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Eigentlich könnte ich es heute sehr kurz halten – unser magische FCSP spielt sein erstes Auswärtsspiel gegen die Eintracht in Frankfurt, diesmal im Gegensatz zur Vorsaison eben in der zweiten Liga. Das Aufeinandertreffen hatten wir ja letztes Jahr eine Klasse höher zweimal. Die Niederlage in Hessen beim letzten Aufeinandertreffen – siehe https://kleinertod.wordpress.com/2011/03/21/frankfurt-2-fcsp-1-oder-liga-1-liga-2/, war eher der Fingerzeig, daß wir in dieser Saison da spielen, wo wir eben nun auch sind, als irgendetwas anderes. Nun haben wir durch den Abstieg den einen oder anderen starken Spieler verloren, zwei davon spielen nun auch noch bei der Eintracht, die sich auch sonst verstärkt hat, so daß ich diesen klaren Zweitligatitelfavorit dieser Saison eindeutig die Siegeschancen zusprechen möchte. Soweit zum Sportlichen. Spannend sind aber die Themen neben dem Platz und zwar das, was die Fans an sich angeht.

Damit will ich jetzt nicht auf die mehr als einmal unangenehm aufgefallenen Frankfurter Eintracht Fans zu sprechen kommen – beim letzten Heimspiel bei uns haben die Anhänger der SGE nur zu deutlich gezeigt, daß sie diesem Ruf gerecht werden können. Hinzu kommt, daß ich mit den Eintrachtfans aus Frankfurt alles andere als positive eigene Erinnerungen verknüpfe. Sprich, ich habe diesen Verein nicht gerade gern. Es gibt aber auch Schlimmeres, was wir in dieser Saison auch wieder erfahren werden müssen, die Zusammensetzung der Liga ist ja bekannt. Aber dazu wollte ich jetzt nichts weiter schreiben.

Komme ich also zu dem, was ich wirklich schreiben wollte und nun auch werde: die Bekämpfung der Aussetzer und Ausschreitungen durch die Fanszene seitens des DFB und anderer Institutionen und Personen. Wir selbst haben schon am vergangenen Spieltag erfahren, was es heißt, wenn ein ganzer Verein für einen einzigen Bechertreffer eines VIP-Besuchers bzw. Haupttribünenfans bestraft wird. Und auch die SGE hat eine solche Strafe bei ihrem anstehenden Heimspiel hinzunehmen, doch bei ihnen trifft es vor allem eben auch die gesamte Stehtribüne, von der aus der Platzsturm ausging. Als wäre die zahlenmäßige Beschränkung der Fans nicht schon Strafe genug, werden hier aufgrund einer groben Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Tribüne) Kollektivstrafen ausgesprochen durch das Verbot für jene Gruppe, sich Zugang zu diesem Spiel zu verschaffen, daß man über eine solche Strafe wirklich nachdenken muß. Nachgedacht hat bei uns die Gruppe von USP, wie man hier nachlesen kann: http://usp.stpaulifans.de/2011/07/ankundigung-zum-auswartsspiel-in-frankfurt/. USP wird also keinen Support wie gewohnt abliefern und auch keine Choreos in Frankfurt darbieten – aus Protest gegen die verallgemeindernde Sanktion, die hier von der DFL bzw. dem DFB ausgesprochen wurde. Mit guten Gründen, wie ich finde.

Allgemein werden die Rufe nach harten Sanktionen gegen Fußballfans immer lauter und absurder – wie dies in einem Nachbarland ausschaut, hatte ich ja bereits in meinem letzten Post angeführt. Gerade für die zweite Bundesliga dieser Saison rührt ja auch die Polizei arg die Hasstrommel und möchte möglichst weitreichende Strafen und Maßnahmen gegen den Fan bei irgendwelchen Anlässen verhängt sehen. Nun kann man natürlich der Meinung sein – und das bin ich auch – daß für ein erhebliches Danebenbenehmen oder gar eine Straftat die betreffende Person mit einer Strafe rechnen muß – wobei man über die Höhe im Einzelfall wir ihre Begründung noch diskutieren kann – wenn es aber dazu kommt, daß verstärkt Kollektivstrafen verhängt werden, dann wird nur deutlich, wohin die Reise geht bzw. was damit bezweckt wird: das Verdrängen der normalen Fußballfans aus den Stadien zugunsten der finanzkräftigen und nicht mit dem Verein verbundenen Event“fans“. Das kann und darf nicht passieren und hiergegen gilt es anzugehen.

