deutlich: http://www.antifacamp.org/2012/08/24/erklarung-des-auschwitz-komitees/.

Und während vor zwanzig Jahren Politik und Medien mit einer Hetze gegen Ausländer das Asylrecht bekämpfte, was eben auch zu den Pogromen und Straftaten seinerzeit führte, so wird aktuell unverhohlen gegen Homosexuelle Stellung bezogen, um ihnen ihre vom Bundesverfassungsgericht zugesprochenen und im Grundgesetz zugesicherten Rechte nicht anerkennen zu müssen – hierzu verweise ich auf http://metalust.wordpress.com/2012/08/23/bild-distribuiert-unions-und-kolumnistenhetze-gegen-lesben-und-schwule-eine-koordinierte-kampagne/. Unerträglich, damals wie heute.

So wie der Bau der neuen Gegengeraden weiter geht, so muß auch der Kampf gegen die Mißstände fortgeführt werden. Diskriminierungen von Menschen aufgrund ihrer „Abweichung“ von der als „Norm“ durch die Herrschenden bzw. die Mehrheit definierten „Zustände“ sind nicht hinzunehmen. Rassismus, Sexismus, Homophobie und ähnliches haben nirgendwo eine Existenzberechtigung. Gegen diese Form der Gewalt ist eindeutig vorzugehen – und nicht gegen die konstruierte und aktuell immer wieder beschworene „Gefahr“, die von den Kurven ausgehen soll. Die Sicherheit im Fußball ist kein dringendes Problem – hierzu sehr treffend http://lichterkarussell.net/das-sicherheitsproblem-des-deutschen-fusballs/ – sondern wohl allein der Versuch der Politik, von anderen Problemen abzulenken und die Wähler durch das Aufbauen von Bedrohungsbildern und der Präsentation einer „harten Lösung“ zu täuschen und zu beeinflussen. [Nachtrag: beschämend in diesem Sinne auch die vordiktierte Erklärung des DFB, die Rassismus und Rauch im Block gleichsetzt: http://www.textilvergehen.de/2012/08/26/uber-das-verlesen-vorgefertigter-erklarungen/]. Wir brauchen keinen Wählerstimmen-heischenden Populismus, welcher gegen andere gerichtet ist, sondern Politik, die der Gesellschaft wirklich hilft. Und das betrifft eben auch den Fußball.

Nachtrag: nach dem Spiel ging es zum Schanzenfest, welches jedes Jahr einfach nur ein wunderschönes Erlebnis ist. Was die Medien (aber auch angereiste Eventsucher sowie die Polizei) da immer für eine absurde Krawallorgie draus machen, ist ein anderes Thema und hat mit dem eigentlichen Fest nichts zu tun. Die Sonne lachte, informative Stände überall, beste Laune, mitreißende Musik und leckere Gerichte – mit dem wohl größten Angebot für Veganer in ganz Hamburg – sowie gute und preiswerte Getränke. Thematisch ging es vor allem um die Situation in Griechenland – mehr dazu beispielsweise unter http://www.schattenblick.de/infopool/medien/altern/sozz1676.html – aber auch um das rassistische Pogrom in Rostock vor 20 Jahren – siehe http://rassismus-toetet.de/.

Auch auf die nicht nur auf Russland beschränkte aktuelle Problematik im Umgang mit Kritik und Meinungsfreiheit sowie Kunst mit den Beispielen Pussy Riot und OZ wurde hingewiesen – mehr dazu findet man unter http://freeoz.blogsport.de/2012/08/21/free-oz-and-street-art-guerrilla-worldwidepussy-riots-are-everywhere/.

Derweil machte ein unglaublicher Artikel in der FAZ online die Runde – das Pogrom von Rostock Lichtenhagen wurde als eine Art „heilsamer Schock“ für die ganzen am Asylrecht festhaltenden „Sozialromantiker“ scheinbar regelrecht gefeiert – zumindest drängt sich bei solch einer Aufmachung, die mittlerweile schon etwas abgemildert wurde, dieser Eindruck auf: http://twitpic.com/annl8u. Es ist nach wie vor erschreckend, wie aktuell das Thema und Problem mit dem Rassismus in Deutschland ist und wie über die Schwächsten der Schwächsten hergezogen wird.

Weggucken ist keine Lösung.

P.P.S.: In der zweiten Runde des DFB Pokals geht es für uns zum VFB Stuttgart. Das wird in aktueller Verfassung für uns ein Spaziergang. Leider nicht mehr… 😉 Egal. ^^

P.P.P.S.: Da habe ich bei der Zusammenstellung der wichtigen Themen der letzten Zeit doch glatt noch eine sehr relevante News übersehen – http://santapauli.wordpress.com/2012/08/26/pokal-liga-und-anderes-gesummsel/ hat mich aber nochmal zeitnah daran erinnert – das in jeder Hinsicht unterstützenswerte AFM Radio, welches bei Spielen, die man aus welchem Grund auch immer nicht live sehen kann, die erste Wahl zum Hören ist, benötigt Unterstützung. Jede Spende Jeder Sponsor ist willkommen und absolut gut aufgehoben. Ob nun EUR 19,10 oder eine andere Summe – ganz egal. Mehr Infos dazu gibt es bei http://www.spnu.de/supporters-in-action/st-paulianer_innen-das-afm-radio-st-pauli-braucht-sponsoren-kleine-und-grose.

Und der auf dem Schanzenfest erworbene Kaffee „Hamburg trinkt Braun-Weiß“ ist auch eine Empfehlung. Ein Soli-Kaffee für verschiedene Kaffeekooperativen sowie Fanräume und Antifa Hamburg – ausführlicher nachzulesen auf http://hamburg-trinkt-braunweiss.de/ – erhältlich u.a. im Fanladen. Etwas heller geröstet als der ROAR, aber ebenfalls ein guter Kaffee. Ich kann also beide empfehlen. Kaffee trinken und Solidarität zeigen – geht es noch besser? ^^

Berichte von FCSP-Fans vor Ort: (auf Englisch) http://yorkshirestpauli.com/2012/08/25/review-defeat-in-cottbus-cause-for-concern/?year=2012&monthnum=08&day=25&like=1&_wpnonce=8bc7220e66&wpl_rand=f8e5bb3c0a, (auf Breitseitig) http://www.breitseite-stpauli.de/12-13-3.htm und (auf GGGerdig) http://www.gegengeraden-gerd.de/fc-st-pauli/fremdenlegion/ (mit Dank für den Bodenprobensatz – großes Kino!).

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