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Man mag ja schon gar nicht mehr richtig den Torschrei auf den Lippen tragen, wenn einer unserer Spieler den Ball kurz vor der Torlinie mehr oder weniger unbedrängt bekommt und eine Abschlußchance erhält. Irgendwie ahnt man aufgrund der Erfahrungen dieser Saison, daß der Ball ja eh nicht hineingehen wird. Trotzdem springt man jedesmal auf, sei es nun aus sitzender Position oder aber eh bereits am Stehen, nur um mit einem enervierten Gestöhne die Umsetzung des bereits Geahnten in die Realität abzuhaken.

Wenn auf das Ergebnis schaut, dann sieht es ja eigentlich nach einem völlig normalen Spiel aus. 3:0 hat der FC Bayern München unseren FC St. Pauli bezwungen – bei einem Heimspiel der Favoriten eine klare Angelegenheit, wie man sie ja auch erwartet hatte und weswegen in den Medien nur vom Erledigen einer Pflichtaufgabe als Nebenbemerkung die Rede ist, während der Verlängerung des Vertrages von Schweinsteiger weitaus mehr Aufmerksamkeit eingeräumt wird.

Hat man das Spiel jedoch gesehen, dann weiß man sehr wohl, daß dieses scheinbar klare Resultat auch ganz anders hätte ausgehen können – wenn, ja wenn eben jene Vorahnung sich nicht zum wiederholten Male bestätigt hätte. Dabei sah es ja schon mal besser aus als in Spielen wie gegen Bremen, wo mitunter gar nicht mehr versucht wurde, auf das gegnerische Tor zu schießen. Die Versuche waren da, meistens jedenfalls, nur mit der Genauigkeit und dem letzten Willen, das Ding auch wirklich in die Maschen zu zimmern, haperte es – mal wieder.

Ob wir die Winterpause wirklich nutzen können, um dieses Dilemma abzustellen, sei einmal dahingestellt, handelt es sich doch vor allem wohl um eine Kopfsache. Ebbers und Kollegen haben in der vergangenen Saison ja zu Genüge bewiesen, was sie drauf haben und daß sie die Tore reihenweise schießen können. Nun aber müssen wir erstaunt feststellen, daß zuletzt am 8. Spieltag ein Stürmer traf – seitdem gab es nur zwei Verteidiger, die einen Treffer herbeiführen konnten – und ein Eigentor, welches wieder von einem Verteidiger in der Luft erzwungen wurde. Ich will jetzt nicht darüber spekulieren, ob wir besser dastehen würden, wenn wir nach dem 8. Spieltag ganz auf Stürmer und offensives Mittelfeld verzichtet hätten – rein nach dem Papier könnte man dies ja glatt andenken – doch weder würde eine solche Milchmädchenrechnung aufgehen können – ohne einen Sturm wäre der Druck der Sturmreihen des Gegners noch größer – noch wollen wir ernsthaft die Chance auf Punkte einfach ungenutzt verstreichen lassen. Wir wollen ja gewinnen und Tore schießen. Die Gelegenheiten dazu erarbeiten wir uns auch ein ums andere mal. Aber dann…

Sie versuchen es aber, insofern kann ich mich nicht wirklich über unsere Jungs aufregen. Ob der Knoten nun noch platzt oder nicht – es wird dafür alles getan und nicht aufgegeben. Also kein Grund von Seiten der Fans, an dieser Einstellung Kritik zu üben. Im Gegenteil, die Unterstützung der Mannschaft erleidet keinerlei Einbußen und wird trotz allem mit glühendem Herzen weiter gegeben. Auch aus den Fernsehlautsprechern bei der Übertragung im Knust konnte man die mitgereisten FCSP-Anhänger wieder einmal deutlicher hören als die der heimischen Fans. Die Mannschaft wird dies umso mehr mitbekommen haben. Mit einem Schnauze-voll-Streik wie anderswo werden sich unsere Leute jedenfalls nicht auseinanderzusetzen haben. Dafür gibt es bei diesem Einsatz ja auch keinen Anlaß.

Was mich aber aufregt, daß ist die Tatsache, daß wir schon wieder Komplimente über unser schönes Spiel vom Gegner bekommen haben. Mit solchen Komplimenten kann man ja nun wirklich gar nichts anfangen. Das ist in etwa so, als würde man aus dem Wasser kommen und zum Abtrocknen ein pitschnasses Handtuch in die Hände gedrückt bekommt – das braucht man ja nun wirklich nicht in so einem Moment.

Nicht gewundert habe ich mich im Gegensatz zu Jekylla – http://santapauli.wordpress.com/2010/12/12/review-fc-bayern-munchen-vs-fc-sankt-pauli-30/ – über die Maßnahme von Stani, Zambrano, Takyi und Naki wieder nicht in den Kader aufzunehmen. Bei Takyi und Naki sind es die fehlenden Leistungen im Vergleich zur internen Konkurrenz, die eine solche Entscheidung sehr wohl nachvollziehbar erscheinen lassen – und in der Innenverteidigung legt Stani offensichtlich wert auf eine Paarbildung, die beim Ausfall eines Innenverteidigers wohl gleich das gesamte Paar ausscheiden läßt. Bei allen drei sehe ich jedenfalls eher einen Ansporn, sich noch mehr ins Zeug zu legen, die allen nützt, als sie so schnell wieder in den Kader – und zwar für die Bank – aufzunehmen. Wenn diese sich im Training aufdrängen, dann wird auch wieder Platz für sie sein, da bin ich ganz sicher.

