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Wenn man sich das Geschreibsel der Medien am heutigen Tag nach der Auswärtsniederlage in Stuttgart ansieht, dann könnte man meinen, daß der Aufsteiger FC St. Pauli beim Europa-League-Teilnehmer VfB Stuttgart der eindeutige Favorit war. Den bisherigen Ergebnissen bei Aufeinandertreffen, der grundsätzlichen spielerischen Stärke sowie dem Marktwert zum Trotz. Die Kurzsichtigkeit dieser Betrachtungsweise kann ich verstehen, wenn es sich, so wie am gestrigen Nachmittag, um ein kleines Mädchen handelt, welches ihren Vater neben mir im Knust fragte, auf welchen Platz denn der VfB stehe und auf die Antwort, es handele sich um den Tabellenletzten, die Schlußfolgerung zog, daß man dann ja gewinnen müsse. Von der schreibenden Zunft sowie auch den anderen Formen der Berichterstattung sollte mn hingegen schon einen kleinen Funken Sachverstand verlangen können – aber ich träume wohl nur wieder von einer besseren Welt. Egal.

Gestrauchelt ist unser magischer FC im Süden jedenfalls nicht, vielmehr hat er sich sehr achtbar verkauft und ist ein wenig unglücklich, allein wegen der Chancenverwertung dann aber wie immer bei entsprechendem Torverhältnis gerechtfertigt als Verlierer vom Platz gegangen. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Weder für die Mannschaft, noch den Trainer – und natürlich erst Recht nicht für uns Fans. Die Boys in Kupferbrown haben insgesamt gesehen alles gegeben – auch wenn es den einen oder anderen Ausfall aufgrund von Tagesformschwäche gab. Auch von den großen Chancen her wäre hier mehr drin gewesen. Das Chancenplus hatten wir ja eh auf unserer Seite, ebenso den Ballbesitz und die Zweikampfwerte – zählen tut in diesem Sport aber bekanntlich etwas anderes. Mit so einer Leistung als mehr oder weniger krasser Außenseiter auf diese Weise zu verlieren, das ist wahrlich kein Trauerspiel, sondern einfach hinzunehmen. Es geht ja auch bald wieder weiter und unsere 20 Punkte in der Hinrunde bzw. 40 Punkte insgesamt, die holen wir schon noch – jedenfalls ist nach wie vor sowohl alles möglich als auch ohne unrealistisches Wunschdenken machbar. Diese Truppe hat es drauf. Das hat man auch in Stuttgart gesehen, nur eben nicht auf der Anzeigentafel.

Der Latteneckknaller von Zambrano oder der Lupfer von Kruse hätten es wahrlich verdient, dort aufgelistet worden zu sein – aber es hat halt nicht sein sollen. Pech bzw. tolle Abwehrleistungen der Stuttgarter, auch in anderen Aktionen, waren an diesem Tag eben gegen uns. Auch der Schiedsrichter war bei einigen Situationen arg überlastet – wie er das klare Foul vor dem den Endstand herstellenden 2:0 nicht sehen konnte, das wird sich mir nie erschließen. Okay, der Kommentator bei Sky hat das auch nicht gesehen – der war aber eh ein derartig nervender VfB-Anhänger mit seiner einseitigen Sichtweise (beispielsweise wiederholter Forderung nach Roten Karten gegen den FCSP, Verteidigung nahezu jedes Pfiffes bzw. Anzweifeln jeder Entscheidung, solange es eben dem Vfb nutzte und so weiter – vom angeblichen „Ausrutscher“ mal ganz zu schweigen…), daß der Unsympath des Spieltages bei den Zuschauern im Knust recht schnell ausgemacht war. Allgemein sollte die Leute bei Sky mal bei der Berichterstattung dazulernen – und sich bei den Kollegen von Liga Total ein Beispiel nehmen, die stets objektiver und vor allem nicht immer zulasten unseres Vereines die Spiele kommentieren – es geht also. Naja, live dabei sein hat halt Vorteile und daran wollen uns diese Leute wohl nur immer wieder erinnern…

Die Stimmung im Stadion schien vor dem wie aus dem Nichts fallendem 1:0 ja wahrlich grausig gewesen zu sein, jedenfalls dann, wenn man es aus Sicht der Heimmannschaft bewerten wollte. Außer Unmutsbekundungen und den zahlreichen Unterstützern von unserer Seite war da kaum etwas herübergekommen. Erst nach dem überraschenden Treffer, der durch eine katastrophale Abwehrarbeit aus einer einfachen Ecke heraus fiel, fingen die Schwaben an, ihre Mannschaft zu unterstützen. Was bin ich froh, daß wir hier eine ganz andere Tradition haben! Positiv schien mir auch die Abwesenheit von jeglichem Pyro-Schwachsinn zu sein – jedenfalls konnte ich von meinem Stehplatz im Knust derartiges auf der Leinwand nicht erkennen.

