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Kaum ist die Kälte der winterlichen Zeit da, schon bricht der FC St. Pauli gnadenlos ein. Der Untergang mit drei Gegentoren ohne einen eigenen Treffer auf fremden Platz gegen Werder Bremen stellt wohl den Tiefpunkt der bisherigen Saisonleistung dar. Schlimm ist dabei weniger die Niederlage gegen den erstklassigen Gegner, so angeschlagen dieser zuvor auch immer gewesen sein mag – katastrophal war über weite Strecken das Auftreten unserer Mannschaft. Wie da der Ball und die Verantwortung ein ums andere mal quergepaßt und dabei mitunter immer wieder vergessen wurde, einfach auch mal aufs Tor zu schießen – beispielsweise, wenn man allein vor dem Kasten stand wie Asamoah in der einen Situation – dann ist wirklich deutlich, daß wir ein großes Problem haben. In den Köpfen, denn von der Leistung her war auch gegen Bremen zu sehen, daß an sich viel mehr möglich gewesen wäre… War es aber nicht.

Ersteinmal ging es jedoch mit der Bahn nach Bremen. Die Winterlandschaft, die vor den Fenster vorbeizog, war schon sehr ansehnlich. Wer hätte zu dem Zeitpunkt allerdings gedacht, daß dies der schönste Anblick des Tages sein sollte…

Frohgemut war die Ankunft am Bremer Hauptbahnhof. Während sich schon so manche in Fahrt getrunken hatten, versuchte die Polizei durch deutliche, aber freundliche Ansagen, die Besucherströme über die öffentlichen Nahverkehrsmittel zum Weserstadion zu lotsen. Offensichtlich hatten Erfahrungen mit anderen Fangruppierungen hier jede Lust auf Fanmärsche definitiv zum Erliegen gebracht. Wieviele sich daran gehalten haben, vermag ich letztlich aber nicht zu sagen.

Eiskalt war dieser Sonntag und auch der Weg zum Werder Bremen Stadion brachte nicht gerade Wärme in die Glieder. Dafür aber so manches Bier in die Blutbahn, das ja noch weitaus preiswerter auf diesen Teil des Weges und des Tages eingenommen werden konnte. Wer kein Astra mitgebracht hatte, mußte auf die ansässigen Biersorten zurückgreifen. So ein Becks ist nicht gerade mein Fall, aber naja.

Am Stadion selber wartete schon ein mobiler Fanladen auf die FCSP-Fans sowie die Anhänger von Werder, die sich dem anderen Hamburger Verein offen gegenüber fühlen. Auch ein Fanfreundschaft-Schal Werder-FCSP gab es unterwegs zu erstehen. Aus Temperaturgründen bin ich jedoch zum Einfangen dieses Bildes nicht stehengeblieben, für so wichtig halte ich diesen Punkt auch nicht. Es verbindet die Fangruppen in großen Teilen wohl auch eher die Abneigung gegenüber den HSV. Keine Gemeinsamkeit, auf die ich eine Fanfreundschaft aufbauen wollte.

Die Leute vom mobilen Fanshop waren sehr freundlich und gut gelaunt. Allgemein war die Stimmung hervorragend. Der Glaube, am heutigen Tag etwas reißen zu können, war überall zu spüren. Diverse Fanutensilien der selbst gebastelten Art konnte man auch erblicken – besonders schön fand ich die Stange dieser Fahne. Sehr detailverliebt. ^^

Kaum kam der große Schwung der FCSP-Fans an, wurden auch schon die Tore zum Weserstadion geöffnet. Perfektes timing. Allzulange wollte man draußen auch nicht stehen. Die Ordner waren höflich und machten ihre Arbeit nach meiner Meinung gut, um dies mal zu bemerken.

Wie gründlich sie vorgingen, dies sah man hier beim Entrollen und Vorführen jeder einzelnen Fahne. Nichts wirklich ungewöhnliches, aber der Anblick war ein schöner Gegensatz zum doch langweiligen Ambiente vor den Toren des Stadions.