Dabei ist es nicht etwa so, daß es nicht auch Gründe für eine Kritik an einigen Fangruppen gäbe – im Gegenteil, es gilt hier durchaus nach Wegen zu suchen, die Probleme zu erkennen und anzugehen, bei jedem Verein auf eine eigene Weise. Aber auch hier gilt es, nicht gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten – nur zu schnell werden Rufe laut bzw. lassen sich unqualifizierte Kommentare in Zeitungen und im Internet auffinden, wonach Ultra-Gruppen der Zugang zum Stadion streitig gemacht wird (mit Sicherheit in der Mehrzahl von reinen Fernsehzuschauern) oder für irgendein nicht nachvollziehbares Verhalten vehemente Strafen gefordert wird. Ein Beispiel ist hier das aktuelle Geschehen in München, wo diverse Fangruppen mit dem neuen Torwart Neuer ein großes Problem haben. Hier würde ich deren Vorgehensweise nicht gerade als sinnvoll bezeichnen und auch die geforderten Verhaltensregeln in Richtung des ehemaligen Schalker Ultra Neuer nicht wirklich als hilfreich für das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein ansehen – aber wenn von vielen Ausschlüsse der kritischen Fangruppen gefordert wird, dann hört für mich jedes Verständnis auf. Fans haben das Recht auf eine freie Meinungsäußerungen, dürfen kritisieren und gehören dafür nicht streng bestraft – lediglich selbst dafür kritisiert, bzw. sie müssen mit einer Kritik auch leben. Weitergehend dazu möchte ich den nachfolgenden Text empfehlen: http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=5788.

Was für mich deutlich wird: diese Saison steht unter dem besonderen Stern des Umgangs mit den Fans – und zwar insbesondere durch die negative Besetzung durch Presse, DFB/DFL und Polizei. Hier gilt es gegenzusteuern und auch deutlich zu machen, daß auch gegenüber Fans Rechtstaatlichkeit zu wahren ist, Einzelfälle nicht zu Kollektivstrafen führen dürfen und bei Sanktionen stets auch die Verhältnismäßigkeit zu wahren ist. Und daß nicht allein Sicherheitsgedanken und Kommerzialisierung im Vordergrund stehen dürfen, sondern eben der Fußball – wozu heutzutage neben den Fans die anderen genannten Punkte dazugehören, nicht aber an alleiniger bzw, herausragender Stelle. Ja, ich will ein Spiel ohne gewalttätige Zwischenfälle erleben, durchaus auch mit maßvollem Kommerz, aber eben auch mit emotionalen Fußballfans und das Spiel als solches. In diesem Sinne hoffe ich auf ein schönes Spiel in Frankfurt und mehr noch auf eine erolgreiche Saison – nicht allein für unseren FCSP, sondern für den Fußball und seine Fans.

20 Comments

  1. Einzelstrafen statt Kollektivstrafen? Wie das funktioniert, kann man am Beispiel des Becherwerfers sehen. Auch keine ideale Lösung, oder? Zumal das Einzelstrafprinzip voraussetzt, dass noch gezielter überwacht und beobachtet wird, um auch Einzeltäter rauszufiltern. Hören Sie nicht im Geiste schon die Proitestschreie bei diesen Massnahmen?

    Unglücklich auch, dass man sich gerne mit bekannten Randalierern solidarisiert, wie Hansa Rostock und Eintracht Frankfurt, das ist in der Öffentlichleit in der Tat ein Zeichen. Aber kein gutes, das der DFB für sich gut zu verwerten versteht. Mit diesem Stimmungsboykottaufruf mit der lippenbekenntisartigen Erlaubnis, bei Bedarf natürlich supporten zu dürfen (wer sind die, dass ich mir das von denen erlauben lassen muss?) wird genau wieder das erreicht, was ich bei den Spielen in Düsseldorf und Kaiserslautern erleben durfte: wer nicht boykottieren will -und das bleibt bitte auch jedem selbst überlassen- wurde beschimpft, gedisst, teilweise bedroht, Stichwrt „auf die Fresse“. Davon ab, dass wir diese Spiele verloren haben, hat es auch weiter nichts gebracht.