Besonders hervorheben möchte ich, wieder einmal, die herausragende Leistung von Carlos Zambrano, der sich ja fast auch noch mit einem Tor des Monats selbst belohnt hätte. Die zwei Roten Karten, die der Kommentator ihm andichten wollte, waren in meinen Augen auch keinerlei verwarnungswürdige Situationen – jedenfalls nach meiner Sicht des Spiels und ohne Nachkontrolle der Fernsehbilder durch ein zweites Anschauen. Bei dem Foul an ihm hatte der Stuttgarter ihn (ob absichtlich oder nicht, ist hier auch egal) ins Gesicht gefaßt und Carlos hatte nur dessen Hand weggestoßen – also keine Tätlichkeit. Und als der andere Stuttgarter mit voller Wucht auf ihn draufgelaufen war, da hatte er in einer Art Notwehrreflex zum Selbstschutz den Arm ausgestoßen, nicht um den Spieler zu verletzen oder weh zu tun – für eine solche Aktion fehlte ihm auch jegliche Überlegungszeit, der kam viel zu schnell aus einer Drehung auf ihn zu. Also auch hier weder unsportliches Verhalten noch Tätlichkeit. Spielerisch hatte Carlos mal wieder alles abgeräumt, was möglich war, den Ball gut nach vorne getragen und war auch im Angriff fast schon einer der gefährlichsten Spieler – er war einfach überall. Und hatte für die ganzen 90 Minuten auch die Luft, in dieser tollen Leistung nicht nachzulassen. Dieses Sonderlob hat er sich redlich verdient!

Genauso verdient hat sich Gerald Asamoah aber auch das Gegenteil, denn was er da gestern ablieferte, das war grausig mit anzusehen und tat mir beim Zusehen fast schon weh. Nahezu jede Aktion ging daneben, er wirkte wie ein einziger Fremdkörper. Und wenn er mal in den Zweikampf ging, dann entschied der Schiedsrichter auch dann gegen ihn, wenn ein Pfiff anders herum ebenfalls vertretbar gewesen wäre. Stani hatte trotzdem sehr lange an ihn geglaubt und ihn nicht heruntergenommen – und fast hätte er mit den wenigen, halbwegs gelungenen Aktionen kurz vor seiner Auswechslung ja auch diesen Vetrauensbeweis gerechtfertigt. In meinen Augen war es aus mittelfristiger Sicht sicherlich richtig, Asamoah dieses aus Leistungssicht für ihn harte Spiel durchstehen zu lassen – aus derartigen Auftritten kann er lernen, daß die Unterstützung für ihn da ist und er die Gelegenheit erhält, sich durch gute Leistung selber noch aus der „Tageskrise“ zu ziehen. Solche Tage hat ja jeder Spieler mal. Und wenn es dann einen solchen potentiellen Leistungsträger wie Asamoah betrifft, dann kann man als Trainer eben auch mal abwarten, ob der Knoten nicht doch noch platzt. Aber eben nicht über 90 Minuten und folgerichtig kam die Auswechslung auch. Leider ohne, daß daraus dann ein Vorteil für uns erwuchs. Die Verteidung der Stuttgarter war eben auch nicht schlecht.

Tja, es hat dann eben mal wieder nicht gereicht. Aber auch diese Niederlage war wieder ein Spiel auf leistungsmäßiger Augenhöhe, so daß man sich um unseren FC St. Pauli in dieser Saison nach wie vor keine Sorgen zu machen braucht. Noch acht Spiele für die restlichen sieben Punkte in der Hinrunde stehen ja noch aus – und wenn das Restprogramm noch so stark ist, machbar bleibt dies nach wie vor!

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