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Zum Thema Gästeverbot, FCSP und Hansa Rostock gab es viel zu lesen und auch ich hatte bereits einiges darüber geschrieben – doch es ist nach wie vor noch einiges zu erzählen, weswegen ich meinen letzten Beitrag https://kleinertod.wordpress.com/2012/04/16/wohin-geht-die-reise-gastefans-datei-gewalttater-sport-und-der-fcsp/, auf den ich zum Thema allgemein erstmal verweisen möchte, nicht einfach noch einmal ergänzen möchte – hier ist aus guten Gründen ein neuer Blogeintrag fällig.

Meine erste Reaktion auf den Aufruf von USP, http://usp.stpaulifans.de/2012/04/wenn-das-der-frieden-ist-muss-man-den-krieg-nicht-noch-erfinden/, das Spiel gegen HRO nicht im Stadion, sondern auf dem Südvorplatz zu verbringen, war, daß ich diese Form des Protestes für wenig sinnvoll erachtet habe. Und dies möchte ich ersteinmal etwas ausführen.

Den Protest gegen den Weg der Polizei in Hamburg, das Hochsicherheitsspiel zwischen dem FC St. Pauli und Hansa Rostock dadurch zu „befrieden“, indem den Gästefans kein Zugang zum Millerntor gewährt wird (über den Verbot des Verkaufs von Karten an Gästefans), halte ich für absolut notwendig. Diese Polizeimaßnahme ist mit Sicherheit kein Einzelfall, sondern nur bisher einmalig in Deutschland und reiht sich in die bislang nur recht verhalten erklungenen Forderungen nach Abschaffung von Stehplätzen in Stadien und dem Verbot sämtlicher Gästefans bei Fußballstadien nahtlos ein. Mehr noch, es ist ein erster Schritt dahin unter dem Deckmantel der Sicherheit. Wie wenig die im Eilverfahren damit beschäftigten Verwaltungsgerichte die Tragweite dieser Entwicklung im Einzelfall verstanden haben, zeigt die Abwägung zwischen als rein finanzielle Interessen des Veranstalters ausgemachte eine Wagschale und das Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit auf der anderen Seite, wobei letzteres alles überwiegen würde. Mit dieser Sichtweise und Argumentationskette dürfte die Polizei eigentlich gleich eine totale Ausgangssperre für alle Bürger verhängen. Oder aber, um mal ein naheliegenderes Beispiel zu bringen, sämtliche Stehplätze in Stadien sowie alle Gästefans bei Fußballspielen untersagen – bei jedem Spiel, zumindest aber bei als „Problemspielen“, bei denen nicht auszuschließen ist, daß es zu Rechtsverstößen kommt. Hier gilt es, eindeutig Position zu beziehen – und zwar jetzt, wo dieser erste Stein des Fundamentes gelegt werden soll, nicht erst dann, wenn das Gebäude schon unverrückbar für alle Zeiten da herumsteht. Also: ein eindeutiges JA! zum Protest gegen diese Verfügung muß an diesem Spieltag erfolgen.

Aber warum dann während des Spieles draußen bleiben? Eine größere Medienaufmerksamkeit erreicht man schließlich kaum über einen unsichtbaren Protest außerhalb des Stadions, wo keine Kamera steht. Protestbanner auf den Rängen kommen da doch zumindest für ein paar Augenblicke ins Bild – und für eine Demo vor und/oder nach dem Spiel wäre ja immer noch Zeit, zumal unsere Mannschaft die Unterstützung nicht nur gut gebrauchen kann, auch die Vereinsführung hat durch ihren Kampf gegen die Verfügung bislang alles richtig gemacht, so daß diese Protestform für mich wenig einleuchtend war. Wobei ich sehr wohl verstanden habe, daß eine solche Protestform auch ein deutliches Zeichen ist und in der Sache nicht nur absolut gerechtfertigt ist, es gibt ja auch Gründe, die dafür sprechen. Entsprechend hatte ich dies auch kurz gebloggt, Verständnis für den Protest geäußert und meinen Protest im Stadion sowie vor und nach dem Spiel angekündigt – sowie mich auf Diskussionen zum Thema eingelassen.

