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In den letzten Tagen so kurz vor Weihnachten kehrt keine Ruhe beim FC St. Pauli ein, ganz im Gegenteil. Ich hatte schon einen Winterpausengruß verfaßt und wollte mein Blog für einige Tage beiseite lassen, doch die aktuellen Entwicklungen nach dem letzten Spiel der Hinrunde haben mich jetzt dazu gebracht, die Winterpause noch ein wenig zu verschieben. Es kracht derzeit im Gebälk und das aber gehörig.

Nach den enttäuschen Abgängen der Fans kam ein noch enttäuschender Kommentar von Vereinsseite und zwar vom hochgeschätzten Helmut Schulte, siehe http://www.mopo.de/2010/20101221/sport/stpauli/mehr_respekt_und_toleranz.html der sich schützend vor die Abgänger stellte und sich veranlaßt sah, für diese Toleranz sowie Respekt einzufordern. Dabei übersah er, daß es das gegenüber der noch spielenden Mannschaft überaus respektlos von den Fortgehern war, vor Abpfiff einfach das Stadion zu verlassen und daß eine Kritik an einem solchen Verhalten zum Fandiskurs an sich gehört. Diese Abwanderungen durch Gesänge zu kritisieren ist keine fehlende Toleranz, sondern eine berechtigte, konstruktive Kritik – die anzunehmen eine Möglichkeit der Abwanderer ist. Nicht die VIPs müssen in Schutz genommen werden, sondern die Abwanderer haben eine klare Ansage verdient. Kritik ist keine Intoleranz! (schrieb ich in einem Kommentar hierzu beim Spieltagsbericht – https://kleinertod.wordpress.com/2010/12/20/auf-17-punkten-eingefroren-nichts-zu-holen-gegen-mainz-am-millerntor/#comment-476). Jekylla reagierte darauf mit einem offenen Brief sehr treffend: http://santapauli.wordpress.com/2010/12/22/auf-ein-wort-herr-schulte-oder-auch-ein-paar-mehr/.

Der Ärger über die unsäglichen SMS-Anzeigen, die von einem Tagessponsor zum Glück (wenigstens das) nur für dieses eine Spiel im Stadion angebracht waren, kochte innerlich und durch diverse Äußerungen, auch in meinem Spieltagsbericht sowie sehr ausführlich bei http://pathos93.wordpress.com/2010/12/20/das-ist-nicht-mehr-mein-pauli/ und diversen anderen Kommentaren beispielsweise im Forum hoch. Mit dieser Art Kommerz wurde eine Grenze überschritten, die die FCSP-Fanseele einfach nicht ertragen mag. Als sich daraufhin einige direkt per mail an den Verein wandten, kam darauf der nächste Hammer zurück – es seien ja gerade mal 10 mails beim Verein eingegangen, weswegen offensichtlich ja keine wirklich breite Ablehnung wahrzunehmen sei (frei nacherzählt). Hier platzte dann nicht nur dem Übersteiger der Kragen, http://blog.uebersteiger.de/2010/12/22/eine-e-mail-zum-fest/, der den einfachen, aber absolut zutreffenden Schluß aus dieser Stellungnahme zog, daß es nun an uns Fans ist, den Verein zum Fest per mail einmal die Meinung zu sagen. Wenn das Schweigen als Zustimmung zu Kommerz von unserer Vereinsführung gewertet wird, dann ist mir ersteinmal übel, in jedem Fall bin ich aber sauer. Aber man kann ja etwas tun – mails schreiben an sven.brux@fcstpauli.com bzw. michael.meeske@fcstpauli.com – die Briefe dann zudem im Forum veröffentlichen, damit nachgeprüft werden kann, daß die Anzahl der Beschwerden nicht so gering ist, wie vom Verein dargestellt: http://www.stpauli-forum.de/viewtopic.php?t=60232.

Ich werde die folgende mail gleich schreiben:

Sehr geehrter Herr Brux, sehr geehrter Herr Meeske,

mit Erschrecken habe ich zur Kenntnis genommen, was sich in letzter Zeit bei meinem Verein, dem FC St. Pauli, so alles getan hat. Der Grad der Kommerzialisierung überschreitet in meinen Augen längst die Grenze der Verträglichkeit mit dem, wofür der Verein für mich als Fan, der schon seit über 20 Jahren ans Millerntor geht, steht. Das Verdrängen der Alteingesessenen auf der neuen Haupttribühne an den äußersten Rand der Torlinie zugunsten von einer großen Zahl von VIP-Plätzen hatte das empfindliche Klima bereits bis zum Zerreißen belastet. Die letzten Aktionen die öffentlichen Äußerungen von Seiten des Vereins hinsichtlich der Kritik an Besuchern, die das Stadion vor dem Spielende verlassen und der noch spielenden Mannschaft dadurch nicht den ihr zustehenden Respekt in Augen vieler Fans erweisen, sowie das Anbringen von SMS-Anzeigemonitoren kamen leider noch dazu. Mit dieser Art Kommerz wurde eine Grenze überschritten, die die FCSP-Fanseele einfach nicht ertragen mag. Daß auf das Äußern von Kritik an den LED-Anzeigen die Anwort kam, daß sich doch nur 10 Personen an den Verein gewendet hätten, während die SMS-Tafel ansonsten gut angekommen seien, hat für mich den Bogen endgültig überspannt. Weder darf das Schweigen als Zustimmung zu Kommerz gewertet werden, noch kann dies aus der Anzahl der Mitmacher, von denen auch etliche sich allein kritisch über die Anzeigen geäußert haben, gefolgert werden. Der größte Teil der Besucher im Stadion hat nicht mitgemacht, was eben darauf beruht, daß eine solche Aktion entschieden abgelehnt wird. Es muß endlich aufhören, daß nach all den Zumutungen der letzten Zeit noch ständig weitere neu hinzukommen.

