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Selten kann man einer Niederlage zum Ende der Saison, wenn es noch um etwas geht, etwas positives abgewinnen – und erwartungsgemäß zählt auch die Auswärtsniederlage gegen Greuther Fürth zu den Spielen, die man am liebsten schnell vergessen möchte. Nicht, weil die Mannschaft nicht ordentlich gespielt oder gekämpft hätte – das braucht man dem FCSP nun wirklich nicht abzusprechen. Aber die Gastgeber waren einfach überlegen und haben uns wie in der Hinrunde keine wirkliche Chance gelassen – der Anschlußtreffer zum 2-1 kurz vor dem Abpfiff kam viel zu spät und war letztlich reine Ergebniskosmetik. Diesmal konnten wir den Rückstand nicht wie bei den drei schnellen Gegentoren beim FSV Frankfurt zum 3-3 am Ende ausgleichen. Jetzt gilt es, auf die letzten Spiele der Saison zu blicken und die Hoffnung am Leben zu lassen, solange rechnerisch noch möglich ist, daß wir diese Saison auf dem (nicht von allen begehrten) Relegationsplatz beenden. Wohin die Reise für den FCSP geht, ist damit noch nicht entschieden in dieser Spielzeit. Von weitaus größerer Tragweite ist aber in meinen Augen die Frage, wie es mit dem Versuch der Polizei, Gästefans von Hansa Rostock am Millerntor auszuschließen, vor Gericht weitergehen wird – und wie die Gewalttäter-Sport-Datei in Zukunft zu behandeln sein wird.

Die Datei Gewalttäter Sport ist ja in ihrem Aufbau ein unerträgliches Konstrukt, welches rechtsstaatliche Gesichtspunkte vollkommen außer Acht läßt und eine unüberschaubar große Anzahl Unschuldiger enthält, die einfach nur in den Focus der Polizei geraten ist. Quasi zufällig da standen, wohin die Polizei überrraschend den Blick hingewendet hatte – im übertragenen Sinne reicht so etwas ja quasi schon aus, um in dieser Datei zu landen. Daß diese Datei dann die Grundlage für eine vergleichsweise Lösung sein sollte, siehe http://www.fcstpauli.com/magazin/artikel.php?artikel=11225&type=2&menuid=57&topmenu=112 bzw. http://www.rostockerjournal.de/sport/artikel/2012-04-15-keine-einigung-im-eroerterungstermin/, ist aus diesem Grund dann auch ein weiterer Skandal in der Reihe rund um die Spiele zwischen dem FCSP und Hansa Rostock.

Es würde jeden Rahmen sprengen, wenn ich auch nur ansatzweise alles aufzählen würde, was anläßlich jener Begegnungen schon alles an Aufregern passiert ist – beschäftigen müssen wir uns wegen der Polizei mit der im Raum stehenden Verbotsverfügung an den FCSP, welche jeglichen Kartenverkauf an Gästefans untersagt. Die Datei Gewalttäter Sport wurde erst im Wege eines Einigungsversuches eingebracht, gefährdet aber wie auch jene Verfügung die Zukunft des Fußballs in Deutschland enorm – denn wenn polizeiliche Willkürmaßnahmen unschuldige Fans davon abhalten, ihre Mannschaft bei einem Pflichtspiel zu unterstützen, dann haben wir eine unerträgliche Einflußnahme auf diesen uns sehr wichtigen Aspekt unserer Gesellschaft. Wie viel Macht wollen wir der Polizei in unserem Lande einräumen – und wie viel muß sich ein unschuldiger Bürger hier gefallen lassen?

