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Die Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli im Jahre 2011 war außerordentlich gut besucht – wenn es schon keine außerordentliche gab, wie von den Sozialromantikern Anfang um den Jahreswechsel herum angedroht. Und doch schwebte der Geist der Bring Back Sankt Pauli Idee über dieser JHV, was sich nicht nur in einigen Anträgen ausdrückte, sondern auch an der roten bzw. Rot enthaltenen Kleidung vieler der Anwesenden. Durchgegangen sind nicht alle dieser Anträge, so ist eine der Hauptforderung auf Teilrückbau der Business-Seats gescheitert – und doch ist er nicht umsonst gestellt worden.

Daß es eine Marathonsitzung werden würde, war angesichts der Ereignisse im vergangenen Jahr allen klar – auch dem Präsidium. Daß für die JHV ein Tag in der Woche gewählt wurde, war somit in diesem Sinne nicht nur unangemessen, dahinter steckte offensichtlich auch ein Motiv – Diskussionen aufgrund der späten Abendstunde möglichst zu vermeiden und auch etliche Interessierte von außerhalb vom Besuch abzuhalten. Letzteres funktionierte zum Glück nicht, denn die Motivation aufgrund der Vorgeschichte war bei vielen gerade so hoch, daß sie trotzdem gekommen sind. Daß hieraus vom Präsidium abgeleitet wurde, daß die hohe Besucherzahl an dem von ihm gewählten Termin lag, war eine Frechheit. Eine von vielen an diesem Abend und nicht nur dann.

Der Antrag, zukünftig eine JHV nicht mehr unter der Woche abzuhalten, wurde zwar von der Mitgliederversammlung abgelehnt, doch auch in diesem abgelehnten Antrag war die offene Kritik am Präsidium herauszulesen. Zufriedenheit in der Fanszene mit der Arbeit des Präsidiums erkennt man auch an den gestellten Anträgen in einer JHV – und ob diese Signale von der Vereinsführung verstanden wurde, darf man getrost bezweifeln. Der wirtschaftliche Erfolg, der sich vor allem aus der Erstligateilnahme erklärt, mag einige an diesem Abend darüber hinweggetäuscht haben, doch noch stand kein direkter Abwahlantrag auf dem Programm…

Sehr schön fand ich nicht nur die versammelte Bezugsgruppe, die zum Teil enorme Strecken hinter sich gebracht hatte, um an diesem Abend dabei sein zu können (an dieser Stelle meine Hochachtung in Richtung Jekylla, diePauliane und auch die anderen Auswärtigen – die wahren Helden der JHV!), besonders gelungen ist auch deren informative Aufarbeitung der JHV, auf die ich nachfolgend verweisen möchte. Die Artikel http://stpauli.nu/st-pauli-feature/jhv-des-fc-st-pauli-im-cch-ein-hauch-von-sozialromantik, http://metalust.wordpress.com/2011/11/23/gunkel-for-president-von-zahlensalaten-drohkulissen-auf-halber-strecke-sich-in-die-busche-schlagen-und-trotzdem-einem-richtig-guten-gefuhl/ und http://santapauli.wordpress.com/2011/11/23/transparenz-schafft-vertrauen-das-prasidium-des-fcsp-aber-nicht-jhv-22-11-2011/ empfehle ich jedenfalls zur weiteren Lektüre.

Da bereits viel zu dem Thema geschrieben wurde, möchte ich hier vor allem zu dem mit einfacher Mehrheit abgelehnten Antrag auf Teilrückbau der Business-Seats auf der Haupt, siehe http://www.fcstpauli.com/pics/medien/1_1320426073/Plan_zum_Antrag_HT.pdf bzw. http://www.fcstpauli.com/pics/medien/1_1321446480/antraege161111.pdf, eingehen. Denn hier wurde die immer wieder eingesetzte Methode des Präsidiums, mit unliebsamen Anträgen umzugehen, besonders deutlich. Einfach das Schreckensszenario von großen Verlusten in den Raum werfen und dann noch auf irgendwelche Verträge zu verweisen, die dem entgegenstehen würden – das reicht fast immer aus, um jegliche Mitbestimmung durch das oberste Organ des Vereines, die Mitgliederversammlung nämlich, auszuhebeln. Immer wieder werden diese Argumente einfach so geschluckt, obwohl die präsentierten Zahlen nichts weiter als leicht zu durchschauende Phantasiegebilde sind.