    Sie wissen, was die Aktion anlässlich des Rostock-Spiels gebracht hat und das dieselt heute noch nach. Wirklich leid tut es den Verursachern bis heute nicht, die, die sich ungerechtfertigt blockiert gefühlt haben, werden heute noch belächelt und ich muss ihnen ehrlich sagen, für solche Solidaritätsbekundungen wie die geplante am Montag fehlt mir seither etwas das Begeisterungsvermögen. Das macht mich sicherlich in den Augen vieler, die das anders sehen, quasi zur persona non grata, zu einem ordnungsdenkendden Langweilspießer oder wie man sonst so genannt wird, aber dann ist das eben so. Dass ich damit bei weitem nicht alleine bin, weiss ich allerdings auch.

    Ich fahre nach Frankfurt, mit einer Gruppe, die nämöich nach dem Prinzip „jetzt erst recht“ rumbrüllen wird und wie sowas ausgeht, weiss ich. Unschön. Und dazu noch Frankfurter en masse im Gästeblock nach einem schicken Kartencenterfail – da lacht der Auswärtsfan und der DFB freut sich.

    More ammuniton, please. Thank you.

    Wie schon woanders gesagt: wenn man mal dahin ginge, wo es weh tut und einen Gästeblock mal so leer wie möglich lassen würde -und USP ist eine deutlich sichtbare Gruppe- ja dann…. nur müsste man ja dann auf ein Spiel verzichten. Und nicht mal nur eben 5 Minuten…
    Gegen Montagsspiele zu demonstrieren und dafür zu einem Montagsspiel zu fahren, ist auch so eine lustige Idee.

    Sorry, Herr kleinertod, bei dem Thema kommen wir so gar nicht zusammen. Aber das muss ja auch nicht immer der Fall sein 😉

    • P.S. Zuhause habe ich wieder weisse Schrift. Das erleichtert vieles.

    • Wir werden wirklich nicht zusammen kommen bei dem Thema, aber das müssen wir ja auch nicht. Unterschiedliche Meinungen sind nicht das Problem.

      Problematisch sind natürlich Aussetzer, Straftaten und anderes von Fanseite – Verein egal. Wobei es natürlich auch da Unterschiede gibt (zwischen dem Abbrennen einer Wunderkerze (verboten) und dem Ermorden eines Gästefans (ebenfalls verboten) würde ich jedenfalls unterscheiden…), die unterschiedlich sanktioniert gehören (wenn überhaupt – bei meinen genannten Extrembeispielen in einem meiner Meinung nach nicht, welches, das lasse ich mal offen, soll ja auch Raum zum Raten geben…).

      Auf eine andere Weise problematisch aber eben auch ein erhebliches Problem stellen die ausufernden Maßnahmen und allgemeine Schlagrichtungen von Sicherheitskräften, sei es nun vom DFB, der Polizei oder anderswo, dar. Manch einer ruft schon jetzt danach, jegliche Zuschauer aus den Stadien zu verbannen, damit alles friedlich am Fernseher geguckt werden kann – daß da dem Fan das Entscheidende fehlen würde, wäre der Masse der Fernsehzuschauer wohl egal. Stimmung kann man ja notfalls auch von Band einspielen…

      Es gibt Dinge, gegen die man angehen muß in meinen Augen. Auf der einen Seite sind das Fans, die sich nicht zu benehmen wissen – auf der anderen Seite sind es aber auch Zwangsmaßnahmen bzw. Strafen, die sich nicht an dem in einem Rechtsstaat erforderlichen Regeln wie dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, nulla poena sine lege, u.v.a. ausrichten.

      Wenn der Bechertreffer aus den Reihen der Stehränge gekommen wäre, dann bin ich sicher, daß eben jene Stehbereiche beim „Hauswärtsspiel“ vom Kartenerwerb ausgeschlossen worden wären. Da es aber einer der Bereiche war, die im modernen Fußball so umworben werden, wurde die Strafe eben anderweitig gefaßt. Keine dieser Strafen würde vor einem ordentlichen Gericht bestehen, da der Strafkatalog viel zu unbestimmt ist – alles ist reine Willkür. Dem wie auch der angesprochenen Tendenz muß man entgegentreten.