Womit ich nicht der Polizei allein zum Sündenbock in dieser Konstellation ausrufen möchte – denn unbestreitbar haben wir bei diesem Spiel ein Problem mit den Fans, zumindest mit Teilen davon, und zwar auf beiden Seiten. Doch wenn die Polizei sich auch gegen absolut unschuldige Fans mit voller Absicht richtet, dann schießt das Sicherheitskonzept weit über das Ziel hinaus. Wobei das Ziel als solches auch gar nicht erreicht wird, wie man aus der beabsichtigten Demonstration von Rostockern am Spieltag in Hamburg sehen kann – http://mobil.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article2247243/Rostock-Fans-planen-Demonstration-durch-Hamburg.html – jetzt muß man sich mal den Supergau vorstellen, wenn Rostocker und Vorstadt-Hools das Jolly angreifen, während die FCSP-Fans im Stadion sind. Oder auch davor bzw. danach – die Straßenschlachten sind also vorprogrammiert und der Polizeieinsatz ist damit in gleichem Maße, wenn nicht sogar noch im größeren Maße notwendig, als wenn die Gästefans von vornherein ins Stadion gelassen würden. Hier kann man nur hoffen, daß das OVG vernünftig entscheidet und die Gäste hinein läßt.

Willkommen sind die Rostocker damit noch lange nicht am Millerntor, das ist ein ganz anderes Thema. Aber das, was jetzt zählt, das ist der Umgang der Polizei mit den Fans. Wer mehr Infos haben möchte, sollte sich den ausgezeichneten Artikel im Übersteigerblog durchlesen: http://blog.uebersteiger.de/2012/04/14/weiterhin-noch-keine-gastetickets-an-hansa-rostock/. Aber auch http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=6212 findet wieder treffende Worte. Auch dazu: http://www.stpaulinu.de/st-pauli-feature/das-rostock-st-pauli-dilemma-gemainsam-gegen-fanrechte-und-gegen-nazis-geht-das.

Ein Wiedersehen gab es in Fürth mit unserem Stadtderbyheld Gerald Asamoah, der sich nicht gerade für den Sympathiepreis bei uns mit seinem Treffer aber auch mit seinen Worten beworben hatte – siehe nur http://www.mopo.de/fc-st–pauli/-suendenbock-fuer-den-abstieg–asamoah-rechnet–mit-st–pauli-ab,5067040,14821870.html. Er ist und bleibt ein Spieler mit Ecken und Kanten, den man auch nicht unbedingt mögen muß – den Siegtreffer in der Vorstadt werde ich ihm trotzdem niemals vergessen. Und wenn er mit Fürth aufsteigen und in der 1. Liga kicken kann, dann wünsche ich ihm diesbezüglich alles Gute. Womit ich dieses Thema auch abhaken möchte. Also Asamoah. Vielleicht aber auch bald das mit der 1. Liga, doch noch ist es nicht soweit, auch wenn wir alleine das längst nicht mehr in der Hand haben.

Nun geht es ersteinmal darum, die Kogge zu versenken. DAS ist doch auch noch ein erreichbares Saisonziel und ich hoffe darauf, daß wir dieses auch umsetzen werden. Mit Gästefans am Millerntor. Und ohne Krawalle. Hoffnung, wohlgemerkt, stirbt zuletzt.

Nachtrag: laut dem abendblatt hat das OVG die Beschwerde zurückgewiesen. http://mobil.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article2248719/Kartenverbot-fuer-Rostock-Fans-bleibt-bestehen.html – das Gericht glaubt damit der Polizei, daß sich durch ein Gästeverbot Ausschreitungen verhindern lassen. Dabei ist eigentlich jetzt schon klar, DASS es zu diesen Ausschreitungen kommt. Der größtmögliche Supergau ist damit abzusehen. Verloren haben damit jetzt schon alle. Die Fans, St. Pauli, Hamburg und die friedlichen Bürger rund um das Millerntor, da diese sich auf eine noch heißere Schlacht einstellen müssen, als wenn die Rostocker hineingelassen worden wären. Jetzt wird es sicherlich erst richtig brennen. Was für ein Wahnsinn.

Nach dem Eilverfahren ist nicht nur vor dem Spiel, sondern auch vor dem Hauptverfahren. Und hier will der Verein weiter gegen die Verfügung kämpfen – zu spät für das Spiel selbst, aber ein wichtiger Kampf um das Prinzip. http://www.fcstpauli.com/magazin/artikel.php?artikel=11240&type=2&menuid=57&topmenu=112 – den weiteren Weg des FCSP unterstütze ich auch hier.