So wurde von einem riesigen Verlust gesprochen, den dieser Teilrückbau pro Saison einfahren würde – in Liga zwei sollte dieser beispielsweise EUR 160.000,00 betragen. Auch auf den Hinweis hin, daß es hier um 422 Plätze gehe und in dieser Saison 700 Business-Seats zu Normalpreisen verkauft wurden, wurden die angeblichen Verlustzahlen nicht korrigiert. Nochmal: 700 nicht verkaufte BS werden in dieser Saison zu EUR 50 verkauft, das ist der Ist-Zustand. Wenn man, nach Rechnung des Präsidiums, von diesen 700 Plätzen 422 davon zu EUR 50 verkaufen würde (und den Rest natürlich auch zu 50), dann mache dies EUR 160.000,00 Verlust in der Zweitliga-Saison? Adam Riese ist offensichtlich nicht beim FCSP.

Aber auch die angeblichen EUR 700.000,00 Verlust in einer Erstliga-Saison kann ich dem Präsidium so nicht abkaufen, ebensowenig wie die 93%-tige Auslastung der BS in der Vorsaison. Nachprüfen kann man diese Auslastungzahl nicht, doch wenn man bedenkt, daß wir im Schnitt um die 500 nicht verkauften Plätze in Liga 1 hatten und zudem auch dort schon die BS zu geringeren Preisen angefangen wurden anzubieten, dann drängt sich mir doch der Verdacht auf, daß auch die kostengünstigen, also zu Normalpreisen verkauften BS in die Auslastungqsquote von 93% mit eingeflossen sind. Anders kann ich mir jedenfalls diese Zahl nicht erklären – die angeblichen Verlustzahlen sowieso nicht. Hauptsache, eine große rote Zahl wird drohend in den Raum geworfen – das verfehlt ja nie die beabsichtigte Wirkung…

Doch gab es ja auch noch andere Gründe, die gegen den Antrag aus Sicht manch eines Mitgliedes gesprochen haben mögen – beispielsweise, daß der Rückbau allein die Haupt betraf und dem Wunsch, irgendwann die BS auf der Süd abzuschaffen oder zumindest zu reduzieren, im Wege stehen könnte. Was auch immer die Mitglieder bewegt haben mag, gegen den Antrag zu stimmen, die Entscheidung ist gefallen und somit zu akzeptieren. Was ich aber nicht akzeptieren kann, das sind solche Vorgehensweisen vom Präsidium und deswegen hierzu die obigen Worte. Wenigstens wissen wir nun, daß wir noch zwanzig Jahre an die Verträge mit Banken und der Stadt gebunden sind – zumindest nach mündlicher Angabe des Vereinsvorstandes, weiteres dazu vielleicht ja bald bei Jekylla, die die Verträge einsehen möchte. Könnte spannend werden.

Durch ging zum Glück auch der Antrag, die A und B-Jugend aus dem Profibereich herauszunehmen – alles weitere dazu hatte ich bereits unter http://kleinertod.wordpress.com/2011/10/04/schreiber-demo-fcsp-siegt-auswarts-in-cottbus-und-afm-versammlung/ zur AFM-Versammlung geschrieben.

Ebenfalls eine Forderung der Sozialromantiker betraf ja das Ende der Susi-Loge mit dem Stangentanz, was zu amüsanten Redebeiträgen führte. Dazu auch nochmal mehr bei http://pathos93.wordpress.com/2011/11/24/kein-beachvolleyball-am-millerntor-mehr/ und auch bei den oben schon verlinkten Blogbeiträgen.