Lesenswert ist der Augenzeugenbericht von momorulez, der sich in die Münchner Arena aufgemacht hatte, http://metalust.wordpress.com/2010/12/12/es-geht-ums-tun-und-nicht-ums-siegen/, und der von dort Eindrücke mitbringen konnte, die die Vermutung nahelegen, daß das gesamte Bayern-Stadion ein einziger Business-Bereich darstellt. Die sterilen Arenen der Liga-Konkurrenten ist jedenfalls für mich eher ein Grund, mich über das trotz allen Makeln beim Neubau immer noch wunderschöne Millerntor zu freuen, als mich über die viel zu große Anzahl an B-Sitzern bei uns aufzuregen. Ja, ich plädiere eindeutig für eine Reduzierung der B-Sitze bei uns, und ja, ich nehme dafür absolut in Kauf, daß der FCSP dadurch finanziell Einbußen erleidet. Wir brauchen definitiv mehr als nur Geld – wohin das führt, das sehen wir ja in Liga 1 bei jedem Auswärtsspiel.

Zum Elfmeter und der Roten Karte will ich an dieser Stelle nur noch anmerken, daß wir mit Hain glücklicherweise immer noch einen ausgezeichneten Torwart auf der Linie haben, der die nächsten ein bis drei Spiele – ich will hier mal auf alles gefaßt sein – den so hervorragend haltenden Kessler ersetzen kann, ohne daß wir uns da irgendwelche Sorgen machen müßten. Unser Problem ist der Sturm – inklusive dem offensiven Mittelfeld. Hier muß einfach noch mehr Torgefahr her. Und ja – vielleicht wäre ein weiterer Stürmer, sofern dieser nicht die Welt kostet, wirklich eine Bereicherung. Haben wir da nicht tolle Leute in der zweiten Mannschaft, die uns weiterhelfen könnten? Die Idee, Okzikpka gegen Bayern vorne einzusetzen, zeigt ja, daß wir mit offensiven Experimenten punkten könnten.

Daß dieses Wochenende so düster ausfiel, dies war allerdings dem Sonntag geschuldet. Die Swans rockten Kampnagel auf wunderbare Weise. Hier war der Begriff Gitarren-Industrial wirklich einmal angebracht bei diesen wunderbar krachigen Soundgebilden. Ein wunderschöner Abschluß – den zur Vervollständigung nicht jeder Besucher als solchen empfand, wie man hier nachlesen kann: http://namremicz.wordpress.com/2010/12/13/swans/ – derartige Klänge sind wohl einfach nicht jedermanns Sache. Meine hingegen definitiv, ich fand das großartig.

Und auch irgendwie schön, daß man auf diese Weise auch auf andere Gedanken kommen konnte. Vielleicht sollte sich die Mannschaft daran ein Beispiel nehmen. Stani hatte die Jungs ja mal mit ins Kino vor Auswärtsspielen mitgenommen, als es mal dort nicht so gut lief – ist schon eine ganze Weile her, aber vielleicht wäre es an der Zeit, diesen Psychotrick wiederzubeleben. Konzerte wären ja auch was.

3 Comments

  1. Ja, die wohlwollenden Kritiken allüberall – die damit enden, dass wir ein zahnloser Dackel vor dem Tor sind. Das Schlimme ist ja, dass es stimmt. Wünschte, wir hätten ein Technikproblem, da wäre mir wohler ums Herz. Kopfsachen haben so was Verzwicktes.

    Aber zustände wie in der Pleitebankarena kann und mag ich mir bei uns nicht vorstellen. Aber unsere wollen ja auch. Sichtlich.

    • Ob es wirklich so schlimm ist, daß wir die Komplimente verdienen, weiß ich nicht so genau. Was ich weiß, das ist, daß ich mir eher ab und an auch Verwünschungen anhören möchte. Oder aber Beschwerden ob unseres unsäglichen Glücks, weil wir eine Partie nach Ansichten des Gegners unberechtigt gewonnen haben – so wie beim letzten Heimspiel. So ganz unberechtigt ist es bei dem Einsatz dann ja nie – insofern könnte ich halt damit leben.

      Eine Kopfsache ist ein ernsthaftes Problem. Was sich schneller lösen läßt als die spielerische Unzulänglichkeit – da hilft dann ja kaum noch etwas, außer eben Einsatz, Einsatz, Einsatz und eine Prise Glück. Vielleicht hilft ja wirklich schon so etwas wie ein gemeinsames Ablenken, damit das mit dem Nachbarn, äh, Tore schießen wieder klappt.

      Zustände wie beim Nachbarn – wenn man mal die Vorstädter so nennen will – haben wir zum Glück nicht. Lieber mit vollem Einsatz und Pech wieder absteigen – voller Liebe der Fans – als irgendwie durchgemogelt die Liga halten, ohne daß die Spieler mit der ganzen Seele bei der Sache sind.

      • Schlimm sind die Komplimente an sich nicht, sind ja auch berechtigt. Schlimm nur, dass die Gegner das bequem zurückgelehnt statt verbissen zähneknirschend äußern.

        Und Ihren letzten Satz unterschreibe ich mit herzblutroter Tinte.


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