Warum das OVG hier trotzdem Hoffnungen auf das weitere Verfahren geweckt hat, kann man an der Auseinandersetzung mit den Gründen auf http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=6218 lesen – was nichts daran ändert, daß die bisherigen Ergebnisse im Eilverfahren nicht positiv sind für alle Fußballfans. Hier muß schon aus Prinzip weiter gegen angegangen werden. Es geht nicht um Hansa Rostock und auch nicht um den FCSP – FUSSBALL STIRBT MIT SICHERHEIT.

Ein weiterer Nachtrag: sehr schön hat das Abendblatt ausgeführt, warum die Polizeiverfügung für WENIGER Sicherheit gesorgt hat bzw. sorgen wird, als wenn die Gästefans ins Stadion gelassen worden wären: http://mobil.abendblatt.de/sport/fussball/st-pauli/article2249139/Es-bleibt-dabei-Keine-Rostock-Fans-am-Millerntor.html?emvcc=-3 – die unkontrollierte Anreise einer großen Zahl von Hansa Rostock Fans, die Solidarität weiterer Fanszenen, eine damit verbundene Wut auf die Polizei und die vorhandene Rivalität, zudem die unüberschaubare Situation rund um eine wie auch immer genehmigte Demonstrationsroute in Verbindung mit einer etwaigen Auflösung oder Absplitterung einzelner Gruppen von einer friedlichen Demo erhöhen das Risiko von Krawallen, in keinem Fall werden diese durch das Verbot also gemindert. Ob es knallen wird oder nicht, wird nichts mit der Verbotsverfügung zu tun haben, ein Polizeieinsatz in größerer Zahl ist trotz des Verbotes unausweichlich. Ein Pyrrhussieg für die Polizei? Vermutlich. Seltsamerweise hat aber gerade diese unsinnige Polizeiverfügung dazu geführt, daß die Vereine – wohlgemerkt, nicht die Fanszenen – positiver miteinander und übereinander kommunizieren (wobei dies ja nie das Problem war): http://www.fc-hansa.de/index.php?id=154&oid=26611 – ob die Fans aus Rostock das zu würdigen wissen, kann man getrost in Zweifel ziehen. Insbesondere deren Problemfans, die ja das Krawallpotential bieten, wird das nicht beeindrucken – und umgekehrt auf unserer Seite auch nicht sowie die von anderen Vereinen. Was auch immer am Spieltag abgehen wird – die Sicherheit ist durch die polizeiliche Maßnahme in größerer Gefahr als vorher. So haben alle jetzt schon verloren.

Und noch ein weiterer Nachtrag: ein Aufruf von USP, sich ab 11 Uhr auf dem Südkurvenvorplatz zu treffen unter http://basch.blogsport.de/2012/04/18/wenn-das-der-frieden-ist-muss-man-den-krieg-nicht-noch-erfinden/ – inwieweit der freiwilligen Verzicht auf das Spiel und das Verbleiben dort und in der Umgebung als Protest gegen die Polizeimaßnahme draußen vor dem Stadion etwas damit zu tun hat, daß die Demo der Hansa Rostock Fans hierhin in dieser Zeit führen soll, sei mal dahingestellt. Ich persönlich werde es mir nicht nehmen lassen, im Stadion zu protestieren und dabei die Mannschaft zu unterstützen, auch wenn ich die Gründe für einen solchen (hoffentlich bei uns friedlichen) Protest vor dem Millerntor nachvollziehen und nicht kritisieren möchte. Eines dürfte aber durch diese Aktion deutlich geworden sein: das Chaos ist, wie abzusehen war, weitaus größer, als wenn die Gästefans ins Stadion gelassen worden wären.

Ein Argument für die Draußen-bleiben-Aktion ist aber sicherlich, daß ein halbleeres Stadion wahrlich eine mediale Außenwirkung erzielen würde, die bei Protesten davor und danach nicht im gleichen Maße erreicht würde. Ob ich mich nicht doch umentscheide und spontan draußen bleibe, weiß ich also auch noch nicht und werde mir das offen halten, auch wenn die Tendenz dahin geht, während der 90 Minuten im Stadion zu sein. Nur eines ist für mich klar: Protest gegen die nicht hinzunehmende Polizeiverfügung muß sein an diesem Tag. Bitte lesen: http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=6224 – wieder mit einem sehr wichtigen Beitrag zum Thema.