Nahezu ganz am Ende dann noch ein weiteres Highlight des Abends, als mit scharfen Worten die Vorgehensweise des Präsidiums angegriffen und dann doch am Ende der Rede der Antrag zurückgenommen wurde. Herrlich! Und nachzulesen hier: http://lichterkarussell.net/problemfelder-und-vollendete-tatsachen/.

So endete eine aufregende JHV – und auch in meinen Augen die Hoffnung, daß in absehbarer Zeit ein Teilrückbau von BS auf der Haupt eine Chance haben wird. Für die Süd könnte es ganz anders aussehen und ich hoffe sehr, daß dort irgendwann auch mal ein Antrag kommt. Denn die Forderungen der Sozialromantiker sind nach wie vor nicht alle erfüllt und der Kampf um das Sankt Pauli, welches die Jolly Rouge schwenkende Fanseele haben möchte, ist noch nicht vorbei.

Nachtrag: hier noch eine weitere lesenswerte Sicht auf die JHV aus FCSP-Fan-Bloggersicht: http://quotenrock.wordpress.com/2011/11/29/fcsp-jhv-mv-bademodebeachvolleyball422-business-seats-ein-trauriger-exkurs-leider/.

Ausführlichst zur JHV siehe auch den schönen Bericht bei http://www.magischerfc.de/wordpress/?p=5954.

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12 Comments

  1. Moin, ich mag Business Seats auch nicht und würde gerne weniger sehen – trotzdem sind die Zahlen der Geschäftsführung zumindest halbwegs glaubwürdig. Die 700 freien BS gab es anscheinend bei einem St.Pauli-Heimspiel. Davon kann man nicht darauf schließen, daß die Quote immer so schlecht war, bei manchen wurden offensichtlich deutlich mehr als “echte” BS verkauft, manchmal kamen nur sehr viel weniger “Plätze der höchsten Kategorie” in den Verkauf – und das in der 2. Liga.
    In Anbetracht der hohen Verschuldung und des demnächst stark erhöhten Platzangebots auf der Gegengerade ist eine flexible Lösung ggf. wirklich für die nächste Zeit vorteilhaft, so sehr die Dinger auch nerven. Ein etwas flexiblerer Antrag für eine der nächsten JHV wäre wahrscheinlich der beste Weg.

    • Die Zahl von 700 als nicht verkaufte BS zu normalen Sitzplatzpreisen in den Verkauf gehenden Plätze stammt von Anfang dieser Saison und betraf jeweils drei Begegnungen. Daraus kann man sehr wohl schließen, daß nicht alle BS verkauft wurden und eben diese 700 – sogar wohl etwas mehr als diese, denn die Zahl ist verdächtig gerade – nicht zu BS-Preisen verkauft wurden.

      Sonst wurden keine Zahlen veröffentlicht und auch diese 700 sind nach einiger Zeit auf 600 heruntergeschraubt worden, wohl, nachdem bereits 100 davon weg waren – aber so noch auf der HP zu finden. Bislang hatte der Verein jede Zahl zu nicht verkauften BS zurückgehalten – ist es ein Zufall, daß, je weniger zugegeben wird, umso schlechter man mit Zahlen argumentieren gegen das Präsidium und die BS argumentieren kann? Offensichtlich mehr wurden die BS damit nicht verkauft – nur eben die Plätze, eben nicht zu Normalpreisen. Offensichtlich sind ja leider die Verkaufszahlen nicht, besetzte Plätze lassen ja nicht darauf schließen, zu welchen Preisen diese weggingen.

