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Wirklich unglaublich, was sich dieser Mann alles geleistet hatte am Samstag. Marco Fritz hieß der grottenschlechte Typ an der Pfeiffe. Den Namen muß man sich merken. In Erinnerung wird er definitiv bleiben, was man sonst vom Spiel allerdings weniger wird behaupten können. Schöne Choreos von der Süd gab es aber. Und auch sonst wieder einiges, was das Spiel erlebenswert machte. Das 1:3 in den letzten Minuten sowie die verlorenen Punkte an sich meine ich dabei nicht…

Die Vorfreude war groß – aber ein wenig Wehmut mischte sich von Anfang an auch darunter, schließlich hieß es von einem mittlerweile schon gewohnten Anblick Abschied zu nehmen, war dies doch das letzte Spiel mit den Container der Jahr100-Ausstellung vor der Südtribüne. Nur noch an diesem Samstag und den anschließenden Sonntag konnte man die Ausstellung erleben, am heutigen Tage – ich schreibe ja am Montag – ist dieses Ereignis leider schon Geschichte. Ich bin sehr froh, daß ich es hinein geschafft habe – bedauere es nur, daß ich kein zweites mal die Ausstellung erleben konnte. Auch die imposanten Containeraufbauten werden mir fehlen, die doch stark auch an das alte Millerntor erinnern, welches nur noch zur Hälfte sichtbar ist.

Von der neuen Haupttribüne aus kann man sich ja nur noch an den Container-Charme erinnern, erlebt man diesen doch nicht mehr direkt beim Spiel. Natürlich kann man auch einfach noch an der alten Gegengeraden vorbeilaufen oder aber auch einfach hinüberblicken, doch von so einer modernen Tribüne aus ist das einfach etwas anderes.

Wobei „modern“ nicht mit „fertig“ verwechselt werden darf. Ein gewisser Baustellencharme ist ja immer noch vorhanden. Nur leider nicht auf diese sympathisch-provisorische Art und Weise, der gegenüber zu erblicken ist oder aber wie es auch die ganzen Jahre hinter der alten Haupttribüne zu sehen war. Jene großformatigen Photographien der alten Haupt waren leider nicht mehr zu erblicken, diese hingen nur beim Spiel gegen Nürnberg aus, so daß ich sie selber niemals zu Gesicht bekommen konnte. Schade.

Neu hingegen war die Sammelaktion von Pfandbechern für Viva Con Agua. Eine gute Idee, die ich auch sofort nach dem Anblick der ersten Pfandbecher für geboten gehalten hatte – und die hinter den Kulissen wohl ein wenig länger zur Umsetzung als eben die Einführung des Pfandsystems an sich gedauert hatte. Warum auch immer, aber es bleibt ja eine gute Idee. Nicht ganz so schön fand ich die „Spendenaktion“ von Mini, der das Geld, welches er über seine Kosten für seine Gesundung hinaus an Spendengelder erhalten hatte, eben jenem Wasserprojekt, dem Fanladen und den Fanräumen spendete – hierbei wurde er in meinen Augen doch zu sehr gelobt und nicht wirklich bedacht, wo das Geld eigentlich her kam. Gespendet haben schließlich andere dieses Geld für einen guten Zweck – von Mini war es hingegen gut, daß er das überschüssige Geld auch wirklich einem guten Zweck dann hat anheimfallen lassen. Mehr aber auch nicht – wie gesagt, auch nicht weniger. Das Nichterwähnen der eigentlichen Herkunft des Geldes fand ich halt nicht gut.