Trotz allem wünsche ich frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr, welches für den FC St. Pauli hoffentlich ein gutes werden mag.

Der Fan des FCSP fühlt sich in diesen Tagen alles andere als gut vom Verein behandelt. Viele sind wirklich sauer, was auch auf das Kommunikationsverhalten nach diesem Spieltag zurückzuführen ist. Die Sozialromantiker haben einen Aufruf veröffentlicht, bei dem sich online als Unterstützer eintragen kann: http://www.sozialromantiker-stpauli.de/wordpress/?p=12. Ich sage: hin da und unterzeichnen, wem die Grenze zur Unerträglichkeit in Sachen Kommerz und Kommunikationsverhalten vom Verein überschritten scheint.

P.S.: Weitere lesenswerte Blogeinträge hierzu:
http://quotenrock.wordpress.com/2010/12/27/fcsp-elbphilharmonie-operettenhaus-millerntor-euer-pauli-wollen-wir-nicht-mein-st-pauli-braucht-euch-nicht/
http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=5424
http://stpauli.nu/?p=1473
http://santapauli.wordpress.com/2010/12/27/es-sind-doch-ein-paar-mehr-als-10/
http://www.ring2.de/archives/afc-st-pauli/

P.P.S.: Nicht nur im abendblatt, auch in der taz kann man inzwischen dazu etwas lesen:
http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/fan-rebellion-am-millerntor/
Und dazu der gute Kommentar:
http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/zwischen-kult-und-kommerz/
11freunde macht den Aufruf weiter bekannt: http://www.11freunde.de/newsticker/135201.
Ebenso die MoPo http://www.mopo.de/2010/20101230/sport/stpauli/st_pauli_fans_drohen_massiv_mit_boykott.html, die sehr spät und nur sehr verkürzt darüber berichtet.
Und damit das nicht nur für die Internetbenutzer erfahrbar bleibt, soll das auch noch über Flyer ins und rund ums Millerntor transportiert werden. Dazu braucht es nach wie vor Unterstützung, einfach hier nachlesen und bei Interesse mitmachen: http://www.stpauli-forum.de/viewtopic.php?t=60251

P.P.P.S.: Nun bekommen die Kommerzbefürworter zum Zuge – unter http://www.spox.com/myspox/group-blogdetail/Kratzer-am-Kult—na-und-,111731.html werden die Sozialromantiker und USP in einen Topf geworfen und allgemeine USP-Kritik zur Kritik an der aktuellen Initiative gemacht. Ganz großes Kino in Sachen vollkommener Ahnungslosigkeit. Nach Meinung dieses Schreibers würden die Ultras mehr nerven als der doch notwendige Kommerz – und eh nervt ja das Image vom FCSP, viel besser sind doch eh die andere Vereine… Da hat jemand gar nichts verstanden und mit dem FCSP wahrscheinlich nichts am Hut. Das passiert wohl, wenn man über Vereine schreibt, die man nur aus den Fernsehen kennt…
Das FCSP-Präsidum hat sich jetzt erstmals offiziell gemeldet – und eine Antwort wortreich angekündigt. Schwach. http://www.fcstpauli.com/magazin/artikel.php?artikel=8171&type=2&menuid=57&topmenu=112 Es bleibt spannend.
Vermittlung schlägt die MoPo jetzt erstmalig ausführlicher sich mit dem Thema auseinandersetzend vor http://www.mopo.de/2010/20101231/sport/stpauli/ein_boykott_geht_zu_weit.html, um dann im Kommentar allein den Sozialromantikern einen Vorwurf zu machen http://www.mopo.de/2010/20101231/sport/stpauli/profi_fussball_st_pauli_und_die_fans.html. Motto: in der ersten Bundesliga müsse Kommerz sein und die Fans sollten das doch endlich begreifen und nicht quer schießen. Also – Mund halten und artig dem Präsidium folgen? Das hätten so einige wohl gerne. Wir sehen das anders – und unsere Zahl wächst und wächst: aktuell sind es über 2500 Unterzeichner http://www.sozialromantiker-stpauli.de/wordpress/?page_id=2 – wer noch nicht unterzeichnet hat, sollte das nachholen. Nicht das Geld bestimmt in unserem Verein!

One Comment

  1. Zur Ergänzung schreibe ich mal selbst einen Kommentar:
    Laut taz soll Meeske auf die letzten Fanproteste eine Antwort „zeitnah“ angekündigt haben. So wie ich das sehe, wurde der Ernst der Lage von der Vereinsführung noch nicht begriffen. Der taz-Kommentar bringt sehr gut auf den Punkt, woran es unter anderem hapert – immer erst auf den Fanprotest warten (und ihn vielleicht noch in Zahlen bemessen, siehe die unsägliche „10“), das ist einfach nicht die Vorgehensweise, mit der der Verein die Zukunft gestalten sollte. Es wäre an der Zeit für die Vereinsführung, dies zu erkennen.


2 Trackbacks/Pingbacks

  1. […] aufgeschaukelten Störungen zwischen der Fanszene und dem Präsidium des FCSP – siehe dazu https://kleinertod.wordpress.com/2010/12/23/fest-feste-protestieren-wie-man-den-fan-verprellt/ mit über mehrere Tage aktualisierten Verweisen – führte zu alles andere als ruhigen […]

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