      Deswegen muß man Fanprobleme nicht negieren. Die USP hat sich auch entsprechend deutlich von dem Thema distanziert. Insofern kann ich den Text weitgehend unterstützen. Es gilt, vor BEIDEN Problembereichen die Augen nicht zu verschließen.

      • Agreed, wo es um Verhältnismässigkeiten geht. Aber ich halte eine Solidarisierungsform ausgerechnet mit einem Verein, der auch der Öffentlichkeit wohlbekannt ist als Verein mit einer Menge „Problemfans“, für das absolut falsche Zeichen. Natürlich ausgehend davon, dass man mit diesen Protestaktionen auch letztendlich etwas erreichen will, sollte man sich darüber klar sein, dass man nichts erreicht, wenn es nicht gelingt, die Öffentlichkeit (auch die Medien) mit ins Boot zu holen, das ist nämlich das einzige, was den DFB interessiert. Schlechte Presse.

        Wenn es allerdings nur ums Protestieren um des Protestierens willen geht, dann ist es egal, dass etliche der eigenen Fans die Aktion nicht sinnvoll finden, dass die „wahre“ Botschaft den Empfänger nicht erreicht, dass sich danach nichts auch nur ansatzweise ändert – hauptsache, mal protestiert. Wenn es im Zuge dieses Stimmungsboykottts zu Auseinandersetzungen zwischen Supportwilligen und Supportreduzierern kommt, werden sowohl Presse als auch DFB das dankend als Steilvorlage nehmen, dass sich hier Randalierer unter sich befinden, die Platzstürmer von der Eintracht und die becherwerfenden Solidarisierer aus Hamburg. Und das wäre -ebenso wie damals bei Rostock- eher unproduktiv. Oder irre ich mich da total?

        Ich bin eben eher der Demonstrantentyp, dem es wichtig ist, dass mein Gegenüber auch begreift, um was es wirklich geht und das scheint mir -auch nach Lektüre des Forums- selbst in den etwas näheren Kreisen umstritten. Von „draußen“ will ich gar nicht reden. Und da ist der DFB, da „draußen“….. mit all den Fernsehzuschauern und Zeitungslesern…

        Ich habe Kollegen, die Eintracht Fans sind, langjährig. Die Schuld dafür, nicht am Montag im Stadion sein zu können, geben sie den Platzstürmern, nicht dem DFB. Das sind genau die Fussballfans, die die USP-Botschaft auch nicht verstehen werden. Aber wir werden sehen, also ich in diesem Fall, wie das ausgeht im Stadion.

        • Die Außenwirkung wird eh von den Medien gesteuert – und wenn man sieht, was derzeit für ein Negativfeuerwerk gegen unseren FCSP abgefeuert wird (man könnte nach den Berichten der letzten Zeit als Uneingeweihter glauben, wir wären der Verein mit den zweitproblematischsten Gewaltfans in ganz Deutschland!), da wird man diesen Aspekt überhaupt nicht mehr als Argument berücksichtigen können. Fans = böse. Etwas anderes wird überhaupt nicht akzeptiert in der Berichterstattung. Anders lassen sich die immer stärker werdenden Forderungen in den Kommentaren nach einem Ausschluß aller Fans bzw. der vollständigen Kostenübernahme aller Polizeieinsätze (unabhängig von der Verhältnismäßigkeit, mal wieder, am besten noch mit hunderten Hubschraubern pro Spiel, dient ja nur der Sicherheit…) nicht erklären.

          Hier gilt es langsam, aber sicher ein Zeichen zu setzen. Und dazu braucht man auch einen konkreten Anlaß. Wobei man sich nichts vorzumachen braucht: die Medien interessiert es eh nur, wenn diese es GEGEN die Fans verwenden können. Sprich: sich damit „Fans = böse“ untermauern läßt. Notfalls wird es eben bis zur Unkenntlichkeit verdreht, passend gemacht. Das kennt man ja nur zu gut, auch in anderen Bereichen.