Die Gestaltung des inneren Ganges läßt leider immer noch ein wenig zu wünschen übrig. Ein paar Farbkleckse gibt es zwar schon, doch noch sieht es mir viel zu sehr nach Bahnhofsunterführung oder Elbtunnel als nach dem Stadion des FCSP aus. Den kalten Beton könnte man sicherlich noch weiter ausschmücken. Vielleicht wären sogar die Fans dazu bereit, mittels Spendenaktionen hier einen Teil beizutragen, solange es nicht zu hohe Kosten und vor allem akzeptable Verbesserung geben würde. Vielleicht könnte man das ganze mit einem Kunstwettbewerb kostenfrei ausstatten? Ideen hierzu wären sicherlich irgendwann angebracht – nur hat das alles in meinen Augen auch noch ein wenig Zeit, bis das ganze Stadion neu errichtet ist. Trotzdem freut sich das Auge über jede Abwechslung vom Betongrau.

Von der Süd kam an diesem Tag angenehm viel und vor allem sehr unterstützenswerte Aktionen und Aussagen. Nicht jede Aktion von dort muß man ja unterstützen, aber an diesem Tag wurde mal wieder gezeigt, daß es bei vielen Dingen eben doch einen gemeinsamen Nenner geben kann. Wobei ich hier natürlich nur für meine Person sprechen kann – wie immer im Leben.

Den Irrweg der Atomkraft muß man bei den auf absehbare Zeit ungelösten Fragen der Endlagerung wirklich nur ablehnen. Hier bereichern sich einzelne Energieunternehmen auf Kosten der gesamten Bevölkerung. Und wer meint, daß Politik nicht ins Stadion gehört, der sollte sich vielleicht die Frage gefallen lassen, wohin dann? Fern der Öffentlichkeit in die Wahlkabine verstecken? Meinungsäußerungen in diesem Rahmen gehören vor ein großes Publikum, damit dieses darauf auch entsprechend reagieren kann.

Die Choreo der Frankfurter Fans hatte ein ganz anderes Anliegen. Allein schon das Hochziehen von derartig großen Transparenten versprach genau das, was dann darauf folgte.

Ganz einfallsreich. Pyro. Hatten wir ja noch nie im Gästeblock. Und schön feige hinter riesigen Transparenten versteckt – natürlich kontrolliert in einem engen Menschenblock – abgebrannt. Wann diese Hohlbirnen es begreifen, daß daraus als letzte Konsequenz das Verbot von jeglicher Choreo folgen können wird, bleibt wohl nach wie vor eindeutig zu beantworten: nie. Das Thema kennen wir ja. Hab noch mehr Bilder, falls jemand zur Aufklärung der Straftaten diese braucht. Aber viel ist nicht darauf zu erkennen, leider.

Nachtrag: nachdem ich von diversen Seiten darauf hingewiesen wurde, daß ein solches Zusammenarbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden falsch sei, habe ich mir über meine Position natürlich auch Gedanken gemacht. Die Gesundheit anderer zu gefährden halte ich für falsch, aber eine Art Überwachung von jeglichem Fehlverhalten durch das Abbilden von Fanaktionen und dem Bereitstellen zur Strafverfolgung ist ebensowenig sinnvoll. Ich sehe die Argumente und denke nochmal darüber nach.

Wenigstens zog der ganze giftige Rauch in Richtung der Gästefans ab und belästigte diesmal keine gänzlich Unbeteiligten. Wobei auch bei den Gästen sicherlich etliche dabei waren, die diese Aktion nicht unterstützen würden, wenn man sie denn gefragt hätte. Aber das machen diese Selbstdarsteller ja nie. Solange diese im Stadion sind, können andere nur fernbleiben oder sie ertragen. Kein Status Quo, der hinnehmbar ist. Die Störer müssen weg. Aus jedem Stadion.

Daß es auch ganz anders geht, das hat an diesem Tag die Südtribüne bewiesen. Direkt nach dem Schwachsinn der Gäste kam diese wunderschöne Blockfahne hervor. Sah einfach nur genial aus.

Keinerlei nervig-gefährliche Pyro störte diesen wunderschönen Anblick. Einfach klasse und die Gänsehautstimmung beim Einlauf war so schon garantiert.