Etwas verwundert stellte ich dabei rasch fest, daß ich gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen am Diskutieren war – und zwar einerseits den Protest wie auch diese Form sowie USP nebst anderen Fangruppen vom FCSP argumentativ verteidigte und andererseits mein Verständnis für einen Support über diese 90 Minuten zusammen mit den Protest am begründen war. Auf die Tiefpunkte in beiden Richtungen will ich hier nicht eingehen, hier hat wohl jeder längst mitbekommen, daß es davon derzeit mehr als genügend gegeben hat. In mir wuchs aber schnell die Erkenntnis, daß ich weit davon entfernt war, den für mich (nicht für alle!) richtigen Weg an jenem Spieltag zu erkennen. Eine lange Zeit des Grübelns begann. Die anschließende Nacht verlief für mich deswegen nahezu schlaflos, ich konnte einfach nicht aufhören, mir über dieses Thema Gedanken zu machen. Und auch das, was danach kam, beeinflußte mich. Zeit, nun einen Nachtrag zu schreiben.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, daß der Protestweg von USP die exakt richtige Maßnahme ist – inklusive dieser Ankündigung im Vorfeld. Die Medien haben darauf reagiert und das Thema bereits im Vorfeld aufgegriffen – was bei einer Demo außerhalb der Spielzeit wohl kaum der Fall gewesen wäre. Anlaß hierfür war nicht nur die Ankündigung von USP, sondern die erneut hilflose Reaktion der Polizei darauf, die rund um das Millerntor ein Gefahrengebiet ausgerufen hat, siehe dazu http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/6337/2237381/pol-hh-120419-2-pressemitteilung-der-polizei-hamburg-anlaesslich-der-fussballbegegnung-fc-st-pauli/gn – und dies im Widerspruch zu ihrer Verfügung des Gästeverbotes, den sie dadurch begründet hatte, daß nur dadurch die Sicherheit hergestellt werden könne, jetzt zugestehen muß, daß die Sicherheit jetzt erst recht gefährdet ist. Eigentlich eine Bankrotterklärung allererste Güte, was selbst die polizeifreundliche presse so sieht: http://www.mopo.de/polizei/krawalle-befuerchtet-am-sonntag–polizei-erklaert-st–pauli-zum-gefahrengebiet,7730198,14953406.html zur Fehleinschätzung der Folgen des Verbotes durch die Polizei und auch http://mobil.abendblatt.de/sport/fussball/st-pauli/article2252621/Polizei-befuerchtet-Krawalle-bei-St-Pauli-gegen-Rostock.html verweist (ohne Wertung jedoch) darauf, daß nun ein massives Aufgebot an Einsatzkräften nötig sei. Wo also bleibt da der Erfolg des Gästeverbotes? Schon allein durch die Ankündigung von USP, insbesondere auch in Kombination mit der Anmeldung der Demonstration von HRO am gleichen Tag (Nachtrag: erwartungsgemäß wurde eine geänderte Demoroute durch Altona genehmigt durch das OVG: http://justiz.hamburg.de/oberverwaltungsgericht/3385534/pressemeldung-2012-04-20-ovg04.html – siehe auch https://quotenrock.wordpress.com/2012/04/21/fcsp-fchansa-die-kogge-geht-zu-fusovg-hamburg-legt-alternative-demoroute-fest-only-temp-yours-beware-of-beerkillin-crowd/), ist der polizeiliche Supergau eingetreten: die Sicherheitslage hat sich durch das Gästeverbot und die Reaktionen auf dieses Verbot nur noch verschlechtert und die Polizei muß mehr Einsatzkräfte an mehreren Fronten zur Verfügung stellen, als wenn das Spiel wie gewohnt mit Gästefans abgelaufen wäre. (Nachtrag: Hinzu kommt, daß die zeitgleich protestierenden Fangruppen von FCSP und HRO offiziell getrennt sind, ein etwaiger Zusammenstoß also im Widerspruch zu den Ankündigungen beider Lager stehen würde.) Also, USP: alles richtig gemacht.