      Für die nächste Zeit, vielleicht sogar 20 Jahre, wäre die flexible Lösung wohl auch bei Annahme des Antrages die einzige Lösung gewesen – der Antrag zielte ja nicht auf einen sofortigen Umbau ab. So wurde ein wichtiges Zeichensetzen verpaßt – und eine deutliche Aussage zugunsten von BS von der Versammlung gemacht. Flexibler als dieser Antrag würde letztlich bedeuten, daß sich die Vereinsführung noch weniger um eine Umsetzung kümmern würde als bei diesem Antrag absehbar – das Präsidium will die BS. Und keine Mitsprache der Mitglieder in diesem Punkt.

      Durchgehen würde wohl allerhöchstens ein Teilrückbauantrag auf der Süd mit den Stimmen von USP und co – ich gebe jedenfalls die Hoffnung darauf nicht auf, daß wir irgendwann nicht mehr mit diesen BS in der extremen Zahl leben müssen.

  2. Ich seh das ähnlich wie astro, vor Fertigstellung des Stadions halte ich eine Diskussion über den Rückbau für verfrüht. Eventuell wird die Situation dort noch dramatischer wenn die Gegengerade steht, aber so bleibt abzuwarten ob wir bei der vergrößerten Kapazität auch immer die volle Auslastung erreichen, und welche Plätze dann leer bleiben. Dann erst sehe ich eine realistische Chance, dass so ein Antrag durchkommt.
    Leider konnte ich selber diesmal nicht teilnehmen, aber insgesamt kann ich mit den Ergebnissen ganz gut leben, Susi ist weg und bei der GG wird scheinbar auch an den Schwachpunkten gefeilt.
    Das Vorgehen des Präsidiums in letzter Zeit, gerade vor der JHV, fand ich auch nicht sonderlich erheiternd, aber wenn das Ziel tatsächlich eine geringere Beteiligung kritischer Mitglieder gewesen sein sollte, dann ist das offensichtlich gescheitert. Letztes Jahr waren es auf einem Sonntag (ok, für auswärtige Mitglieder auch nicht ideal) gerade mal die Hälfte. Dazu noch ließ sich von Seiten des Vorstands kaum ausrechnen, wie viele, und vor allem welche, stimmberechtigten Mitglieder dort auftauchen. Die Theorie der versuchten Beeinflussung steht da meiner Meinung nach auf etwas wackeligen Füßen. Und was die vorgelegten Zahlen betrifft, warten wir doch einfach mal ab was Jekylla da zu Tage fördert.

    • Es mag wirklich nicht der richtige Zeitpunkt gewesen sein, aber vielleicht wird dieser auch nie kommen – denn die Argumentationskeule “großer Verlust!” wird immer ziehen und ich sehe daher keine realisitischere Chance auf Annahme eines solchen Antrages zu späterer Zeit. Zumal ich die Gegenfinanzierung beispielsweise durch eine Erhöhung der BS um ca. 5-10 Euro pro Platz und Spiel auch noch für diskussionsfähig halten würde… Wirklich nicht absehbar dürfte die Entwicklung in Bezug auf die weiteren Ausbauphasen sein – auch weil durch die fehlende Rücksichtnahme auf die Haupt etliche mit dem Gedanken spielen, die Tribüne zu wechseln. Aber all dies ist derzeit reine Spekulation – während die Ablehnung des Antrages nicht nur Realität, sondern auch die Meinung der Mitgliederversammlung war.

      Einige wichtige Anträge sind aber zum Glück tatsächlich durchgegangen.

      Was die “Theorie der versuchten Beeinflussung” durch die Terminierung anbelangt – die Vereinsführung wurde auf die Vielzahl der geplanten Anträge VOR der Terminierung hingewiesen. Die JHV dann auf einen Wichentag zu später Stunde zu legen hatte das mögliche Zeitfenster derart klein gehalten, daß mir die Theorie wirklich nicht abwegig erscheint. Zumal viele eben keine Zeit hatten, die sonst gerne gekommen wären. ;)

      Die vorgelegten Zahlen wird Jekylla nicht einsehen können, diesbezüglich wird es keine Aufklärung geben können. Nur hinsichtlich der vertraglichen Bindungen des Vereines könnte Klarheit herbeigeführt werden, was ja auch schon eine Menge wäre.