Es war einfach mal wieder geil dabei zu sein. Ein einziges Mal zu fehlen kann sich wirklich wie eine Ewigkeit anfühlen…

Das Spiel selber war geprägt von zwei unterschiedlichen Halbzeiten. In der ersten waren wir die klar bessere Mannschaft und gingen so gesehen auch verdient in Front. Die unerträgliche Schauspielertruppe aus Frankfurt bekam das Spiel erst durch eine unsägliche Menge an Schwalben in den Griff, von denen die eine im Strafraum zum Elfmeter, der folgenschweren gelben Karte wegen kurzem Protest von Asamoah und dem verwandelter Strafstoß zum Ausgleich führte. Hier kippte die Partie, da kurz nach der Pause Gerald wegen eines ungeschickten Foulspiels dann zum zweiten Mal gelb sah und wir fortan in Unterzahl spielten. Dieser Elferpfiff entschied so gesehen gleich doppelt das Spiel. Auch die weiteren Fehlentscheidungen des völlig überforderten Schiedsrichters in der zweiten Hälfte waren ein schwerer Schlag. Was dieser Mann da abgeliefert hatte, das war einfach nur ein gröbstes Versagen. Ganz, ganz schwach – positiv ausgedrückt. Wenn nicht noch was anderes im Nachhinein sich herausstellen sollte – nach der Leistung würde es zumindest niemanden wundern. Aber es kann genausogut auch ein leistungsmäßiges Totalversagen des Schiris gewesen sein.

Sehr schön hingegen war die nicht gerade kleine Fahne auf der Nord, die zum Bedecken des ganzen Blocks allerdings auch nicht gereicht hatte. Sah trotzdem toll aus.

Die Gäste aus Frankfurt fielen auch in anderer Hinsicht unangenehm auf. Und zwar war auf der Haupt in etwa mindestens 5 % der Sitze in Gästehand. Das ist nicht deren Schuld, sondern eben bei hundertprozentig ausverkauften Blöcken an Mitgliedern und Dauerkarteninhabern nichts weiteres als das unsägliche Weiterverkaufen von Karten auf entsprechenden Plattformen. Was aber mehr als obskur war, das waren die versuchten Wechselgesänge zwischen Gästeblock und Haupt mit den dortigen Fans, was zu sofortigen rivalisierenden Fanrufen beider Seiten ausartete und angesichts der unerträglichen Schiedsrichterleistungen nicht wirklich freundschaftlich wurde. Aber eben auch nicht wirklich feindseelig. Je tiefer die Schähungen sanken, umso amüsierter die Reaktion. Ist ja nichts Neues.

Sehr schön war auch die Halbzeit-Choreo der Süd anzusehen. Lustig und voller Phantasie dargebracht.

Dem gegenüber möchte ich mal die unsägliche Werbeaktion für die noch freien B-Sitze auf der neuen Haupt stellen. Was der Verein sich da neu als Spruch ausgedacht hat, das geht ja wirklich gar nicht. Ellbogenmentalität pur steckt in diesem Spruch. Soll das heißen, daß wir Fans vor dem Kapital weichen sollen? Wer Geld hat, der kann einfach reinstürmen und uns verdrängen, wie auf der neuen Haupt? Sehr behutsam ausgedrückt… Unerträglich. Ganz schnell ändern!

Da schwenke ich doch lieber nochmal zurück auf die passende Choreo. Man darf einfach nicht alles verkaufen und sich beim Verkauf auch nicht über Gebühr veräußern. Hier ist in letzter Zeit einiges passiert (Stichwort übermäßige und leere B-Sitze, Platz da!-Aktion), was hinterfragt gehört.