Natürlich besteht am Sonntag selbst die Gefahr, daß es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und auch zwischen den Fangruppen kommen wird – und es steht zu befürchten, daß die Polizei in den Gefahrengebieten quasi um jeden Preis Krawalle schon im Vorfeld (also bevor die Fans damit angefangen haben) zu unterbinden versuchen wird. Sprich: nicht zu einer Beruhigung der Situation beitragen wird.

Die Vereinsführung hat sich auch zu Wort gemeldet und leider den gleichen Fehler begangen, den so viele FCSP Fans in diesen Zusammenhang begehen und das nicht nur zu dem bevorstehenden Spieltag: der – zum Teil auch nur indirekte – Vorwurf an USP aufgrund der Vorkommnisse bei der Blockade der Süd. Leute, USP sowie die anderen beteiligten Fangruppen haben schon längst aus diesem Fehler gelernt, ihn als solchen erkannt, sich entschuldigt und nicht nur diesen nicht mehr wiederholt, es ist auch nicht zu erwarten, daß sie dies noch einmal machen werden. Wer etwas anderes erwartet oder unterstellt, trägt nur zu einer fortlaufenden Spaltung der Fanszene durch eine unversöhnliche Geisteshaltung mit – und hat sicherlich auch bei jeder Erwähnung von Ultra-Kultur eine geballte Faust in der Tasche. Hilft uns das weiter? Ausgerechnet jetzt, bei diesem Thema? Es geht nicht darum, ob man die Ultra-Kultur mag oder ablehnt oder ob USP damals falsch gehandelt hat oder nicht. Es geht um die polizeilichen Maßnahmen, die irgendwann zu einerm Verbot sämtlicher Gästefans und auch Stehplätze führen könnten. Und, ja, es betrifft damit genauso auch die Gegengeradensteher. Wacht auf! (Wobei die, die das wissen und den Protest im Prinzip unterstützen, sich bitte jetzt nicht angesprochen fühlen brauchen – auch nicht jene, mit denen ich das schon diskutiert habe).

Leider haben die Worte des Vereins http://www.fcstpauli.com/magazin/artikel.php?artikel=11263&menuid=1 in den Medien den Eindruck entstehen lassen, als ob der Verein gegen Proteste zu diesem Thema wäre und insbesondere auch den Eindruck entstehen lassen, als ob es einen falschen (friedlichen) Weg bei dem Thema geben würde. Dies wird dadurch umso deutlicher, als daß USP im Aufruf allen Fans die Freiheit zur Wahl der Protestform und des Spielbesuchs eingeräumt hat, während der Verein sich gegen den Protest von USP öffentlich gestellt hat. Aber so, wie jeder Fan die Freiheit hat, auf welche Weise auch immer am Protest teilzunehmen oder das Spiel zu besuchen, so haben die Fans auch die Freiheit, den Protest nicht zu unterstützen sowie auch, das Spiel nicht zu besuchen. Wobei, wie http://metalust.wordpress.com/2012/04/20/solidaritat-mit-usp-gegen-den-autortaren-charakter/ zutreffend vermerkt, dadurch zudem auch noch der Eindruck erweckt wurde, als ob Spielbesuch UND Protest gar nicht zusammen gehen würde.

Für mich hat sich damit eine deutliche Tendenz dahingehend ergeben, daß eine Solidarität mit dem Protest gegen den Sicherheitswahn allein im Stadion schwer zu vermitteln ist. Zumindest für eine gewisse Zeit draußen zu bleiben – ob nun für eine Viertelstunde, eine Halbzeit, das ganze Spiel über oder wie auch immer – halte ich mittlerweile für notwendig. Ebenso, wie daß dieser Protest FRIEDLICH bleiben muß. Bitte hierzu auch die Worte vom Fanclubsprecherrat lesen:

An alle Fanclubs des magischen FC,

ernste Worte sind von Nöten und wir alle haben uns eine andere Situation gewünscht als diejenige, die nun zum nächsten Heimspiel gegen Hansa Rostock entstanden ist:

– Eine Hamburger Polizei, die erstmalig erfolgreich den Verkauf von Gästekarten verboten hat. Somit ein Spiel ohne Gästefans.
– Ein Gericht, welches sich nicht in der Lage sah, den Einschnitt in die Freiheit von Fußballfans und ihres Verbands in dieser Dimension zu sehen und zu unterbinden.
– Eine Fandemo der Rostocker Fanszene quer durch Altona und St. Pauli.
– Ein Boykott des Spiels durch große Teile der organisierten Fanszene des FC St. Pauli und eine Protestversammlung auf dem Südkurvenvorplatz während des Spiels.
– Eine Hamburger Polizei, die somit eine Situation vorfindet, die nur noch mit einem Großaufgebot von Sicherheitskräften kontrollierbar erscheint.
– Und daneben noch der Frühlingsdom.

Wir vom FCSR schätzen diese Gesamtsituation als äußerst instabil und somit gefährlich ein und wollen euch ein paar Dinge ans Herz legen:

Überlegt euch genau, was ihr an diesem Tag machen wollt:
– Geht ins Stadion, um das Spiel zu sehen, wenn ihr euch an Protestaktionen nicht beteiligen oder diesen Protest ins Stadion tragen wollt.
– Bleibt draußen und kommt zum AFM Container, um ein Zeichen zu setzen.
Wir haben da keine Empfehlung und schreiben niemandem vor, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Aber versucht an diesem Tag möglichst nichts allein zu machen. Achtet aufeinander und versucht euch bereits bei der Anreise zum Stadion zusammenzufinden.
– Meidet das Domgelände.
– Lasst euch nicht provozieren.
– Helft anderen Fans, wenn sie in Auseinandersetzungen verwickelt sind.
– Lasst Kleinkinder an diesem Tag zu Hause.
– Und vor allem versucht nicht, die Fandemo der Rostocker in irgendeiner Art zu stören oder zu begleiten. Es ist ihr gutes Recht ihren Unmut über die Verfügung der Polizei kundzutun. Es ist aber auch unser gutes Recht, unsere eigenen Wege zu finden, unseren Unmut darüber auszudrücken.

Natürlich ist es richtig, unsere Faninstitutionen wie den Fanladen, das Jolly Roger und andere vor Angriffen zu schützen, sollte es zu solchen kommen.
Alle Auseinandersetzungen darüber hinaus mit Fans von anderen Vereinen lehnen wir entschieden ab! Und an diesem Tag ganz besonders!

Wir sagen es noch einmal ganz deutlich: Die Wut über diese Entscheidung richtet sich, was uns als FCSR betrifft, nicht gegen die Rostocker Fanszene, nicht an die beteiligten Vereine, die sich vorbildlich verhalten haben, in diesem Fall auch mal nicht an den DFB, sondern ausschließlich an die Sicherheitsbehörden, die einen Präzedenzfall geschaffen haben, der alle Fußballfans in Deutschland betrifft.

Wir wünschen euch trotzdem einen schönen Spieltag und unserer Mannschaft drei Punkte.

Euer FCSR

Eine gute Übersicht bieten http://ballesterer.at/index.php?art_id=1838 und http://blog.uebersteiger.de/2012/04/19/gefahrengebietsdemonstrationsverlierer/ mit weiteren links zum Weiterlesen. Hervorheben möchte ich noch http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=6228. Auch AFM hat eine Stellungnahme abgegeben: http://www.fcstpauli-afm.de/c/afm/index.php?id=aktuelles_artikel&tx_ttnews[tt_news]=675. Und als Protest gegen die Anordnung des Gefahrengebietes wird zum Spaziergang aller Anwohner aufgerufen: http://de.indymedia.org/2012/04/328575.shtml – St. Pauli besteht eben nicht nur aus dem Verein, wobei ich hoffe, daß es hier wirklich nur bei einem Spaziergang bleibt. Die politischen Hintergründe hinter diesem Sicherheitswahn zeigt http://www.publikative.org/2012/04/22/st-pauli-vs-hro-police-and-thieves/ lesenswert auf.

