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Nach dem bereits ausführlich beschriebenem Heimspiel gegen Leverkusen war ich nach einem zwischenzeitlichen Abstecher nach Flensburg zu einem genialen EA80 Konzert im Volksbad am nächsten Tag zurück zur Jahreshauptversammlung unseres FC St. Pauli im CCH Saal 1. Eine Menge wichtiger und interessanter Punkte standen schließlich auf der Tagesordnung, neben der Wahl des Nachfolgers von Corny Littmann stand auch die Frage seiner Ernennung zum Ehrenpräsidenten zur Abstimmung.

Nach einer Nacht, die nicht gerade mit sonderlich viel Schlaf, dafür aber mit ungemein guter Düster-Punk-Musik gesegnet war, fuhr ich frühmorgens aus Flensburg zurück. Immer noch im Ohr die wunderbaren Klänge von EA80…

Glücklicherweise hielt der Zug gleich beim CCH, so dass ich von dort aus direkt zur JHV gehen konnte. Die alles andere als gut besuchte Veranstaltung – lediglich 542 stimmberechtigte Mitglieder waren anwesend – drehte sich ersichtlich vor allem um den Tagesordnungspunkt der Ehrenpräsidentschaft von Corny Littmann.

Direkt wie indirekt tauchte dieses Thema in den meisten Reden mehr oder weniger ausführlich auf, sogar Corny Littmann selbst wurde auf die Bühne für eine Ansprache gebeten, was dieser äußerst ausführlich dann auch nutzte. Hier verließen in etwa 30 Mitglieder demonstrativ den Saal, die man vom Aussehen her möglicherweise den USP zuordnen konnte. Eine nicht gerade schöne Geste gegenüber einem Mann, der für unseren Verein so viel getan hat und ohne den wir kaum dort wären, wo wir heute sind – allerdings hatte Corny schon immer durch seine Art und vor allem auch seine mitunter mit Recht umstrittenen Aktionen selbst für solche extremen Reaktionen gesorgt.

Nach einer doch recht ermüdenden Rede von Littmann, der viel zu ausführlich meiner Meinung nach auf die Zeit seiner Amtszeit zu sprechen kam, was in deutlich gekürzter Form sicherlich viel interessanter geworden wäre, kamen die vorgenannten Mitglieder auch wieder in den Saal zurück. Was man auch immer von dem Herausgehen dieser Leute halten mag, noch weniger verstehe ich das offensichtliche Desinteresse am Bericht des Kassenprüfers, bei dem etwa 80 Mitglieder den Saal verließen – zwar nicht demonstrativ, aber sichtlich erschöpft von der schon seit geraumer Zeit andauernden Versammlung. Wahrscheinlich hielten diese jenen Tagesordnungspunkt auch nicht für so wichtig und sehnten sich vielmehr nach einer Erfrischung – dabei kamen jedoch äußerst interessante Details an die Oberfläche. Hier geht es schließlich um nichts anderes als um die Finanzierung des Vereins. Nur aus diesem Bericht kann man halbwegs erkennen, inwieweit eine später folgende Entlastung sinnvoll wäre oder nicht. Für mich darum eine sehr wichtige Rede, bei der auch zur Sprache kam, was an der dargelegten Gewinn- und Verlustrechnung des Vereins unstimmig war – nämlich der Punkt, dass die doch sehr wesentlichen Bereiche, die ausgelagert wurden, in dieser in Form einer konsolidierten Bilanz erscheinen müssten.

Für die Zukunft wurde dies zwar angekündigt vom Präsidium, dieser Punkt muß aber unbedingt beachtet werden. Insgesamt wurde dem Aufsichtsrat vom Kassenprüfer die Empfehlung der Entlastung aber doch nahegelegt. Dieser ist dem auch gefolgt und auch die Mitgliederversammlung sprach alle Entlastungen aus.

Erwähnenswert von den nachfolgenden Reden ist hinsichtlich der Ehrenpräsidentschaft das Hochhalten der Satzung und die Beachtung ebendieser, womit eindeutig auf die Frage der Zulässigkeit des Antrags zur Ehrenpräsidentschaft angespielt wurde, die ja in unserer Satzung nicht enthalten ist. Später hatte das Präsidium ja dazu auch noch Stellung genommen und die juristisch fundierte Auffassung nach intensiver Prüfung dieser Satzungsfragen verlautet, dass nämlich ohne Verpflichtung des Vereins und ohne Regelung in der Satzung durchaus die Mitgliederversammlung über einen solchen Punkt abstimmen kann. Intensive Gegendarstellung hierzu kam dann vom Ehrenrat, der dazu auch noch auf fremde Satzungen anderer Vereine verwies – als ob diese irgendetwas mit unserer Satzung zu tun hätten – der auch aus diesem Grunde gegen eine Ehrenpräsidentschaft sich aussprach.

Bemerkenswerterweise hatte der gleiche Ehrenrat am gleichen Tag zu einem anderen Punkt der Tagesordnung, der Aberkennung einer Goldenen Ehrennadel posthum, was ebenfalls nicht in der Satzung geregelt war, keinerlei Bedenken dahingehend, dass hierüber die Mitgliederversammlung abstimmen könne und sollte. Diesem Aberkennungsantrag wurde der Sache nach aus eindeutigen Gründen dann ja auch von der Versammlung gefolgt.