Eine unschöne Geschichte nach Abpfiff habe ich leider auch nur kurz zu erwähnen. Zwei meiner (in kürzester Zeit gebildeten) Meinung nach vollkommen betrunkene FCSP-Fans wollten sich mit zwei Frankfurtern im Block prügeln, weil diese angeblich jemand angeflirtet (bzw. angemacht) hätten. Meine Güte… Nicht nur ich, auch andere FCSP-Fans sind sofort dazwischen gegangen, so daß es bei dem (aus meiner Sicht – ich habe jedenfalls keinen entsprechenden Grund mitbekommen) komischen Wutausbruch der zwei blieb. Das war ein wirklich ungewohntes Ereignis.

Nachträglich möchte ich hier noch eine Anmerkung schreiben. Nach Aussagen anderer Beteiligter waren die FCSP-Fans weder vollkommen betrunken noch waren die Frankfurter friedlich, sondern hatten als solches provoziert sowie Beleidigungen gegenüber einzelnen FCSP-Fans sowie allgemeiner Art ausgestoßen. Dies habe ich so nicht mitbekommen und kann es daher weder bestätigen noch widerlegen. Ich sah nur, wie scheinbar ohne Grund auf zwei Gästefans losgegangen wurde und bin erstmal dazwischen gegangen, weil ich direkt daneben stand bzw. dort vorbeikam. Von Beleidigungen durch die Gästefans während des Spiels habe ich zudem nichts mitbekommen, lediglich eine Bierdusche mußte ich mit meinen Sitznachbarn erdulden, als das 1:2 fiel und die offensichtlich von einen Frankfurter Fan stammte. Angeblich soll es sich hierbei um einen der beiden bzw. beide Frankfurter handeln. Übrigens war ein Ordner schon auf dem Sprung, als ich eingriff, wie ich durch meine Position erkennen konnte und der nur aufgrund meines Dazwischengehens erstmal stehenblieb und sich dann zurückzog, als sich die Lage offensichtlich entspannt hatte. Ich kann und will nicht beurteilen, ob die Auseinandersetzung hier berechtigt war oder nicht – aber es war vielleicht für alle Beteiligten gut, daß dies nicht an Ort und Stelle an dem Tag „geklärt“ wurde.

Zum Spiel selber möchte ich noch anmerken, daß die starken Gäste ihre ganzen Schwalben eigentlich nicht nötig gehabt hätten, denn vom spielerischen Vermögen waren sie die bessere Mannschaft. Hat man auch im Abschluß durch Gekas gesehen, der vom Schiri aber das erste Elfer-Tor klar geschenkt bekam. Wäre Asamoah nicht so unsinnig in den Zweikampf zu Beginn der zweiten Hälfte gegangen, wo es bei diesem Schiri doch klar war, welche Reaktion folgen würde – wobei auch andere hier berechtigt eine gelbe gegeben hätten – dann hätten wir sicherlich noch eine gute Chance gehabt. Doch die Unterzahl war dann einfach der Genickbruch am heutigen Tag. Herausragend war neben Carlos Zambrano mit seinem wunderschönen Tor, welches man allerdings auch hätte abpfeiffen können wegen des Einsteigens von Asamoah gegen den Torwart, der diesen allerdings weder in seiner Parade zuvor noch anschließend behinderte, da dieser wieder völlig auf den Beinen und im Bilde war, bevor es weiterging, in meinen Augen auch wieder unser Schlußmann. Kessler hat ein bis zwei Bälle herausgeholt, die ich schon im Tor gesehen hatte. Insgesamt war das kein schlechtes Spiel von uns, doch gegen die starken Frankfurter UND den Schiri anzukommen, das war an diesem Tag einfach nicht drinn. Jetzt müssen wir die nötigen Punkte gegen NOCH stärkere Gegner holen. Nicht unmöglich, aber eben auch nicht wahrscheinlicher als gegen Frankfurt. Ist halt die 1. Fußball-Bundesliga und wir sind die Aufsteiger.

18 Comments

  1. ach gottchen, das bißchen grüner rauch. war ne schöne choreo der frankfurter. und das sage ich als st. pauli fan.