  3. so lange mitglieder glauben das “an den schwachpunkten scheinbar gefeilt wird” und sich vom präsidium mit der finanzkeule ins bockshorn jagen lassen, wird das präsidium immer leichtes spiel haben. dieses präsidium hat keinen kredit verdient, sondern sollte sehr misstrauisch begleitet werden. man sollte auch den fehler unerlassen sich vom grüßaugust orth blenden lassen, die fäden im verein ziehen ganz andere, das wurde auf der jhv offensichtlich. die andeutungen vom ar das sich lobbyinteressen im verein breit machen. leider wurden diese andeutungen nicht weiter spezifiziert.ich habe einen eindruck von der jhv mitgenommen, ich habe in dieses präsidium keinerlei vertrauen das sie zum wohle des vereins agieren und das sie die selben ziele verfolgt wie die mitglieder.

    • So ganz kann ich auch nicht glauben, daß “an den Schwachpunkten gefeilt” werden wird. Wobei ich das auch nicht ausschließen, wohl aber kritisch begleiten möchte. Bzw. im nachhinein beurteilen, mehr kann man ja nicht. Wenn eine Wiederwahl angestanden hätte, dann wäre von meiner Seite aus auch keine erneute Zustimmung gekommen – dazu ist zu viel falsch gelaufen in meinen Augen. Es hätte aber auch schlimmer kommen können – doch dieser Einwand reicht für micht nicht aus. Die Worte von Seiten der AFM waren deutlich genug, um einuge der Mißstände aufzuzeigen. Die vom Aufsuchtsrat waren da weniger deutlich, aber nicht weniger extrem… Und zu Orth sage ich lieber nichts – das muß man erlebt haben und dann braucht man keine weiteren Worte mehr…

  4. Einen wichtigen Hinweis hat ja noch das Lichterkarussell in seiner Kommentarsektion gegeben:

    “Der Vertragspartner der Firma Hellmich beim Bau der Tribünen ist nicht etwa der Verein, sondern die Millerntorbetriebsgesellschaft mbH und diese ist als ausgegliederte Gesellschaft unseres Vereins nicht an Beschlüsse der Mitgliederversammlung gebunden.

    Das tauchte unterschwellig immer mal auf; z.B. auch das Bedürfnis, mal eine konsolidierte Bilanz aller Tochterfirmen zu bekommen auf Seiten des Kassenprüfers, wenn ich mich recht entsinne.

    Insofern ist nicht nur die Frage, wie die Verträge aussehen, sondern wer sie überhaupt mit wem geschlossen hat. Um so dreister übrigens das Unterfangen, die A- und B-Jugend auch noch in den Verfügungsbereich der Geschäftsführung zu zerren und dem Abendblatt mutmaßlich zu diktieren, doch langsam mal den ökonomischen Bereich der “St. Pauli-Gruppe” und den ideellen Bereich zu trennen. Herr Meeske und sein Umfeld haben schleichend den Verein annektiert und so umgebaut, dass immer mehr Subsysteme an den so anstrengenden Mitgliedern vorbei organisiert werden. Mich würde auch interessieren, ob Herr Dr. Stenger den Verein oder aber eine der Tochtergesellschaften auch beruflich vertritt oder kostenpflichtig berät, ebenso Herr Woydt. Das ist keine triviale Frage, Stenger hält ja auch Private Equity Fonds Vorträge, meines Wissens gegen Entgeld, meine ich zumindest gelesen zu haben, und mit Woydt zusammen dann ein Quasi-Finazmarkt-Produkt zu entwerfen, ist ja auch nicht zufällig passiert.