Weiter geht es übrigens hier, genug der Nachträge: http://kleinertod.wordpress.com/2012/04/20/auf-fcsp-zum-friedlichen-protest-gegen-den-sicherheitswahn/.

6 Comments

  1. Schön geschrieben. Fürth hat wirklich klasse gespielt und zu Recht gewonnen. Asamoah wünsche ich von Herzen alles Gute, auch wenn ich seinen Kommentar unglücklich und unnötig fand. Ach, und ob wir noch einen Relegationsplatz schaffen: Alles dafür einsetzen, na klar. Traurig, wenn wir es nicht schaffen, keinesfalls.

    Was Kogge, Datei und Aussperrung angeht, bin ich noch ziemlich indifferent (sportlich versenkt gehören sie jedoch, da gibt es keine zwei Meinungen ;-)).

    Natürlich ist sowohl der Fan-Ausschluss, als auch die Datei unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten unerträglich. Wobei ich nicht die Datei an sich meine, sondern ihre Handhabung! Ich finde Stadionverbote für Hooligans völlig in Ordnung!

    Die Fragen, die sich mir stellen, sind: Lässt sich annähernd quantifizieren, wie hoch der Anteil zu Unrecht in die Datei aufgenommener Fans ist (ich weiß, dass allein diese Frage für einige schon unfassbar ist, ich stelle sie trotzdem)? Ist das eher die Regel oder vielleicht doch, trotz fehlender Rechte, eher die Ausnahme?

    Daraus abgeleitet: Lässt es sich tatsächlich rechtfertigen, sich aus prinzipiellen Erwägungen mit den Rostockern zu solidarisieren, wissend, dass ohne dieses Datei-Kriterium ungleich viel mehr Scum ins Stadion pilgert, wenn dies denn zugelassen wird? Und dass, als Kehrseite der Medaille, friedliche Fans, Familien, Kinder, u.s.w., wegen genau dieses Scums, der (völlig irrelevant, ob er auch Fan sein mag) den Fußball für seine Gewaltfantasien und unerträgliche politische Propaganda missbraucht, wenn also friedliche Fans derentwegen zu einem solchen Spiel lieber/besser zu Hause bleiben? Wäre der von den Rostockern abgelehnte Kompromiss, bei aller Schiefheit und Bauchschmerzen, nicht dennoch vertretbar gewesen angesichts der Tatsache, dass die Nachteile ohne den Kompromiss ggf. so viel größer sind, quasi als geringeres Übel?

    Den Gästeblock vorsorglich komplett zu sperren geht so nicht, keine Frage. Ob der Kompromiss aber wirklich so unannehmbar war wie einige behaupten, da bin ich mir nicht abschließend sicher. :-/ Leider scheint schon jetzt sicher: Das dürfte ein sehr ungemütliches Wochenende werden. F*ck you Hooligans, f*ck you Nazi-Bastards!

    • Das Problem mit der Datei Gewalttäter Sport ist ja gerade, daß sie sogar nach Auskunft der Polizei eine Vielzahl von unschuldigen Fußballfans enthält. Mir ist nicht bekannt, ob es über deren Anteil eine Statistik gibt, wobei die Frage, ob eine solche Statistik auch glaubhaft wäre, noch hinzukommen würde. Ungerechtigkeit kann man aber auch nicht statistisch lösen, denn wenn eine Datei fehlerhaft ist, dann ist sie als solches nicht verwertbar, wenn man den Gerechtigkeitsgedanken auch nur ansatzweise verfolgen will. Ungerechtigkeit reduziert sich nie auf eine statistische Größe – der betroffene Einzelfall muß immer mit 100% Ungerechtigkeit auskommen.

      In der Datei kann man ja sogar landen und bleiben, wenn die Unschuld zu 100% erwiesen wurde – denn das ist gar kein Kriterium. http://www.profans.de/gewalttater-sport zählt wirklich deutlich auf, was da alles nicht stimmt.

      Der – vernünftige – Vorschlag von Seiten der Rostocker vor Gericht bzw. deren Anwälten lautete ja, daß nur die Fans ausgeschlossen werden sollten, die ein Stadionverbot aufgebrummt bekommen haben – wobei wir quasi bei den festgestellten Problemfans wären. Dies wollte die Polizei dann offensichtlich nicht.