Auf, FCSP, zum friedlichen Protest gegen den Sicherheitswahn!

13 Comments

  1. Da muss ich natürlich aufgrund einer Passage einen Kommentar schreiben:

    „Die Vereinsführung hat sich auch zu Wort gemeldet und leider den gleichen Fehler begangen, den so viele FCSP Fans in diesen Zusammenhang begehen und das nicht nur zu dem bevorstehenden Spieltag: der – zum Teil auch nur indirekte – Vorwurf an USP aufgrund der Vorkommnisse bei der Blockade der Süd. Leute, USP sowie die anderen beteiligten Fangruppen haben schon längst aus diesem Fehler gelernt, ihn als solchen erkannt, sich entschuldigt und nicht nur diesen nicht mehr wiederholt, es ist auch nicht zu erwarten, daß sie dies noch einmal machen werden. “

    Wie ich Ihnen ja schon versucht habe zu vermitteln, ist es für Sie schwer zu beurteilen, wie sich die damals Blockierten gefühlt haben und warum das aktuelle Szenario ein bisschen deja-vu Charakter hat. Auch damals war anfangs nicht von einer Blockade die Rede, sondern nur von einem Boykott, man entschloss sich dann einfach um. Auch dazu gibt es ja eine Stellungnahme des FCSR im Nachgang, die genug aussagt.

    Ob jemand aus einem Fehler gelernt hat, lässt sich am besten feststellen, indem man sich anschaut, wie er in einer gleichen oder ähnlichen Situation reagiert. Da es eine solche Situation bisher nicht gab, fehlt mir dazu die Möglichkeit.
    Entschuldigt wurde sich in der Tat, allerdings kam die Entschuldigung nicht bei allen so wirklich überzeugend an (da rede ich nicht nur von mir, das kann man vielerorts nachlesen), deswegen sollte Sie diese Leute nicht gleicht wieder in die Spalter-Ecke schieben (und damit selbst spalten), sondern einfach als gebrannte Kinder, die das Feuer scheuen. Wenn es vorbei ist und dann alles so gelaufen ist, wie Sie und alle anderen (inklusive mir) sich erhoffen, dann kann man das Thema in der Tat unter der Rubrik „was gelernt“ abheften.

    Mir geht auch bei Erwähnung von USP nicht automatisch das Messer in der Tasche auf, sondern zuletzt gerade wieder die Tasche zum Zwecke einer Choreo-Spende.

    Zusammengefasst: once bitten, twice shy. Aber ok, Sie waren nicht dabei, da dürfen Sie auch ein bisschen theoretisieren 😉

    • Wie schon ausgeführt, halte ich eine Diskussion über dieses Thema aktuell für wenig zielführend. Wobei ich den damals Betroffenen nicht absprechen möchte, daß sie das von damals noch nicht verwunden haben und ein Mißtrauen mit sich herum tragen – doch da seitdem gebetsmühlenartig dieser Vorfall mitsamt einem allgemeinen USP-Gebashe immer wieder vorgetragen wird – von sehr vielen Leuten, die auf der Gegengeraden oder woanders eben nicht direkt davon betroffen waren – und die Diskussionen auch heute bei vielen wieder zu einer einzigen Kritik gegen USP ausarten, wollte ich auch dazu Stellung nehmen. Wenn ein „hört auf zu spalten“ als Spaltung bezeichnet wird, habe ich allerdings Bauchschmerzen.

      Nochmal: der Gegner ist nicht USP, es geht hier um etwas anderes.

      • Ebenso gebetsmühlenartig, wie das relativiert wird. Auch von Ihnen. Dass man das nicht unwidersprochen lässt -weder Sie noch „wir“, muss man dann einfach ertragen. Hatten wir ja schon.