    Die Connection UFA und Meeske bedarf zudem mal einer genaueren Untersuchung, ebenso, wo Corny noch mit mischt. Das werden die aus der Stadion AG und dem Fanräume-Team auch wissen, ich bin mir nur immer nicht so sicher, wer da die Tragweite welcher Konstruktion begreift, weil deren höchstrespektables und bewundernswertes Engagement ganz auf Fanbedürfnisbefriedigung durch Kommunikation eben dieser an “Papa” heran getragen, psychologisch, werden, und dann bockt man, wenn man nicht kriegt, was man will. Das geht aber, zumindest so, wie ich das mit kriege, nicht an die Strukturen selbst.

    Was wir freilich immer ignorieren, da hat ja der Herr Eich noch mal ausgeführt in seiner ureigenen Art, ist der Zusammenhang, der zwischen Ermöglichung der Gegengeradenstehplatzanzahl und den Business-Seats konstruiert wird. Der ja angesichts der mangelnden Auslastung ideell so gedacht sein mag, de facto aber gar nicht so funzt wie dargestellt. Aber für viele der Grund gewesen sein wird, den Antrag abzulehnen, frei nach dem Motto: “Man muss Business-Seats schon in Kauf nehmen, will man so viele Stehplätze im Stadion haben.”

    Der verweist zudem auf die immense Fantasielosigkeit der Geschäftsführung. Die operieren in einem sehr kleinen Feld, eben da, wo sie sich auskennen: Finanzmarkt/Immobilienfinanzierung/Pferdeäpfeltheorie, also die Annahme, man müsse Wohlhabende ordentlich stopfen, damit für die Ärmeren hinten was abfällt. Habe echt gegrübelt, an welchen Punkten die überhaupt vom “Markenkern” des FC St. Pauli ausgehen. Das ist bei den Stehplätzen und dem Hauptsponsor der Fall, trotzdem der mit Kolonialslogan wirbt. Und bei der Präsentation der Artikel im Fan-Shop, woebi sie da schon sehr grenzwertig vorgehen.

    Wenn das so bleibt, wird sich das zu einem sehr gravierenden Problem für den Verein entwickeln. Sie erleben ja ganz ausdrücklich die Fans und Mitglieder als Hemmschuh, wie der Darstellung in der Anleihe zu entnehmen war. So lange sie sich drauf konzentrieren und dann rum jammern, was angeblich so alles nicht ginge am Millerntor in Sachen Geld verdienen, hängt jeglicher Wachstum, jegliches Geldverdienen tatsächlich am sportlichen Erfolg der Mannschaft. Weil gegen das “Produkt” gearbeitet wird, das man verkaufen will, an das man im Grunde genommen neben ein paar Phrasen gar nicht glaubt. Und so ist ja tatsächlich das “Mehr!” an Gebrauchswert gegenüber dem, was die Leute zahlen, irgendwann nicht mehr gegeben. Das hat man schon in der ersten Liga gemerkt, als auf einmal viele wegen des sportlichen Erfolges kamen und dann eben gingen, wenn man zurück lag. Oder bei einigen Spielen in letzter Zeit, wo wirklich Grabesstimmung über dem Stadion lag. Das hat die Distanz der Geschäftsführung zu den eigentlichen Vereinszielen und deren neue Zielsetzung “Top 25 im Profifussball” hervor gebracht. Sie zerstören damit das, was uns eigentlich ausmacht, nämlich das Stadionerlebnis. Und es besteht die Gefahr, dass es schlicht leer bleibt, wenn es sportlich mal nicht läuft, wenn die so weiter machen. Weil sich mit dem, was die da treiben, niemand mehr identifizieren können wird, mittelfristig.

    • In diesen Gedankengängen steckt vieles von dem, was bei der Betrachtung der Vorgehensweise unbedingt zu beachten ist. Was ausgegliederte Gesellschaften betrifft, so sind die nach wie vor mit dem Verein verbunden – wird also der Verein zur Umsetzung angehalten, dann müßte dieser auch auf die Tochtergesellschaften entsprechenden Einfluß nehmen, sonst wäre nicht alles erforderliche und mögliche von deren Seite zur Umsetzung getan.