      Natürlich habe auch ich überhaupt keine Lust auf Nazi-Hools bei uns. Nur wenn man vor die Wahl gestellt wird, ob man diese während des Spiels überwacht im Stadion oder aber lieber randalierend im Jolly haben möchte, dann wird leider deutlich, daß sich das Problem auf diese Weise nicht lösen läßt.

      Eine Fanszene kann sich nur aus sich selbst heraus bessern. Überführte Straftäter gehören in dem verdienten Maße (Einzelfall beachten) aus den Stadien verbannt. Ob auch noch nach Ablauf eines Stadionverbotes bei einem solchen Fall ein Ausschluß erfolgen sollte, müßte im Einzelfall diskutiert werden (bei einem Becherwerfer würde ich beispielsweise anders entscheiden als bei einem Schläger und so weiter, aber ich muß hier auch nicht entscheiden).

      Solidarisieren will und werde ich mich nicht MIT Rostockern, sondern GEGEN eine ungerechte Polizeiverfügung.Aber auch GEGEN diese Datei Gewalttäter Sport, denn die gehört an den Pranger und abgeschafft. Man könnte sie durch eine neue gerne ersetzen, wenn sichergestellt wäre, daß niemand zu Unrecht hineingerät und auch nur für die jeweils angemessene Zeit darin verbleibt. Solange dies nicht der Fall ist – und dem ist bis heute nicht so – ist diese Datei keine Grundlage für eine akzeptable Lösung, da sie eben nicht akzeptabel ist.

      Relegation wäre hingegen akzeptabel, muß aber auch nicht wirklich sein. Es sei denn, es geht doch gegen die Vorstadt. Wobei ich natürlich so oder so Feuer und Flamme wäre, wie bei jedem Spiel und erst Recht natürlich dann. Aber ich bin mit der Liga 2 sehr zufrieden. Hoffenheim, Augsburg, Leverkusen, Fürth und vielleicht noch Paderborn – das klingt doch nach Höchststrafe. Erinnert mich etwas an die Zeiten in Liga 3 mit den Spielen gegen 2. Mannschaften… ;)

  2. Hmm, hmm…

    «Überführte Straftäter gehören in dem verdienten Maße (Einzelfall beachten) aus den Stadien verbannt.»

    Keine Frage, ja. Dann aber ist er nicht im Gästeblock — und prinzipiell frei, vorm Jolly zu randalieren. Weswegen…

    «Nur wenn man vor die Wahl gestellt wird, ob man diese während des Spiels überwacht im Stadion oder aber lieber randalierend im Jolly haben möchte, dann wird leider deutlich, daß sich das Problem auf diese Weise nicht lösen läßt.»

    … halt schwierig ist. ;)

    Wenn Wichser randalieren wollen, tun sie es. Ob im Stadion oder außerhalb, ob mit oder ohne Stadionverbot. (Wenn sie sich auf der grünen Wiese treffen und sich untereinander prügeln würden, wäre mir das alles sogar komplett egal. Müsste sich doch ‘n Acker hinter Pinneberg finden lassen…)

    «Ungerechtigkeit kann man aber auch nicht statistisch lösen, denn wenn eine Datei fehlerhaft ist, dann ist sie als solches nicht verwertbar, wenn man den Gerechtigkeitsgedanken auch nur ansatzweise verfolgen will.»

    An der Stelle bin ich vielleicht weniger radikal (oder naiv, das will ich gar nicht ausschließen). Es gibt ungerechte, falsche Urteile. Deswegen käme aber niemand auf den Gedanken, das Rechtssystem oder Gefängnisse abzuschaffen. Was ich meine, ist: Ja, die Datei ist so nicht okay und gehört dringend reformiert. Und verdammt noch mal auf rechtsstaatliche Füße gestellt. Aber möglicherweise (und das vermag ich halt nicht zu beurteilen) wäre sie in diesem Fall als Maßstab dennoch das geringere Übel gewesen. Denn die Alternative, Fans der Kat. B und C im Stadion zu wissen, halte ich nicht für die bessere. Beides sind schlechte Alternativen. Die Frage ist: Welche ist denn in diesem speziellen Fall die weniger schlechte?