Wie schrecklich grau die Innereien eines Stadions aussehen können, das bekam man hier mal wieder eindringlich vor Augen geführt. So etwas gruseliges will man einfach nicht haben. Wie soll bei dem Betongrau Stimmung aufkommen? Von einem Industrial-feeling einmal abgesehen…

Die Treppen waren eng und gerade nach Abpfiff echte Nadelöhre, die nicht gerade für einen guten Abgang sorgen könnten. Hier möchte ich keine Panik erleben wollen.

Auch nicht gerade stimmungsaufhellend war das obskure Verbot, Getränke mit auf die Plätze bzw. Blöcke zu nehmen. Trinken sollte man gefälligst in diesen häßlich-grauen Betonhintergründen und nicht in Spielfeldnähe. So kann man auch Bierbecherwürfe vermeiden. Aber um welchen Preis? Gräßlich und ungastlich.

Wenigstens waren die Toiletten beheizt, so daß man sich dort etwas aufwärmen konnte. Doch an sich gab es kaum einen vernünftigen Grund, länger vom Spielfeld fernzubleiben. Also raus auf die Blöcke und warmsingen. Weitab vom Spielfeld in der oberen Etage hinter dem Tor zu stehen ist allerdings nicht gerade nah am Geschehen, aber egal.

Weitaus näher an den Spielern, nämlich direkt am Grün, war dieser sehenswerte Fan (mein Kompliment an dieser Stelle!). Dafür aber auch reichlich einsam. Da hatten wir schon weitaus mehr wärmende Umstehende in den Blöcken und natürlich auch stimmlich mehr Hintergrund.

Von den Bremer Fans kam eigentlich gar nichts. Allein schon die Tatsache, daß die meisten Plätze auch auf den Stehbereichen erst wenige Minuten vor dem Anpfiff eingenommen wurden, war schon ein obskurer Anblick. Und der Lärmpegel beim Spiel selber beschränkte sich auf insgesamt etwa zwei Minuten – den drei Torjubeln sowie einem einzigen Wechselgesang quer über die Tribünen. Die restliche Zeit war dort Totenstille. So jedenfalls mein Eindruck von meinem Platz aus, der später auch von einer Fernsehzuschauerin bestätigt wurde, nach deren Meinung man bis auf die besagten Momente nur die Gäste gehört hatte.

Ganz anders der Gästeblock. Hier wurde schon 90 Minuten vor Anpfiff gesungen und sich gegenseitig warmgefeuert. Beim Warmmachen der Mannschaft und natürlich das ganze Spiel übner sowieso. Absolut geile Stimmung. Und dies situationsbezogen, also nicht losgelöst vom Geschehen. Lediglich die Mannschaft konnte den Funken einfach nicht aufnehmen, aber das ist eine andere Sache.

Auf der Videoleinwand bekam man übrigens während der Halbzeitpause die entscheidenden Szenen zu sehen sowie natürlich das Spielergebnis angezeigt. Jedenfalls schließe ich das aus den Ansagen, denn gesehen hat man vom Gästeblock aus nur die Rückseite…

Dafür gab es im Gästeblock eh mehr zu sehen. Zum Beispiel Banner und Fahnen in allen Arten und Größen. Von ganz klein…

…über mittlere Größen, wie das hier aufgehängte Banner, was leider nicht wirklich gut zu erkennen ist, dafür aber mir doch trotzdem gut gefiel…

…bis hin zu den großen Fahnen und natürlich dem wunderschön anzusehenden Fahnenmehr aus dem USP-Block.

Ein ungewöhnlicher Anblick waren die beiden Extratore, die beim Warmmachen auf dem Platz waren. Erst wurden diese auch genutzt, später dann doch besser auf das gewohnte Terrain gewechselt. Den Sinn habe ich nicht so sehr verstanden – aber vielleicht hätte man diese besser auf den Platz lassen sollen, denn dann hätten wir vielleicht doch noch ein Tor geschafft an diesem Tag.