          Sachlich ist die Äußerung von Kritik wichtig – an Ausschreitungen von Fans sowie an untragbaren Sanktionen durch den DFB & co. Nocheinmal: es braucht einen glasklaren Katalog, nachdem Sanktionen zu verhängen sind. Momentan gibt es einen Paragraphen, in dem Strafen geregelt sind – und zwar alle. Das Sportgericht kann sich daraus nach Laune aussuchen bei einem Vergehen, worauf es gerade Lust hat, sich dabei VIELLEICHT noch an bisherigen Strafen richten – aber eben nicht nach dem Gesetz bzw. der Regelung. Das ist rechtsstaatlich ein absolutes Unding. Man stelle sich mal vor, das Strafgesetzbuch würde aus einem Paragraphen bestehen, in dem steht, daß Strafen als Geldstrafe bis x Tagessätzen und/oder Freiheitsstrafe bis lebenslänglich verhängt werden können (plus weiteren, die Regeln, was bestrafenswertes Verhalten als solches ist) – und nun der Richter bei jedem als bestrafenswert anzusehenden Verstoß unter Berufung auf diese Norm dann eine Strafe verhängt. Das ist Willkür pur – und auf solchen Regelungen basieren auch die kritisierten Strafen. Das verdient einfach auch dann Kritik, wenn eine Strafe in einem Fall wirklich als angemessen anzusehen ist – nur gehört in einem Rechtsstaat dazu eben auch eine Norm, die das konkret vorsieht. Nulla poena sine lege – keine Strafe ohne Gesetz (also eine Norm, die eine konrete Strafe für ein Verhalten vorsieht, ist Vorraussetzung dafür, daß eine Strafe verhängt werden darf, wenn ein solches Verhalten festgestellt wurde).

          Wir brauchen eine Diskussion darüber, welches Fehlverhalten welche Strafe verdient und dieses sollte dann auch in eine Regelung gegossen für alle nachvollziehbar sein. Ohne das haben wir die reine Willkür. Und das ist in meinen Augen schlimmer als ein Platzsturm!

  2. Will nicht kleinkariert sein, aber ist es nicht die SGE und nicht SEG?

    • Alles andere als kleinkariert, sondern absolut zutreffend. Vielen Dank, hatte da beim Schreiben irgendwie etwas falsch aus der Erinnerung abgerufen. Geht doch nichts über aufmerksame Leser. Und damit niemand sich wundert: ich habe das SEG zu SGE korrigiert. 😉

  3. Mal was anderes, eben weil hier eine gewisse Sachkunde herrscht 🙂 :
    Wenn der Bierbecherwerfer nun tatsächlich zum Schadensersatz verurteilt wird, ist das finanziell natürlich ein Disaster.
    Was wäre Ihre Ideallösung für den Verein, der durch den Becherwurf zu Minderiennahmen (natürlich belegbar) durch den DFB verknackt wurde, weil gegen die Stadionordnung verstoßen wurde, gegenüber dem Becherwerfer? In diesem Fall -Einzeltat- hatte der Verein ja nun wirklich keine Maßnahme, das zu verhindern durch strengere Ordnerkontrolle o.ä.
    Zukünftig doch überall Fangnetze, die ja auch eine sehr beliebte Maßnahme bei den Fans sind?

    Mir fehlen bei all diesen Protesten und Forderungen irgendwie machbare Alternativen, eigentlich sogar machbare Ansätze. Außer „rabääääh, das ist doof, wie das ist!“ kommt halt nicht viel Substantielles rüber, mit dem die Gegenseite was anfangen könnte, das ist immer so mein Problem. Eine Grundlage für einen zu erarbeitenden Konsens sehe ich auch in dieser Aktion nicht. Verstehen Sie mein Problem?

    • Sachkunde habe ich nur, wenn ich dafür bezahlt werde. 😉

      Die Frage nach der Ideallösung ist hier sehr schwer, denn es wurde von Vereinsseite ja schon im Vorfeld früh die Segel gestrichen, sich also mit der Strafe in dieser Form einverstanden erklärt. In meinen Augen ideal wäre es gewesen, wenn durch alle Instanzen der Gang beschritten worden wäre und am Ende aus bereits genannten Gründen keinerlei Strafe gestanden hätte. Der DFB hat schließlich dafür zu sorgen, daß Regelungen vorliegen, nach denen eine solche Strafe verhängt werden kann. Schon aus diesem Grunde ist es problematisch, ob die Strafe, hier sogar der indirekte Schaden, weitergereicht werden kann.