Was in Sachen Littmann folgte, das dürfte ja hinlänglich bekannt sein – nach intensiver Debatte, die teilweise sehr hitzig geführt wurde, hatte eine Mehrheit einem Vertagungsantrag zugestimmt. Formal aus vorgenannten Satzungsbedenken, die später bei der Aberkennung der Ehrennadel niemanden störte. Nun, in meinen Augen konnte man den Vertagungsantrag aus einem anderen Grund auch unterstützen, was vielleicht unabhängig von Littmann für einige ausschlaggebend war – nämlich der Gedanke, dass ein solches Amt unabhängig von der Person nicht für unseren FCSP gewünscht wird, oder aber, wenn schon, dann nur dann, wenn dies auch in der Satzung steht. Da eine Satzungsänderung dieser Art Zeit braucht, mussten die Vertreter der letzten Auffassung deutlich für die Vertagung sein. Wer allerdings nur gegen eine solche Ehrung Littmanns war, der hätte gegen die Vertagung und dann gegen den Antrag stimmen sollen – so werden wir uns vielleicht noch mal damit befassen müssen.

In jedem Fall hat die Mehrheit entschieden, so dass zumindest für ein Jahr diesbezüglich Klarheit herrscht: keine solche Ehrung für Corny Littmann. Dabei hätte eine solche in meinen Augen durchaus Nutzen für den Verein bringen können, denn besonders medienwirksam ist unser mit 431 Stimmen und 39 Gegenstimmen neugewählter Präsident Orth nun wirklich nicht. Aber warten wir einmal ab, wie dieser in die Fußstapfen von Littmann treten und seine eigene Amtsführung zeigen wird.

Sehr sinnvoll fand ich die Niederlage des Präsidiums hinsichtlich des Satzungsänderungsantrages zur Aufnahme von Besonderen Vertretern. Dem Hinweis, dass hiermit nicht nur natürliche Personen gemeint seien, also auch juristische Personen wie eine Anwalts-GmbH mit der Vertretung des Vereines bestellt werden könnten, wurde nur das Versprechen des Präsidiums gegenübergestellt, derart zu verfahren. Dies war den Mitgliedern dann aber nicht ausreichend, der Antrag wurde ebenfalls ausgesetzt. Sehr sinnvoll, da zudem auch betragsmäßig die Außenvertretung des Vereines durch Besondere Vertreter nicht in der Satzung erfolgen soll. Auch für erhebliche Beträge wie Millionensummen sollen die Besonderen Vertreter ohne Mitwirkung eines Präsidiumsmitgliedes den Verein ja verpflichten dürfen. Ein Unding, wie ich finde – auch in diesem Punkt sollte der Antrag noch mal überarbeitet werden.

Die eindeutige Niederlage des Antrags zum Teilrückbau der Haupttribüne dahingehend, dass die Blöcke U8 und U9 wieder eingerichtet werden sollen, dürfte wohl auf die ungenaue Fassung des Antrages sowie auf die dürftige Begründung zurückzuführen sein. Die Hinweise von offizieller Seite, dass die untersten Sitze auf der neuen Haupttribüne ja jetzt den Rollstuhlfahren gebühren und man diese bei einem Rückbau entfernen müsste, was ja nicht wünschenswert sei, sowie auf die bestehenden Verträge, die die volle B-Sitzzahlen zur Absicherung vorsähen, wurden eher geschluckt als angegriffen. Zutreffend ist in meinen Augen, dass eine Veränderung der B-Sitzzahlen auf der neuen Haupt dringend erforderlich ist. Die – sehr unbestimmte – Verpflichtung zur Wiederherstellung der Blöcke U8 und U9 war hier kaum sinnvoll begründet. Sicherlich wäre es sinnvoll, wenn preisgünstige Plätze auch auf der neuen Haupt vorhanden wären – doch diese sollten dann zusätzlich auf Kosten der B-Sitze und nicht zulasten der Rollstuhlfahrer oder der Zahl der anderen Sitze erfolgen – bei erfolgreichem Antrag hätte dies vom Präsidium nämlich durchaus genau so erfolgen können. Hier wäre auf der nächsten JHV ein neuer Antrag, der im Vorfelde gründlich mit mehreren Fangruppen abgestimmt werden sollte, sinnvoll. Ein Rückbau in etwa in Höhe der vom Verein angedachten Auslastung von etwa 80 Prozent – also ein Rückbau von etwa 20 Prozent der B-Sitze – wäre sehr sinnvoll. Wo genau diese Plätze dann umgebaut werden sollten, darüber könnte man auch noch mal reden. Ich würde eine Verbreiterung der normalen Sitze am Randbereich der B-Sitze auf deren Kosten für sinnvoller halten – beispielsweise in etwa bis zum Bereich des nächsten Aufgangs.

Den zweiten Tag der JHV habe ich aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mitnehmen können, aber auch so ging für mich dann letztlich ein ereignisreiches FCSP-Wochenende zuende. Amüsant beim Verlassen des Saales waren dann noch die Heerscharen an übermütigen Damen, die sich über das Vorhandensein von Männern im Foyer des CCH beschwerten – schließlich fand kurze Zeit später eine Veranstaltung der Chippendales statt – St. Pauli auch im CCH, könnte man meinen… Herrlich dazu: http://beebleblox.blogspot.com/2010/11/nackte-manner-braucht-das-land-fcsp.html!

Die wahren Männer bewundern konnte man eh in einem anderen Saal – die Mannschaft war natürlich auch anwesend und wurde für ihre tollen Leistungen verdient auch mit viel Beifall bedacht.

One Trackback/Pingback

  1. […] wer sich bei der JHV 2010 im CCH bei dem Antrag, die Business Seats in den Blöcken U8 und U9 zurückzubauen, enthalten oder dagegen […]

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