An der fehlenden Unterstützung lag es jedenfalls nicht. Die Kulisse war von unser Seite aus optimal. Ganz im Gegensatz leider zu dem, was man auf dem Platz beobachten mußte. Die erste Halbzeit ging dabei noch halbwegs, jedenfalls hatte man dort noch einiges an Hoffnung, hielten sich die Chancen doch in etwa die Wage – nur eben bei dem auf der nicht einsehbaren Anzeigetafel standen deutliche 2-0 Tore für Werder…

Nach den zwei bis drei Gebölk-Treffern gegen die Latte bzw. den Pfosten war aber leider auch schon weitesgehend in Sachen Torgefahr die Luft raus. Der Unsympath Wiese hielt erstklassig, das muß man im wenigstens lassen, doch wie er den von unserer Mannschaft Richtung Eckfahne langsam und hoch geschlagenen Ball zur Behandlung eines Werder Spielers abfing und nach dessem Wiederaufstehen einfach wieder ins Spiel Richtung unser Tor ohne diesen Zurückzuspielen brachte, das war einfach unterirrdisch unfair. Es hat schon seinen Grund, warum den kaum einer mag. An seinen Fähigkeiten liegt es ja nicht.

Viel zu umständlich war unser Spiel nach vorne. Zur Seite sollte man besser sagen, denn was da an Querpässen noch in letzter Minute unternommen wurde, das war einfach gruselig. Wo die Bremer mit einem Steilpass die Lücke fanden und das Tor machten, da spielten wir gefühlte Stunden ohne eine Gefahr für das Tor der Heimmannschaft generieren zu können hin und her, bis irgendwann ein grünes Bein dazuwischen kam oder wir aus aussichtloser Situation einen Abschluß versuchten – vor allem in Hälfte zwei funktionierte da kaum noch was.

Unsere Boys In Brown sollten einfach mehr Mut haben. Sie können es doch! Nur an dem Tag lief einfach nichts. Wir hätten noch zwei Elfer meiner Meinung nach kriegen müssen – aber es war ja fast gut, daß wir die vorenthalten bekamen, so mußten wir uns wenigstens nicht über zwei verschossene Strafstöße ärgern, die es an diesem schwarzen Tag sicherlich gegeben hätte. Nun, da kam halt alles zusammen. Aber egal, Mund abgewischt, Stanis Umstellungen, die jetzt sicher kommen werden, annehmen und weiter kämpfen um den Klassenerhalt. Es ist nach wie vor möglich, nur eben mit einer gehörigen Leistungssteigerung. So oder so – St. Pauli ist die einzige Möglichkeit!

Wenige Minuten vor Schluß und nach zwei verdienten roten Karten auf beiden Seiten kam dann ein das Lächeln auf die Lippen zurückzaubernde „Always look on the bright side of live“ aus dem FCSP-Block. Warum auch aufgeben, nur weil man gegen Werder Bremen auswärts 3-0 verloren hat? Es gibt nach wie vor wichtige Punkte zu holen. Ran da!

Natürlich nicht euphorisch, aber eben auch nicht zu Tode betrübt ging es dann zurück nach Hause. Hamburg ist einfach viel schöner als Bremen, wie man mal wieder erleben mußte. Bremen ist jedenfalls auch dieses mal keine Reise für uns wert gewesen. Schön war es trotzdem auf eine gewisse Art und Weise. Sankt Pauli ist halt die einzige Möglichkeit…

One Trackback/Pingback

  1. […] wie vor nicht fertig ist, wenn man die Athmosphäre hier mit der in Bremen vergleichen will, siehe https://kleinertod.wordpress.com/2010/11/30/wintereinbruch-fcsp-in-bremen/, dann wird doch schnell klar, daß Geld allein noch lange nicht alles bei einem Fußballverein ist. […]

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