      Nehmen wir einmal an, der Verein hat einen hohen Schaden in der bekannt gegebenen Höhe erlitten und könnte diesen an den Verursacher weiterleiten, der auch noch als solcher eindeutig bestimmt werden kann (ist ja alles nicht so sicher), dann würde ich in keinem Fall eine vollständige Beteiligung für ideal halten. Den Einzelnen kann so eine Forderung ruinieren, für den Verein ist diese Summe verhältnismäßig gering (natürlich nie bei der Summe, aber eben im Vergleich gesehen). Der Bechertreffer hatte kaum einen Spielabbruch gewollt mit den daraus folgenden Schäden – über ein Inkaufgenommen will ich nicht sprechen, ich meinte eine direkte Absicht – aus diesen Erwägungen würde ich versuchen, eine Einigung über einen (kleinen!) Teil der Summe anzustreben, denn da wäre allen Seiten gedient. Ideal sieht aber anders aus.

      Was die Verhinderung von weiteren Becherwürfen angeht, da sehe ich vor allem eine deutliche Stellungnahme und die Bereitschaft aller, solche Dinge zu unterlassen, für wichtig an. Verursacher, die identifiziert werden können, sollten aus dem Stadion befördert werden – wobei das eine Spiel an sich ausreichen müßte, wenn sie keinen Schaden anrichten. Das könnten auch freundliche Mitfans erledigen aufgrund eines nicht akezptablen Verhaltens, notfalls eben unter Zuhilfenahme von Ordnern. Besser wäre aber schon im Vorfeld eine klare Ansage, daß solch ein Fehlverhalten nicht akzeptiert wird und man eben rausfliegen könne. Solange absurde und unverhältnismäßige Strafen drohen, dürfte die Bereitschaft, solche Werfer zur Vernunft zu bringen, kaum gegeben sein. Eine Konsens, daß ein „Hör auf mit dem Scheiß, sonst fliegst du raus!“ von den Umstehenden bzw. Sitzenden auf einen Becherwurf folgt, wäre mir aber noch viel lieber als ein vorschnelles Rauswerfen…

  4. Ach ja, eins noch: da wäre auch noch die Meinungsfreiheit, sich dem Stimmungsboykott nicht anzuschließen, weil man ihn in dieser Form an dieser Stelle nicht unterstützen will.
    Wenn das bei USP noch so heisst

    „Wir appellieren dennoch an alle Frankfurt- FahrerInnen, sich diesem Zeichen anzuschließen und an diesem Tag auf die gewohnte Atmosphäre zu verzichten.“

    aber im Stadion aus einem Appell ein Beschimpfen und Dissen unter Androhung von Gewalt wird, hört bei mir jedes Verständnis auf und da ich das bereits erlebt habe (Düsseldorf und Kaiserslautern auswärts, Rostock muss ich wohl nicht erwähnen), sehe ich der Sache wahrscheinlich auch mit einem deutlich mulmigeren Gefühl entgegen als zum Beispiel Sie oder andere, die nicht ganz so viel auswärts fahren oder auf den Sitzplätzen etwas weiter weg vom Geschehen sind und/oder solche Aktionen noch nicht erlebt haben und wie kritisch sich das entwickeln kann. Was aus Zwangssolidarisierungen wird, wissen wir ja und wie lange sich so eine Erinnerung hält, weiss ich sehr gut. Vor allem, weil ich das Gefühl habe, das daraus nichts gelernt wurde und bis heute ein echtes Bedauern nicht wirklich glaubwürdig entdecken konnte.