    • Daß die Pyro-Fraktion bei uns genauso viele Anhänger hat wie anderswo ist bekannt. Macht deren Position aber nicht besser. Ausführlichst ist dazu schon alles geschrieben: https://kleinertod.wordpress.com/2010/10/26/danke-fur-die-tolle-pyro-show/ Gesundheitsgefährdung durch Zünden solcher gefährlichen Feuerwerkskörper in einem geschlossenen Block mit gesundheitlich nicht unbedenklicher Rauchentwicklung ist keine Kleinigkeit. Eben nicht „das bißchen grüner Rauch“. Die Opfer solcher „schönen Choreos“ gibt es mittlerweile schon zuhauf. Pyro gehört nicht in einen vollbesetzten Block. Woanders sieht das schön aus, aber eben nicht in Menschenmengen.

  2. du stellst die bilder gerne der strafverfolgung zur verfügung??

    aua.

    • Wenn es darum geht, die Gesundheit von Menschen vor den Zündlern zu schützen, dann gibt es leider keinen anderen Weg, als die Typen, die freiwillig nicht mit der Gefährdung anderer aufhören, zu bestrafen und so aus den Stadien fernzuhalten. Wenn Bilder, die zeigen, wer solches Feuerwerk in geschlossenen Menschenmengen zündet, bei der Verhinderung von zukünftigen Verletzungen helfen, dann stelle ich diese gerne zur Verfügung. Erkennen kann man die Leute allerdings nicht, das hatte ich ja erwähnt. Ich würde mich aber freuen, wenn die Zündler sich vor lauter Angst vor Entdeckung endlich einmal korrekt verhalten und solchen Unsinn unterlassen würden. DAS würde ich wirklich gerne sehen!

  3. PRO PYRO

    • PRO GESUNDHEIT! Und Rücksicht auf andere. Also Pyro außerhalb von Menschenmengen -> kein Problem. Wer mit der Gesundheit anderer spielen will und dem diese egal ist, der gehört nicht ins Stadion.

  4. Die Weitergabe von Bildmaterial an staatliche Stellen wäre für mich auch ehrlich gesagt sehr grenzwertig, auch wenn ich wahrlich kein Freund von Pyro bin, aber dazu könnte ich mich allenfalls durchringen wenn es ernsthafte Verletzungen unbeteiligter gegeben hätte, das sonst nicht aufgeklärt werden kann und tatsächlich für diesen Fall wahrscheinlich relevantes Material dabei ist.
    Ich möchte nicht irgendwann komisch angeguckt werden, nur weil ich meine Kamera mit zum Spiel schleppe. Aufklärung ist Bullensache.

    • Für mich steht etwas anderes im Vordergrund. Es gab früher Leute, die sich nicht zu Fußballspielen getraut haben, weil sie Angst um ihre Gesundheit hatten – wegen der gewaltbereiten Idioten in den Stadien. Heute erleben wir ähnliches, zwar nicht beabsichtigt gegen Personen gerichtet, dies aber in Kauf genommen mit den gleichen Worten: „dann bleib doch zuhause“. Ich sehe es so, daß die Menschen, die die Gesundheit anderer mißachten, daheim bleiben können. Und damit das so bleibt, sollten diese was zu befürchten haben. Es muß nicht erst soweit kommen, daß es schlimme Verletzungen gibt – wenn man dies schon vorher vermeiden kann, indem solche Leute enttarnt werden oder aus Angst davor dies unterlassen, dann wäre für alle etwas gewonnen. Andere Dinge aufzuklären ist dabei nicht mein Anliegen – genausowenig wie eine Mitarbeit in anderen Dingen. Ich würde nur Bilder weitergeben wollen, auf denen zu sehen ist, wer die Gesundheit anderer absichtlich gefährdet oder verletzt.

  5. Der schlimmste Lump im ganzen Land, das ist und bleibt … die Vorstellung, mit polizeistaatlichen Mitteln sei auch nur irgendetwas lösbar, ist zu allem Überfluss ja auch noch naiv.