        „“Wenn ein “hört auf zu spalten” als Spaltung bezeichnet wird,habe ich allerdings Bauchschmerzen. “
        Welche Art von Emotion erwarten Sie denn bitte auf den Spaltungsvorwurf? Manchmal finde ich Sie etwas wunderlich. Aber das geht ihnen umgekehrt wahrscheinlich genauso 😉

        • Also den letzten Satz kann ich definitiv unterzeichnen. 😉 Das andere weniger.

          Die Kritik an Verhalten, die zu einer Spaltung beiträgt, ist vielleicht nicht angenehm, aber wenn jedwede Widerworte aufgrund deren emotionalen Wirkung schon ein Problem darstellen, werfe ich mal das Wort „Kritikfähigkeit“ in den Raum.

          Kritik an sich ist keine Spaltung. Aber über Jahre hinweg immer und immer wieder die gleiche Kritik anbringen, selbst wenn eine – ob nun für ausreichend oder nicht befundene – Entschuldigung gekommen ist und seitdem sich der Vorfall nicht wiederholt hat – das ist längst keine wirkliche Kritik mehr. Konstruktivität kann man da dann nicht mehr im Ansatz erkennen.

          Damals habe ich deutliche Kritik geübt. Aber wenn man nicht irgendwann damit aufhört, sollte man die Gründe dafür nicht im Anlaß suchen, sondern anderswo…

          Und nochmals. USP ist heute nicht in der Kritik.

  2. Sich ständig wiederholende Kritik an der Kritik ist allerdings auch nicht -wie sagen Sie so schön?- zielführend. Warten wir doch einfach ab, ob in einer ähnlichen Situation -also Sonntag- alles glatt geht. Dann wäre es doch durch.

    Ich kritisiere auch nicht USP, btw., sondern Sie 😉

    • Mich können Sie so oft kritisieren, wie Sie wollen. Nur zu.

      Und am Sonntag interessiert mich der Protest gegen den polizeilichen Sicherheitswahn und nichts anderes. Naja, okay, das Spiel auch noch. Aber leider nicht mehr so sehr wie normalerweise, was ja das eigentliche Übel ist. Danke, Polizei Hamburg. >.<

  3. Also ich finde die Diskussion fehl am Platz. Ich finde die betroffenen auch auf Seiten von „USP“ damals sind ja auch hoch gewesen angespuckt als Nazi beschimpft werden etc.. Ich finde man sollte damit abgeschlossen haben es ist doch damals zum glück auch niemand ernsthaft zu schaden gekommen…

    Doofes USP! Einfach mal am Sonntag anschaun und nicht so viel rumschreien…

    Guter Artikel… ich will ins Stadion aber aktuell wirklich schwer seinen Protest nicht draußen auf dem Südkurvenvorplatz mit auszuleben.

    • Damals ist vieles extrem schlecht gelaufen. Die Aktion von USP – und, nicht zu vergessen, AUCH VON ANDEREN FANCLUBS – ist schlecht gewesen und das galt es damals zu kritisieren. Geschah auch – weswegen ich das Hochkochen auch heute noch nicht nachvollziehen kann, irgendwann gehört ein Kapitel auch abgeschlossen. Davon abgesehen waren auch die Reaktionen einiger Ausgesperrter daneben – was bis heute leider nicht richtig aufgearbeitet wurde, was ich für eine verpaßte Gelegenheit erachte. Aber auch das liegt lange zurück und es lohnt nicht, das wieder auszukramen.

      Was aber wichtig ist, daß ist die aktuelle Geschichte – das Verhalten der Polizei in Hamburg, welches einfach nicht hinnehmbar ist und das Spiel derart in den Hintergrund drängt, daß ich zum ersten mal überhaupt keine Lust auf ein Spiel am Millerntor habe. Aber ich gehe hin. Protest und Solidarität damit muß einfach sein. Alles weitere wird sich dann ergeben.

      Nicht USP ist das Problem – „TÜRKISCHER VORNAME AUSSER BOLL!“ Oder so. 😉

      Danke für das feedback!