      Trotzdem wird durch die Aufgliederung des Vereins ein kompliziertes Gebilde geschaffen, bei der es immer schwerer wird, den Durchblick zu wahren. Und das gilt schon für Sachkundige, der “normale Fan” ist da vollkommen überfordert – was durchaus im Sinne der Schaffenden ist…

      Auf der JHV haben wir live erleben können, wie mit Truggebilden anstelle von offenen Angaben umgegangen wird. Ein Zusammenhang zwischen BS und Stehplätzen zu generieren klingt so schön einfach und nachvollziehbar – aber einen Teilrückbau, der beispielsweise durch eine minimale Erhöhung der Rest-BS-Tickets zu finanzieren wäre, allein auf diesen Punkt zu beschränken, zeigt doch nur, daß keine Absicht bei dieser Vereinsführung besteht, einen solchen Weg auch nur gedanklich zu versuchen. Die eigene Macht steht hier im Vordergrund, also die Ausschaltung der Mitwirkung der Mitgliederversammlung durch Scheinargumente, um hindernde Beschlüsse zu umgehen – so jedenfalls mein Eindruck.

      Wenn man dann noch mitbekommt, daß der Plan, die Einnahmen aus den BS für den weiteren Bau des Stadions zu verwenden, aufgegeben wurde, um mit dem Geld den Kader zu finanzieren, dann sieht man, daß jetzt schon, wo angeblich ach so große Gewinne erzielt wurden, am System etwas nicht stimmt. Und damit auch das Argument nicht zutrifft, daß die BS die Stehplätze finanzieren würden. Man könnte eher umgekehrt das real existierende Schreckgespenst ausdrücklich beim Namen nennen: der Kader wird durch die Einnahmen aus den BS finanziert – jetzt schon. Doch das gilt ja auch für alle anderen Einkünfte und ist damit nicht so wirklich ein Problem – nur eben aus dem Grund, daß die BS etwas ganz anderes finanzieren sollten…

      Dieses Präsidium sieht keinen sozialen Zusammenhalt oder kennt den Begriff Solidarität wohl auch nur dem Namen nach. Was ein großes Problem darstellt und Auswirkungen schon jetzt hat, noch größere aber in Zukunft haben wird. So habe ich schon von mehreren auf der Haupt, die seit Jahrzehnten dort mit einer DK sitzen, daß sie aus dieser Ecke fliehen möchten – und wenn kein anderer Ort im Stadion für sie zu finden wäre, würde sogar ganz auf die Karte verzichtet werden. Grund ist das extrem schlechte Fanempfinden in den Blöcken H1-3 – vielleicht sollte man so ehrlich sein und diesen Bereich irgendwann einmal als Gastbereich ausweisen, ein reiner Heimbereich ist dies jedenfalls schon lange nicht mehr.

      Ich will eine Vereinsführung, die die Probleme erkennt, wenn sie angesprochen wurden – und die nicht auch noch für deren Aufrechterhaltung kämpft, weil es ihr Probleme bereiten könnte wie eine gedankliche Lösungsarbeit… Den hinter der Bring Back Sankt Pauli Idee stehenden Gedanken haben die nicht verstanden – und können dies aus ihrer Perspektive wohl auch gar nicht. Womit ihre Eignung in Sachen Präsidium meines Erachtens in Frage zu stellen ist, denn wirtschaftliche Fähigkeit allein ist hier nicht ausreichend. Schließlich geht es hier um den FC St. Pauli und nicht irgendeinen gesichtslosen Club oder eine sonstige Firma. Fans allein als die optimale Vermarktung störender Faktor zu betrachten ist jedenfalls ein Schlag ins Gesicht eben dieser.

  5. “so lange mitglieder glauben das „an den schwachpunkten scheinbar gefeilt wird“ … wird das präsidium immer leichtes spiel haben.”

