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In den letzten Tagen hat Jekylla in ihrem hochgeschätzten Blog santapauli sehr treffende Worte über die Ticketproblematik des FC St. Pauli gefunden und eine spannende Diskussion über das Thema ausgelöst. Worum genau geht es? Ich gebe mal die entsprechenden Blog-Einträge wieder. Zur Einstiegslektüre – auch der Kommentare – empfehle ich: http://santapauli.wordpress.com/2010/07/22/the-age-of-the-inglorious/ wobei insbesondere der am Ende des Artikels eingefügte Verweis auf die juristische Situation sehr treffend ist. Als Konsequenz der Diskussion entstand ein offener Brief, der zusammen mit den Kommentaren ebenfalls studiert werden sollte: http://santapauli.wordpress.com/2010/07/23/offener-brief-und-mailvorlage-ticketpreise/. Eine erste Antwort vom FC St. Pauli kam auch schon – siehe http://santapauli.wordpress.com/2010/07/23/das-ticketproblem-die-antwort-vom-fcsp/ – doch das wird der Anfang und nicht das Ende der Diskussion sein, die ich mit meinen eigenen Ansichten nochmals kurz zusammenfassen möchte.

Jeder, der den FC St. Pauli nicht allein über das Fernsehen kennt, sondern auch selber zum Millerntor pilgert, dem werden die diversen Schwarzmarkthändler aufgefallen sein. Meist steht ein Helfer bereits auf oder vor der Treppe der U-Bahn-Stationen, mit einem Schild bewaffnet, ausweislich dessen nach Karten gesucht wird. Nur weniger Meter weiter stehen dann die ersten Händler, die – wie auch immer erworbene – Karten dann zu vollkommen überhöhten (also wesentlich teurer als beim Einkauf, zB durch den Helfer) Preisen an Interessenten zu verkaufen versuchen. Doch dies ist nur die sichtbare Seite des Problems, denn ein großer Teil des Marktes läuft über diverse Internetplattformen – nicht allein ebay – ab, wobei die Verkäufer mit der erworbenen Eintrittskarte zu mitunter mehreren hundert Prozent über dem Einkaufspreis – dem Verkaufspreis der Karte vom FC St. Pauli – das große Geschäft zu machen versuchen – und das auf Kosten des Fans. Denn bekanntermaßen ist es extrem schwer, irgendwie an eine Karte heranzukommen. Und es gibt offensichtlich Leute, die sogar nur aus diesem Grund eine Dauerkarte zu haben scheinen – um diese möglichst effektiv zu verwerten. Das verstößt nicht nur eklatant gegen die AGB des Vereins, es verstößt auch ebenso brutal gegen die Liebe der Fans zu ihrem Verein, die mitunter nur die Wahl haben, von Schwarzhändlern vollkommen überteuerte Karten zu erwerben oder aber draußen bleiben zu müssen. Es liegt im Interesse aller Fans, daß dagegen etwas getan wird. Und dieses betrifft nicht allein unseren Verein, sondern eben alle Fußballfans (und nicht nur die).

Der HSV (und auch Dortmund, aber nachfolgend berichte ich letztlich über Hamburger Gerichte (plus BGH) und damit vom HSV) hat sich durch eine besondere rechtliche Strategie positiv in den letzten Jahren hervorgetan. Durch die Einführung von Karten mit Namensfeld in Kombination mit besonderen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und einem eigenen Portal, in dem nach AGB allein die Karten gehandelt werden dürfen, konnten juristische Siege erzielt werden. Die Gerichte haben zumindest gegen eine Internetplattform ein Verbot der direkten Vermittlung ausgesprochen. Inwiefern davon auch Privatverkäufe betroffen sein werden, ob nun über ein Portal oder anderweitig, das wird sich wohl noch in weiteren Urteilen herausfinden lassen. Die Frage lautet: wieviel davon sollte unser FC St. Pauli übernehmen und wie sollte allgemein gegen Schwarzmarkthändler im Interesse der Fans vorgegangen werden?

Ersteinmal halte ich es für wichtig, daß sich keine Dritten an den Fans bereichern sollten. Ticketverkäufe sollten allein dem jeweiligen Verein in finanzieller Hinsicht dienen und nicht Schwarzmarkthändler bereichern. Je größer die Nachfrage ist und je geringer das Angebot – durch den Erstligaaufstieg sowie den Stadionumbau ist hier die Lage beim FCSP extrem verschärft – umso höher ist der Anreiz für Schwarzmarkthändler, an möglichst viele Karten zu gelangen um diese möglichst teuer weiterzuverkaufen. Wie viele der Personen, die nach Einzeltickets und auch nach Dauerkarten anstehen (so es denn welche gibt), haben auch vor, wirklich selber hinzugehen – und wie viele davon wollen nur Geld verdienen? Und wie kann man letztere möglichst abhalten?

Der Weg über AGBs ist natürlich wichtig, aber vor Gerichten höchst problematisch, insbesondere gegenüber Verbrauchern. Die Gerichte denken immer noch, daß sie im Interesse eines Verbrauchers entscheiden, wenn sie die AGBs eines Vereins möglichst umfassend beschränken bzw. jede Einschränkung der Rechte des Verbrauchers als unwirksam einstufen – und sehen dabei gar nicht, daß sie damit nicht den Fan-Verbrauchern, sondern allein den (gewerblichen) Geschäftemachern helfen. Der bislang vom FCSP eingeschlagene Weg ist wenig erfolgsverprechend. Der HSV ist hier viel weiter. Auch sehe ich kein Problem in der vom HSV gewählten Personalisierung der Eintrittskarten. Solange es keine Pflicht ist, in das Namensfeld einen Namen einzutragen, ist diese Variante ja absolut unschädlich, sie dient allein der rechtlichen Einordnung des Tickets.

Neben einem Entzug für Dauerkarteninhaber, die auf diese Weise mit der Dauerkarte Geld zu verdienen versuchen, sollte aber auch für eine möglichst lückenlose rechtliche Ausgestaltung der AGb und auch der juristischen Verfolgung von Verstößen gesorgt werden. Das Argument in der Antwort des Vereins, ich zitiere:

Wir werden die rechtlichen Möglichkeiten nutzen, müssen aber auch auf Kostenaspekte Rücksicht nehmen. Es ist z.B. sehr schwer, gegen jemanden die Vertragsstrafe durchzusetzen. Das kostet häufig mehr, als es einbringt.

übersieht leider die Folgen von nicht geahndeten Verstößen gegen die AGBs – zulasten der Fans. Natürlich kann nicht uferlos für rechtliche Maßnahmen vom Verein Geld ausgegeben werden. Aber man sollte nicht allein mit Geld bemessen, ob sich eine Verfolgung solcher Verstöße lohnt.

Was also wäre sinnvoll? Hier hat Jekylla vorgeschlagen, daß doch in der nächsten Mitgliederversammlung dieser Punkt angesprochen werden sollte. Absolut unterstützenswert. Es sollte dabei meines Erachtens ein Konzept erarbeitet werden – beispielsweise im Auftrag der Mitglieder durch eine Arbeitsgruppe – wie man am effektivsten (und auch kostengünstigsten) den Verkauf von Eintrittskarten in Zukunft regeln sollte, um Schwarzmarkthandel bestmöglich auszuschließen. Und ein entsprechender Antrag wäre doch etwas.

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