  4. Na ja, vielleicht ist die Diskussion, wie lui zurecht anmerkt, eben nicht abgeschlossen, dass die Opferisierung da sehr einseitige Mythenbildungen fördert, was auf einen entscheidenden Punkt verweist: USP und die angeschlossenen Fanclubs damals haben eben nicht ausschließlich eigeninteresseorientiert agiert und hatten zudem die Größe, sich zu entschuldigen, weil Blockade das falsche Mittel war. Den Empörten darüber hingegen ist es ziemlich gut gelungen, das nicht mehr darüber geredet wurde, worum es damals eigentlich ging. USP plus X haben damals wie heute ihre Aktion in einem übergreifend politischen Sinne verstanden, wâhrend die autoritär-konservative Fraktion vor allem mit je eigenen Bedürfnissen beschäftigt war und und ist und gegen „Fanrechte“ polemisierte in Ignoranz dessen, dass diese einfach ein Spezialfall allgemeiner Grundrechte sind. Und das nun wiederum hat schon mit einem übergreifenden Selbstverständnis der Fanszene des FC St. Pauli zu tun und ist eine Auseinandersetzung, die weiter geführt werden wird.

    • Zugegeben, dieser Teil der Diskussion wurde bislang einfach noch nicht wirklich geführt – allerdings frage ich mich, ob dafür nicht auch zu viel Zeit schon vergangen ist. Andererseits sind die Angriffe auf USP ja keine Sache der Vergangenheit, sondern diese werden fortlaufend geführt. Was ich ja auch thematisieren, nur eben nicht zum zentralen Thema machen wollte.

      Aber vielleicht ist der aktuelle Zeitpunkt gerade doch sehr passen,d da es eben wieder um das gleiche Thema geht. Womit ich NICHT Hansa Rostock meine, die sind nur zufällig wieder dabei bzw. auch gerade nicht. Es geht hier wieder um eben jene Rechtebeschneidung von Fans durch die Polizei oder andere Institutionen – und darum, wie ablehnend ein Teil der Fanszene des FCSP auf jegliche Bemühungen von USP und anderen Fanclubs reagiert.

      Bei manchen scheint die Gleichsetzung von Ultra und Hooligans auf so fruchtbaren Boden gefallen zu sein, da es ihre geheimsten Wünsche bzw. Vorurteile bekräftigt und deswegen schon als „Wahrheit“ gesehen wird, wenn man sich den enormen Hass auf alles, was mit USP und co. zu tun hat, in Foren, Kommentare, Artikeln und sonstwo so anguckt. Hinzu kommt, gerade von der Gegengeraden, die Neuschreibung der Geschichte in Form einer Idealisierung, gänzlich außer Acht lassend, daß die angegriffene Fangruppierung(en) damals Teil der Gegengeraden war und mit die Stimmung gemacht hat, auf die jene „ohne USP gab es auch schon Stimmung im Stadion“-Fraktion so stolz verweist. Und auch früher gingen schon viele der später unter dem Namen USP versammelten Personen zum Millerntor und trugen so zur Stimmung bei. Nur eben jetzt konzentrierter.

      Diese Unterteilung in „Ihr“ und „wir“ hilft bekanntlich wenig, da sie nur zur weiteren Spaltung und Distanz zueinander führt. Was ich sehr schade finde, denn den vielbeschworenen „Geist“ bzw. das gemeinte „St. Pauli“ besteht schließlich nicht aus etwas Konservativem, auch wenn das Streben danach, das Erreichte zu bewahren, sicherlich positiv zu bewerten ist. Nur was verbleibt von dem „Anders-sein“, wenn man sich lieber mit der Staatsgewalt als mit der eigenen für alle kämpfenden Fanszene solidarisiert?

      Wobei natürlich auch und gerade die Vielfalt der Meinungen am Millerntor in meinen Augen willkommen sein sollten. Nur gibt es Grenzen – wie die besagten Rassismus, Homophobie, Sexismus und andere.

      Wobei natürlich viele Nuancen an Meinungen bestehen und nicht jeder, der Kritik an USP übt, gleich dem autoritären Lager zuzuordnen ist – insofern will ich mit meinen Ausführungen auch nicht alle über einen Kamm scheren.