    Nach allem was ich bisher von der AG Stadionbau gelesen habe, besteht für mich kein Anlass an den Worten auf der PK zu zweifeln, auch wenn ich meine persönliche Antipathie gegenüber dem Herrn Meeske dabei unterdrücken muss.

    • Es gibt da leider viele Gegenbeispiele – ich verweise hier nur auf den nicht durchgegangenen Antrag auf Errichtung von Geländern auf der Haupt, die aufgrund der steilen Treppen für ältere Menschen ohne fremde Hilfe kaum noch begehbar sind. Dieser Fehler wurde auch auf der Süd gemacht und sowohl eine Veränderung dort von Fanseite als eben auch eine entsprechende Gestaltung der Haupt angemahnt. Die fehlende Umsetzung läßt für die Bauweise der Gegengeraden diesbezüglich nicht sonderlich viel erhoffen – und nicht nur in diesem Punkt ist ein Vertrauensvorschuß längst aufgebraucht.

      Was nicht heißt, daß jegliche positive Sicht hier ausgeschlossen wäre. Einiges wurde ja bereits miteingearbeitet. Aber man sollte weit davon entfernt sein, hier weiter darauf blind zu vertrauen, daß “die da oben das schon alles richtig machen werden”.

      • Dass der Antrag nicht durchgegangen ist, ist doch kein Fehler des Präsidiums. Leider war ich ja verhindert, daher sind mir die Gründe nicht bekannt, aber es muss ja Gegenargumente gegeben haben. Oder war das auch eine der Gelegenheiten, bei denen das Präsidium die finanzielle Keule geschwungen hat? Wie teuer können ein paar Geländer schon sein?
        Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass wir das Präsidium irgendwann mal gewählt haben, das Misstrauen scheint also nicht überall so groß zu sein.

        • Mal davon abgesehen, daß auch bei dem Geländer-Antrag das Präsidium die Finanzkeule geschwungen hatte, ich hatte auf etwas ganz anderes hingewiesen: und zwar, daß die Süd das gleiche Problem hatte, dies seinerzeit gerügt und dann der Fehler auf der Haupt gleichwohl wiederholt wurde. Beratungsresistenz des Präsidiums hat sich hier gezeigt zulasten der Fans im Stadion – ohne damit nur das aktuelle zu meinen. Hier zeigt sich nur, daß man nicht blind darauf vertrauen sollte, daß die Vereinsführung die geäußerte und verstandene Kritik auch annimmt und umsetzt bei weiteren Baumaßnahmen. Zumindest muß man auch diesmal wieder kritisch den Prozeß beobachten und im Nachhinein entsprechend der Ergebnisse beurteilen.

          Das Präsidium in der jetzigen Formation hatte einen Vertrauensvorschuß, da gab es ja etliche Personalien, die man nur mit diesem versehen konnte. Dieser Vorschuß ist aber aufgrund vieler Dinge aufgebraucht. Um das beurteilen zu können, ist natürlich auch eine Teilnahme an einer JHV ratsam. Die Medien schreiben zugunsten der Vereinsvertreter, da wird gerne manipuliert in deren Sinne – das sah man auch schon früher. Eigenes Urteil ist da viel ratsamer und dazu braucht man Informationen aufgrund eigener Beobachtung. Wie es mit einer Wiederwahl aussehen würde, das wird die Zukunft zeigen – das stand ja noch nicht an.


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  4. By 20% weniger Business Seats! #JHV | St. Pauli NU*de on 06 Nov 2013 at 10:03 vormittags

    […] Schaut man auf der Gegengeaden nach links, sieht man eine große Wand Business Seats über den Südkurvlern sich erheben. Das ärgert diese dort selbstverständlich noch immer. Schaut man dann gegenüber der Geraden auf die Haupt, auf den riesigen Block Business Seats, die immer wieder und regelmäßig leer bleiben oder zu spät besetzt werden, weil vielleicht die Schlange am Bier oder Bratenstand zu lang war, dann erinnere ich mich an die vergangenen Jahre, und unser Bemühen das zu ändern. […]

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