    Und mache dir nichts vor: «Solidarisieren will und werde ich mich nicht MIT Rostockern, sondern GEGEN eine ungerechte Polizeiverfügung.»

    Das könnte um das Spiel herum und vor’m Jolly eine ausgesprochen theoretische Trennung sein. Die ich im Kopf nachvollziehe (also nicht gegen die Polizei, aber gegen deren Entscheidung der kompletten Aussperrung), aber in der Praxis? Ich mein: Stelle dir das doch bitte vor vorm Jolly, mit Rostockern, Vorstadt-Hools und Wasserwerfern: Wo genau ziehst du nun welche Grenze?

    Klar, ein „Purist“ (also jemand, der die Datei als Ganzes im Schredder wissen will) wird mit meinen Überlegungen vermutlich sowieso nix anfangen können. Aber wie gesagt, vielleicht bin ich auch naiv, ich schließe das nicht aus. In jedem Fall bin ich mir bei diesem Thema sehr, sehr unsicher (was nicht sooo häufig vorkommt ;)).

    • Natürlich können die Hools mit Stadionverbot auch während des Spieles randalieren – aber sie sind zahlenmäßig schon eine ganz andere Nummer, als wenn alle Rostocker mitsamt Vorstadtanhängern draußen demonstrieren (und auch Streß machen). Fakt ist jedenfalls daß es KEINE Lösung für das Problem gibt. Ein Sicherheitsrisiko besteht IN JEDEM FALL. Womit die Verfügung keinerlei Sinn macht.

      Solche Spiele sollte man allerdings auch nicht – als radikale Lösung – abschaffen, hier sollte die Fanarbeit intesiviert werden, auch die interne einer Fanszene. Und hier sind die betreffenden gefragt, aber auch die Vereine. Lösungen in dieser Hinsicht will und brauche ich hier nicht zu präsentieren. Was aber in keinem Fall geht, das sind Verbote, mit denen eine nicht existente Sicherheit vorgetäuscht werden soll. Erreicht wird diese in keinem Fall.

      Die Datei Gewalttäter Sport ist nicht mit einem gerichtlichen Urteil zu vergleichen – eine gerichtliche Kontrolle findet ja gerade nicht statt. Sicher kann auch ein Richter fehlgehen – aber, wie heißt es so treffend? Es gibt einen Schutz DURCH den Richter, nicht VOR dem Richter. Die Datei hingegen stellt die davon Betroffenen vollkommen schutzlos. Man kommt da leicht und ohne Grund hinein, aber eben nicht so ohne weiteres wieder hinaus. Richterliche Kontrolle? Fehlanzeige. Und all das kann und darf nicht sein. Man stelle sich nur vor, daß man um sein Leben fürchten muß, wenn ein Hool auf einen losgeht – und die Polizei nimmt nur die eigenen Daten auf, da der Hool geflüchtet ist – hinein in die Datei kommt somit das Opfer. Klasse Datei, oder?

      Die Datei enthält keine Aussagekraft darüber, ob jemand mit berechtigten Gründen dort aufgeführt wird und genausowenig sagt sie etwas über die Kategorien B oder C aus. Denn das sind nur anlaßlose Verdächtigungen der Polizei, die nicht überprüfbar sind – ich verweise nur auf mein obiges, konstruiertes Beispiel.

      Was die Kategorien betrifft, da ist die B sowieso so eine Sache. Die Polizei versteht ja schon zur Notwehr bereite Fans als der B-Kategorie zugehörig. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von den im Gesetz verankerten Rechten, nicht von Rechtsverletzungen. Was nicht heißen soll, daß ich jetzt jedwede Gewalt rechtfertigen will – aber man sollte den Einschätzungen der Polizei gegenüber mißtrauisch bleiben und diese nicht einfach so für bare Münze nehmen. Die Polizei beispielsweise sieht sich ja auch immer als unschuldig an und versucht die Schuld auf andere zu schieben – http://www.amnesty.de/themenbericht/polizeigewalt-im-brennpunkt sowas gibt es ja leider auch.