    • Es gibt die unterschiedlichsten Sichtweisen, zum Glück.

      Allgemeingültige Lösungen wird man wohl niemals finden können.

      Die Polizei ist aber nicht das Böse schlechthin und ich habe auch keine größeren Berührungsängste mit dieser Instanz des Staates. Faustrecht ist keine Lösung oder der Polizei vorzuziehen.

      Lieber habe ich eine strafrechtliche Verfolgung solcher Leute als daß ich die verbrannten Körper Unschuldiger ansehen muß und mir vorwerfe, daß ich nichts zur Verhinderung derartiger Dinge getan hatte, als es mir möglich war.

      Die schönste Vorstellung wäre natürlich die, daß die Pyro-Fraktion damit aufhören würde, die Gesundheit anderer zu riskieren. Diese halte ich aber leider für wirklich naiv.

  6. Zumindest ist das Hinweisen auf die gesundheitlichen Aspeke ungleich wirkungsvoller, als mit der Polizei zu wedeln, die nun gerade in Fanzusammenhängen Sanktionsformen geschaffen hat, die nicht etwas NACH Geschehen einer Straftat greifen, sondern halt präventiv, was rechtssystematisch, wie Du weißt, haarsträubend ist und tatsächlich der Weg zu totalitärer Staatlichkeit. Dem redest Du indirekt das Wort.

    Natürlich ist die Polizei nicht „das Böse schlechthin“, und woher Beschimpfungen wie „Bastard“ kommen, darüber denkt ja auch keiner nach, was zum Kotzen ist – sie ist jedoch gerade im Kontext des Fussballs nun auch keine Kraft, der man vertrauen könnte, und hat selbst mehr Gewaltbereitschaft erzeugt als jede andere gesellschaftliche Institution. Finde das insofern auch weiterhin etwas naiv, diese Zugangsweise.

    Kennst Du Foucaults „Überwachen und Strafen“?

    • Bitte keine Interpretation, wer hier was indirekt unterstützt – sonst könnte ich argumentieren, daß die Gegner jeglicher Zusammenarbeit mit der Polizei den Gewalttätern zur Macht verhelfen wollen oder indirekt würden. Besser, wir bleiben beim direkten Thema.

      Mit der Polizei habe ich sowohl schlechte als auch gute Erfahrung gemacht. Die negativen waren mitunter sehr frustrierend. Hier bin ich für eindeutige Veränderungen und Verbesserungen innerhalb der Polizei – aber die Instanz als solches verdamme oder meide ich deswegen bis dahin nicht.

      Ich habe hier einen „Traum“: die Vermeidung der Schädigung unschuldiger Fans und die Aussicht für alle, ein Spiel besuchen zu können, ohne sich um seine Gesundheit sorgen zu müssen. Daß Verbote oder Worte hier bislang nicht genutzt haben, muß man leider bei immer mehr Spielen sehen.

      Foucaults „Überwachen und Strafen“ kenne ich bislang nicht, aber diverse andere Werke zu dem Thema. Auf was genau zielt denn die Frage?

  7. Wie man Delinquentengruppen erzeugt – und sowieso ist das zu dem Thema erhellend, wenn man sich dem Kontext nicht verweigert.

    Die Gewalttäter schützt man ja gerade, wenn man mit der Polizei kungelt. Diese furchtbare Hygiene-Metapher „Selbstreinigung“ greift dann einfach nicht mehr, und es entsteht erst recht der Eindruck, irgendwas ganz fürchterlich Wildes und Revoluzzendes zu tun,wenn man da rumfackelt und anderen Leuten giftigen Rauch in Augen und Lunge treibt und das irgendeinen vermeintlich authentischen Ausdruck irgendwelcher Fankulturen behauptet. Das kann man doch in Stadien wie in Rostock bestens nachvollziehen, wie die dauerhafte Repression die Szene radikalisiert hat – hinsichtlich der Gewaltbereitschaft, meine ich. Die feiern ihre „Stadionverbotler“ dann wie Held des Widerstandes. Und das kann ja nun auch nicht Ziel sein.