    • Drum habe ich morgen erstmals bewusst einen Sitzplatz auswärts. Mit Traditionen muss man wohl auch mal brechen können…. 😦

      • Sitzen hat Vorteile. Man kann zum Beispiel Bilder schießen, ohne daß die verwackeln… 😉

    • Folgendes Zitat finde ich da schon hervorhebenswerter „Daher wird Ultrà Sankt Pauli in Frankfurt keine Unterstützung der Mannschaft organisieren. Es ist natürlich jedem selbst überlassen, sich spontanen Gesängen anzuschließen“ – denn dadurch bringt USP ja zum Ausdruck, daß keine Zwangsmaßnahmen gegen Supporter erfolgen soll. Kein organisierter Support von USP, aber keiner soll am Jubeln gehindert werden lese ich daraus – und damit ein deutliches Lernen aus der Vergangenheit. Wie sich das im Einzelfall darstellen wird, bleibt natürlich abzuwarten. Ich gehe erstmal vom Positiven im zwischenmenschlichen Bereich, gerade unter FCSP-Fans, aus.

      • Sagen wir mal so: es wäre auch taktisch sehr unklug gewesen, wenn da gestanden hätte „theoretisch bleibt es zwar jedem selbst überlassen, aber praktisch wäre es schon besser, wenn man sich Ärger ersparen will.“ 😉

        Erinnern Sie sich an „nur 5 Minuten“? Das war offiziell auch freiwillig… sorry, es gibt Dinge, die vergesse ich nicht so schnell und da bin ich auch nicht alleine. Words are cheap. Aber morgen gegen 22.15 Uhr weiss ich ja dann mehr,

        Stimmt, ich sollte mal versuchen, ob ein Sitzplatz meinen Bildern mehr … ähem… Statik verleiht. 😉

        • In diesem Zusammenhang auch interessant zu lesen…

          http://usp.stpaulifans.de/2010/04/montag-kein-stimmungsboykott/

          • Kritik an einzelnen Aktionen finde ich okay, aber USP generell eine Aktion sinnvoll durchzuziehen abzusprechen, das finde ich übertrieben. Auch das Vermischen von der damaligen Geschichte mit dem heutigen Thema. Anstoßzeitenprotest und Protest gegen die angesprochenen Sanktionen sind zwei verschiedene Dinge.

            • Es ging uim den Sinn und die Wirkung von Stimmungsboyjkotts, die in diesem Artikel selbst deutlich in Frage gestellt wurden. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn die Wahl der Mittel in der Vergangenheit zu Recht nicht nur in den eigenen Reihen in Frage gestellt wird, frage ich mich lediglich, wieso die Wahl des Mittels und des Zeitpunkts erneut dergestalt stattfindet.

              Jettz verständlicher?

            • Man sollte unterscheiden zwischen dem Anlaß, Ort wie Zeit und dem Protestmittel. Für den Anlaß des Protestes habe ich vollstes Verständnis, auch Ort und Zeit halte ich für angemessen – es trifft uns schließlich auch doppelt durch diese beiden aufeinanderfolgenden Spiele und auch die Ingolstädter konnten nun schon gar nichts für die Sanktion beim ersten Spieltag, die sie ja auch getroffen hatte. Ob ein Stimmungsboykott die optimale Möglichkeit des Protestes ist, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein (wobei nicht, nebenbei bemerkt), doch wenn eine Fangruppe angesichts der Umstände auch keine Lust auf Support unter diesen Umständen hat, dann ist so eine Maßnahme auch gleich in mehrfacher Hinsicht verständlich. Eines bleibt aber eindeutig: es ist deren Sache, ob sie Stimmung machen wollen oder nicht. Wenn sie darauf keine Lust haben, dann ist das noch kein Angriff auf andere. Und es geht ja auch gerade zu Anfang einer Saison nicht um wirklich Wichtiges. Was ich besonders leicht schreiben kann, weil ich bei dem Spiel eh nicht an Punkte glaube… 😉 Und daß ich, wenn ich da wäre, eh alles geben würde im Sinne von Anfeuern, das hat ja nichts damit zu tun, daß ich deren Protest nicht respektieren und verstehen würde.


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  1. […] P.S.: Lesenswerte Auswärtsfahrergedanken nebst Gedanken zum organisierten Stimmungsboykott von USP hier http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=5795 – zum Fanthema sehr nah an meinen Gedanken dran https://kleinertod.wordpress.com/2011/07/23/ausblick-fcsp-auswarts-bei-der-eintracht-in-frankfurt-und…… […]

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