    • http://www.mopo.de/fc-st–pauli/ohne-usp–alles-so-wie-frueher–st–pauli-hofft-auf-gaensehaut-stimmung,5067040,14962274.html führt das USP-Gebashe ja fort. Gibt ja genügend , die genau so etwas lesen wollen, weil es so schön zu ihren Vorurteilen paßt. Ach, wie toll doch die Stimmung auf der Gegengeraden war, bevor USP auf die Süd umzog… Sieht man auch schön auf dem Bild, wer da für Stimmung sorgte. Herrlich, das USP-Banner bei einem solchen Hetzartikel prangen zu sehen. Ich weiß schon, warum ich mir dieses Blatt nicht mehr kaufe.

  5. Wurde die Singing Area nicht wegen schlechter Stimmung eingerichtet? War nicht Carpe Diem USP-Vorgänger? Fragen über Fragen 😀 – die ja nur ablenken von der Frage, wie ernst man das mit der Politik meint und wie weit man da überhaupt bereit ist, sich zu informieren. Dass USP in Teilen wenigstens noch gegen diese MIschung aus Kirchentag und Schlagermove, gekoppelt an ein paar Phrasen gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie, anstinken, das ist doch viel wichtiger – und dass es sogar gelungen ist, zwar nicht hinsichtlich aller Protestformen, aber doch prinzipiell Menschen wie Gernot Stenger in politischen Fragen zu sensibilisieren, siehe Schweinske-Cup-Statements und die aktuellen Prozesse, das ist doch viel wichtiger, als nun immer noch wegen der Blockade rumzujammern. Halte die Support-Debatte für eine Ablenkungsschlacht von denen, die eine wilde Jugend hatten und jetzt mit Familie auf dem Lande wohnen 😀 .. Viel gefährlicher sind Entpolitisierungstendenzen auf der Süd. Um so wichtiger, die aktuellen Diskussionen richtig zu verorten, und wo die zu verorten sind, braucht man aktuell nur auf die neuen Gesetzgebungen in Spanien schauen, bei denen Dir und mir angesichts unseres Twitterns und Bloggens schlicht Knast drohen könnte. Das hätten die hier auch gerne.

    • Der Rechtsruck ist ja überall und nicht nur hier zu bemerken. Spanien ist ein extrem krasses Beispiel, die hatten aber auch am längsten eine faschistische Regierung im Amt behalten in Europa – daran knüpfen die aktuellen Gesetze bzw. deren Vorhaben (wurden die schon umgesetzt?) nahtlos an. Wenn man sich http://www.cduwatch.de/2012/kritik-unerwunscht-kristina-schroder-meldet-andersdenkende-burger-ans-bka/ anguckt, dann sind wir hierzulande vielleicht auch nicht mehr weit von solchen verfassungsfeindlichen Regeln entfernt. Die homophoben Hassgesetze in Rußland/Weißrußland sind da ja nur ein weiteres, ebenso unerträgliches Beispiel. Und auch Hamburg hat mit seinem Polizeigesetz und den rechtspopulistischen Sicherheitsmaßnahmen – ich sag nur Schill, Ahlhaus, Schreiber sowie http://www.taz.de/!90977/ einiges in dieser Richtung zu bieten – wer da noch meint, gemütlich auf dem Sofa sitzen zu können, weil die Welt ja heile und in Ordnung ist, der/dem ist eh nicht mehr zu helfen.

      Persönlich bin ich USP und co. sehr dankbar für all die Impulse, die von da aus in den letzten Jahren so gekommen sind. Die Auszeichnung für USP kam ja auch nicht von ungefähr – die können noch viel mehr als nur Stimmung und Choreo. Was ist seitdem außer revisionistischen Gedanken und Kritik an USP eigentlich aus der Gegengeraden hinzu gekommen? Wahrscheinlich vor Aufregung über die einschläfernden Gesänge von der Süd alle ins Traumland versunken – USP hat auch daran schuld… 😉

      Auf zum friedlichen Protest!


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