    • Es gibt die unterschiedlichsten Straftheorien. Aber ich halte diese zu erörtern hier nicht für sinnvoll oder weiterführend. Wobei ich das Thema spannend finde und viel dazu gelesen und bereits darüber des öfteren diskutiert habe.

      Inwiefern man Gewalttäter schützt, wenn man mit der Polizei „kungelt“ (also in jedweder Form zusammenarbeit, so soll ich das wohl verstehen), erschließt sich mir nicht. Wenn Gewalttäter mit einer Sanktion zu rechnen haben, nehmen sie sich vielleicht zurück – und das schützt die anderen vor diesen, nicht umgekehrt.

      Die Radikalisierung sehe ich nicht nur in Rostock und leider vermag ich auch keine Lösung für das Problem anzubieten. Denjenigen das Feld zu überlassen, die sich um ein Gegenseitig-Rücksicht-Nehmen nicht kümmern und gefährdend hinwegsetzen, das ist aber mit Sicherheit kein gangbarer Weg. Sicher wäre es schöner, wenn die Zündler auf die Gegenstimmen hören würden und damit aufhören – das wollen sie aber erklärtermaßen nicht. Sie werden vielmehr weitermachen. Während immer mehr sich vor den Auswirkungen fürchten und erwägen, doch lieber daheim zu bleiben. Das kann ja auch nicht das Ziel sein.

      • In einem Punkt habe ich meine Meinung etwas geändert, bzw. ergänzt. Siehe den Nachtrag zwischen den Pyro-Bildern.

  8. Die Ergänzung ist doch schon mal prima 😉 … meine ich Ernst. Hatte sie zuerst im Forum gelesen.

  9. Naja die Choreo der Frankfurter schien auf jeden Fall aufwendiger und mit deutlich mehr kreativität geschaffen…ist wirklich sehr einfallsreich was sich die Paulianer da ausgedacht haben hahaa

    • Ich verbuche diesen Kommentar mal unter Meinungsfreiheit. Teilen kann ich die Ansicht aus mehreren Gründen nicht: 1. war die Choreo von Seiten des USP weitaus arbeitsintensiver, kreativ umfangreicher und aufwendiger gemacht, 2. gab es nicht nur eine davon. Eine große Blockfahne gab es von beiden Seiten – aber eben auch noch mehr. 3. halte ich Pyro nicht für kreativ, sondern für gefährlich und dumm in einem vollen Block.

      Nimmt man mal die Pyroaktion weg, dann kann ich die Choreo der Frankfurter definitiv nicht als schlecht einstufen. Sie war so gesehen recht lustig. Wäre das mit dem unsinnigen Pyrokram eben nicht gewesen. Wertet man allein die Pyro und vergißt alles andere, dann haben die Frankfurter natürlich „gewonnen“. Diesen „Sieg“ habe ich ihnen auch zugesprochen. Ich habe es nur anders formuliert. 😉


2 Trackbacks/Pingbacks

  1. […] Auf einen anderen Punkt, den der Kleine Tod vermerkt (und der strukturell zumindest so anders nun auch wieder nicht ist), sei explizit noch hingewiesen: “Dem gegenüber möchte ich mal die unsägliche Werbeaktion für die noch freien B-Sitze auf der neue…“ […]

  2. […] würde ich mal trotz der alles andere als sympathischen Fans der Heimmannschaft, siehe auch https://kleinertod.wordpress.com/2010/11/01/vom-schiri-verpfiffen-von-den-fans-geliebt-der-fcsp-verli…, davon ausgehen, daß wir die Punkte dort auch lassen werden. Aber dann haben wir das schonmal […]

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