      Die Datei Gewalttäter Sport hilft nicht weiter. Die Bezugnahme auf Stadionverbote aber schon. Oder auch auf andere Verurteilungen, nicht nur Beschuldigungen, von mir aus – aber nicht auf solche Grundlagen.

      Ich kann gleichzeitig gegen Nazi-Hools und gegen die Polizeimaßnahmen allgemein gegen Fans sein – da sehe ich keinerlei Widerspruch. Natürlich bin ich dafür, daß die Polizei ihre RECHTSTAATLICHE Aufgabe auch wahrnimmt und Krawallmacher mit den dafür vorgesehenen Mitteln behandelt und friedliche Bürger sowie das Jolly und andere Orte schützt. Es darf jedoch keinen “Schutz um jeden Preis” geben – das wäre totalitäres Denken und nur in der Theorie zielführend. Gewalt kann und wird man niemals vollkommen verhindern können, da diese einfach menschlich ist. Leider. Ich bin gegen Nazis, krawallmachende Hooligans und ich bin gegen eine sich gegen friedliche Fans wendende Polizei. Wo ist da ein Widerspruch? Da ist auch keine Grenze zwischen. Alles geht gemeinsam gut zusammen.

  3. “Dabei ist eigentlich jetzt schon klar, DASS es zu diesen Ausschreitungen kommt.”

    So wurde das Ganze schön zusammen gefasst. Aus diesem Grund sollte Fußballchaoten auch viel härter bestraft werden. Bereits straffällig gewordene Hooligans sollten konsequente Meldeauflagen bekommen und wenn sie diese nicht befolgen, wandern sie ab in den Knast. Es kann ja nicht angehen, dass man jetzt eine logisch begründete Verfügung zum Anlass nimmt, zu randalieren. Es bleibt zu hoffen das die Staatsmacht am Spieltag mit aller Härte gegen die anreisenden Hooltras vorgeht. Der ein oder andere scheint wohl vergessen zu haben, dass es kein Anrecht auf Leuchtraketen, die in andere Blöcke geschossen werden, gibt. So geschehen im Hinspiel in Rostock, wo das ganze Stadion diese Verbrechen gefeiert hat. Zum Glück werden wir gewinnen und das Pack steigt dann in die Niederungen der dritten Liga ab, dann sind wir hier diese gewaltgeilen Hooltras erst einmal wieder los.

    • Mit Logik kann man alles begründen, selbst das größte Unrecht – das allein ist kein Kriterium. Die Verbotsverfügung wurde erlassen und im Eilverfahren gerichtlich bestätigt mit der Begründung, daß anders Krawalle nicht zu verhindern seien – und nun werden diese TROTZDEM kommen, womit die Begründung ad absurdum geführt wurde.

      Es geht hier nicht darum, ob Fußballfans randalieren dürfen – das darf niemand. Es geht auch nicht um Hansa Rostock oder Sankt Pauli. Es geht darum, inwieweit die Polizei in dieser Gesellschaft rein auf Verdacht Verbote erlassen kann. Damit kann eigentlich jedes Fußballspiel irgendwann ohne Fans per Polizeiverfügung gestaltet werden – mit nahezu der gleichen Begründung. Laut OVG stehen da das finanzielle Interesse des Veranstalters gegen das weit überragende Sicherheitsinteresse der Gesellschaft – mit so einer Perspektive geht alles an Verboten immer durch. Gefällt mir überhaupt nicht.


3 Trackbacks/Pingbacks

  1. By FCSP : hro Vorbericht « on 18 Apr 2012 at 9:41 nachmittags

    [...] magischerfc kleiner tod [...]

  2. [...] – doch es ist nach wie vor noch einiges zu erzählen, weswegen ich meinen letzten Beitrag http://kleinertod.wordpress.com/2012/04/16/wohin-geht-die-reise-gastefans-datei-gewalttater-sport-un…, auf den ich zum Thema allgemein erstmal verweisen möchte, nicht einfach noch einmal ergänzen [...]

  3. [...] und http://kleinertod.wordpress.com/2012/04/16/wohin-geht-die-reise-gastefans-datei-gewalttater-sport-un…, haben wir zwar nicht wie geplant pünktlich geschafft, aber auch bei knapp einer halben Stunde [...]

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